Abb. 171. Kiwaigrab.]

Eigenartig sind die Totengebräuche bei den Mafulu. Beim Herannahen

des Todes wird dem Sterbenden ein Weib, das diese Tätigkeit als

Beruf betreibt, zur Bewachung beigegeben. Sobald sie sich überzeugt

hat, daß der Tod eingetreten ist, verabreicht sie dem Toten mit der

Faust einen Schlag auf den Kopf und erklärt ihn für tot; falls er

es bis dahin noch nicht gewesen sein sollte, ist er es jetzt in der

Tat. Bei einem Häuptlinge kommt noch ein umständlicheres Verfahren

in Betracht. Ein Zauberer geht mit einem Stücke des Dammgurtes des

Sterbenden sowie mit einem Rest der Speise, die er eben erst gegessen

hat, in den Busch, steckt den Speiserest in den Gürtel und umwickelt

diesen wieder mit einem Blatt, so daß eine Kugel daraus entsteht.

Diese steckt er unter ein brennendes Holzscheit, sich selbst legt

er daneben mit geschlossenen Augen, verharrt aber so nur wenige

Minuten, springt dann wieder auf und untersucht die Kugel. Ist die

Speise verbrannt oder angesengt, so ist dies ein Anzeichen dafür, daß

der Häuptling sterben muß; er erhält dann den bewußten Schlag auf

den Kopf. Manchmal behaupten die Mafulu, daß ein Zauberer aus einem

feindlich gesinnten Dorfe den Tod eines Häuptlings durch solch ein

Verfahren absichtlich herbeigeführt habe; dann ist ein Kampf zwischen

den beiden Sippen die natürliche Folge. -- Auf die Todesverkündigung

hin erfolgt lautes Geschrei von den Männern des Dorfes, das den Zweck

haben soll, den Geist einzuschüchtern. Die Frauen, die schon eine

Zeitlang gejammert haben, stimmen nun ein richtiges Begräbnislied

an, das sie bis zur Beisetzung mit Unterbrechung absingen, und

die Verwandten des Heimgegangenen bestreichen sich den Körper mit

Lehm. Inzwischen erscheinen Männer und Frauen aus anderen Dörfern;

die Frauen sind ebenfalls mit Lehm beschmiert. Jetzt erhebt sich

wiederum lautes Wehklagen und Singen. Das Begräbnis selbst findet

etwa vierundzwanzig Stunden nach dem Tode statt. Der Körper wird,

die Knie bis ans Kinn angezogen, in Blätter und Rinde eingewickelt,

und unter Gesang der Frauen, die ihre Begräbnislieder fortsetzen, zu

Grabe getragen. Daraufhin schreien die Männer wieder ganz laut, um

den Geist noch mehr einzuschüchtern und ihn schließlich gänzlich zu

vertreiben. Die Angehörigen legen nun Trauer an, die hauptsächlich in

dem Anschwärzen des Gesichtes, oft auch des ganzen Körpers, besteht.

Die Witwe beziehungsweise der Witwer oder auch der nächste Anverwandte

trägt eine kleine Trauerhalskette aus Bindfaden. Sind zwei oder drei

Tage verstrichen, so findet der Leichenschmaus statt, zu dem Leute aus

anderen Dörfern geladen werden. Zuerst betreten zwei weibliche Gäste

mit Speeren in den Händen das Dorf und laufen zweimal unter Schwingen

der Speere darin umher. Bei ihrer zweiten Tour folgt ihnen eine Schar

männlicher Gäste, die die Dorfumzäunung mit gleichfalls geschwungenen

Speeren herunter und wieder zurück tanzen, bis sie das Grab erreicht

haben (Abb. 167). Dann betritt ein weiterer Gast, gewöhnlich der

Häuptling oder sein Sohn, das Dorf in vollem Tanzschmuck (Abb. 168);

er schlägt seine Trommel und tanzt im Zickzack die Umfriedigung

entlang, bis auch er zu dem Grab kommt. Daraufhin entfernt der

Häuptling des Dorfclans seinen Kopftanzputz, ein schweres Holzgestell

mit Federaufputz, der manchmal meterhoch über seinen Kopf hinausragt,

und der Tanz ist zu Ende. Schließlich wird ein Schwein nach dem anderen

aufs Grab gelegt, getötet und zerteilt; hierdurch soll die Seele des

Abgeschiedenen endgültig versöhnt werden. Die Gäste werden alle mit

Gemüse und Schweinefleisch bewirtet. War der Tote ein Häuptling oder

eine gewichtige Persönlichkeit, so darf sein Körper nicht der Erde

anvertraut werden, sondern bleibt frei an der Luft liegen. Um den

widrigen Ausströmungen der faulenden Leiche zu entgehen, verlassen die

Bewohner für diese Zeit das Dorf, es bleiben aber zwei Frauen auf Wache

bei dem Leichnam zurück; diese sollen indessen nicht seine irdischen

Überreste, sondern das Schweineblut bewachen.

Merkwürdig ist die Zeremonie, die man mit der Trauerablegung hier

sowohl wie bei den Mekeo verbindet. Nach Verlauf von etwa ein bis

zwei Wochen, aber auch bis zu sechs Monaten, wird ein Schwein

unter dem Gerüst eines Häuptlingsgrabes getötet; darauf wird dem

Hauptleidtragenden sein Trauerbindfaden vom Halse abgeschnitten, in das

Schweineblut eingetaucht und fortgeworfen; sein Gesicht bekommt zwei

Farbstriche, gewöhnlich in Rot, auf jede Backe; es folgen nun Gelage

und Tanz.

[Illustration:

Phot. G. Landtman.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 92 / 207 题