Eigenartig sind die Totengebräuche bei den Mafulu. Beim Herannahen
des Todes wird dem Sterbenden ein Weib, das diese Tätigkeit als
Beruf betreibt, zur Bewachung beigegeben. Sobald sie sich überzeugt
hat, daß der Tod eingetreten ist, verabreicht sie dem Toten mit der
Faust einen Schlag auf den Kopf und erklärt ihn für tot; falls er
es bis dahin noch nicht gewesen sein sollte, ist er es jetzt in der
Tat. Bei einem Häuptlinge kommt noch ein umständlicheres Verfahren
in Betracht. Ein Zauberer geht mit einem Stücke des Dammgurtes des
Sterbenden sowie mit einem Rest der Speise, die er eben erst gegessen
hat, in den Busch, steckt den Speiserest in den Gürtel und umwickelt
diesen wieder mit einem Blatt, so daß eine Kugel daraus entsteht.
Diese steckt er unter ein brennendes Holzscheit, sich selbst legt
er daneben mit geschlossenen Augen, verharrt aber so nur wenige
Minuten, springt dann wieder auf und untersucht die Kugel. Ist die
Speise verbrannt oder angesengt, so ist dies ein Anzeichen dafür, daß
der Häuptling sterben muß; er erhält dann den bewußten Schlag auf
den Kopf. Manchmal behaupten die Mafulu, daß ein Zauberer aus einem
feindlich gesinnten Dorfe den Tod eines Häuptlings durch solch ein
Verfahren absichtlich herbeigeführt habe; dann ist ein Kampf zwischen
den beiden Sippen die natürliche Folge. -- Auf die Todesverkündigung
hin erfolgt lautes Geschrei von den Männern des Dorfes, das den Zweck
haben soll, den Geist einzuschüchtern. Die Frauen, die schon eine
Zeitlang gejammert haben, stimmen nun ein richtiges Begräbnislied
an, das sie bis zur Beisetzung mit Unterbrechung absingen, und
die Verwandten des Heimgegangenen bestreichen sich den Körper mit
Lehm. Inzwischen erscheinen Männer und Frauen aus anderen Dörfern;
die Frauen sind ebenfalls mit Lehm beschmiert. Jetzt erhebt sich
wiederum lautes Wehklagen und Singen. Das Begräbnis selbst findet
etwa vierundzwanzig Stunden nach dem Tode statt. Der Körper wird,
die Knie bis ans Kinn angezogen, in Blätter und Rinde eingewickelt,
und unter Gesang der Frauen, die ihre Begräbnislieder fortsetzen, zu
Grabe getragen. Daraufhin schreien die Männer wieder ganz laut, um
den Geist noch mehr einzuschüchtern und ihn schließlich gänzlich zu
vertreiben. Die Angehörigen legen nun Trauer an, die hauptsächlich in
dem Anschwärzen des Gesichtes, oft auch des ganzen Körpers, besteht.
Die Witwe beziehungsweise der Witwer oder auch der nächste Anverwandte
trägt eine kleine Trauerhalskette aus Bindfaden. Sind zwei oder drei
Tage verstrichen, so findet der Leichenschmaus statt, zu dem Leute aus
anderen Dörfern geladen werden. Zuerst betreten zwei weibliche Gäste
mit Speeren in den Händen das Dorf und laufen zweimal unter Schwingen
der Speere darin umher. Bei ihrer zweiten Tour folgt ihnen eine Schar
männlicher Gäste, die die Dorfumzäunung mit gleichfalls geschwungenen
Speeren herunter und wieder zurück tanzen, bis sie das Grab erreicht
haben (Abb. 167). Dann betritt ein weiterer Gast, gewöhnlich der
Häuptling oder sein Sohn, das Dorf in vollem Tanzschmuck (Abb. 168);
er schlägt seine Trommel und tanzt im Zickzack die Umfriedigung
entlang, bis auch er zu dem Grab kommt. Daraufhin entfernt der
Häuptling des Dorfclans seinen Kopftanzputz, ein schweres Holzgestell
mit Federaufputz, der manchmal meterhoch über seinen Kopf hinausragt,
und der Tanz ist zu Ende. Schließlich wird ein Schwein nach dem anderen
aufs Grab gelegt, getötet und zerteilt; hierdurch soll die Seele des
Abgeschiedenen endgültig versöhnt werden. Die Gäste werden alle mit
Gemüse und Schweinefleisch bewirtet. War der Tote ein Häuptling oder
eine gewichtige Persönlichkeit, so darf sein Körper nicht der Erde
anvertraut werden, sondern bleibt frei an der Luft liegen. Um den
widrigen Ausströmungen der faulenden Leiche zu entgehen, verlassen die
Bewohner für diese Zeit das Dorf, es bleiben aber zwei Frauen auf Wache
bei dem Leichnam zurück; diese sollen indessen nicht seine irdischen
Überreste, sondern das Schweineblut bewachen.
Merkwürdig ist die Zeremonie, die man mit der Trauerablegung hier
sowohl wie bei den Mekeo verbindet. Nach Verlauf von etwa ein bis
zwei Wochen, aber auch bis zu sechs Monaten, wird ein Schwein
unter dem Gerüst eines Häuptlingsgrabes getötet; darauf wird dem
Hauptleidtragenden sein Trauerbindfaden vom Halse abgeschnitten, in das
Schweineblut eingetaucht und fortgeworfen; sein Gesicht bekommt zwei
Farbstriche, gewöhnlich in Rot, auf jede Backe; es folgen nun Gelage
und Tanz.
[Illustration:
Phot. G. Landtman.