Die Kiwai an der Mündung des Flyrivers (Britisch-Neuguinea) legten
früher den Toten zusammen mit seinen Waffen, Werkzeugen und
Schmucksachen auf eine Plattform (Abb. 170) und brachten ihm von Zeit
zu Zeit Geschenke, die in Nahrungsmitteln bestanden. Die Verwandten
aber begossen täglich die Leiche mit Wasser, um den Auflösungsprozeß
dadurch zu beschleunigen. Sobald nur noch die Knochen übrig waren,
wuschen und begruben sie diese im Garten. Den Schädel aber behielten
sie oft eine Zeitlang zurück; der eine oder andere Leidtragende band
ihn sich um den Hals, bisweilen auch Schädelreste von mehreren
Verwandten der Reihe nach. Der Trauernde konnte sich angeblich mittels
des Schädels mit dem Toten verständigen, das heißt mit seiner Hilfe
weissagen. Jetzt setzt das Kiwaivolk seine Toten in der Erde bei; der
Kopf ist nach Westen, das heißt nach der Richtung der untergehenden
Sonne und dem Monde zu, wo das Land der Toten liegt, gerichtet. Man
baut schließlich ein kleines Haus über dem Grabe (Abb. 171), dessen
Form eine ganz verschiedene ist. Die Habseligkeiten des Toten werden
an einem Stock, der in der Erde steckt, oder an den Ecken des kleinen
Hauses aufgehängt. Wochenlang brennt für den Toten ein Feuer unter oder
neben diesem Häuschen am Fuße des Grabes. Ein Korb, der denjenigen
ähnelt, in welchen die Mütter in diesen Gegenden ihre Kinder zu tragen
pflegen, zeigt an, daß hier ein Kind bestattet liegt (Abb. 173).
Sogleich nach dem Tode ertönt das Klagen und Singen der Dorfbewohner.
[Illustration:
Phot. G. Landtman.