Abb. 173. Kiwaikindergrab.]

Ist der Verstorbene ein Mann, so wird seine Frau in einem

Mattenverschlag in dem langen Frauenhaus des Dorfes abgeschlossen; sie

darf sich nicht an dem Begräbnis beteiligen. Zum Zeichen ihrer Trauer

bestreicht sie ihren Körper mit Lehm, jammert unaufhörlich und geht

nur im Dunkeln aus. Wenn sie schließlich den Verschlag verläßt, trägt

sie ein Trauergewand aus Gras, das ihren ganzen Körper bedeckt und mit

dem sie auch ihr Gesicht verhüllen kann (Abbild. 172). Nach ein paar

Wochen tritt an Stelle dieser den Körper verhüllenden Trauergewänder

eine Kappe und ein Kopfputz aus Gras, der über Rücken und Brust

herabhängt (Abbildung 169), und um die Hüften ein Rock, den sie mehrere

Wochen trägt, um dann ein Stück nach dem anderen abzulegen. Trauert

ein Kiwaimann, so bestreicht er sich zum Zeichen dafür ganz und gar

mit Lehm und trägt ein Grasgewand um seinen Hals, das hinten fast bis

auf die Erde reicht und vorn bis über die Brust geht (Abb. 176); auch

dieses wird allmählich mit dem Nachlassen der Trauer verkürzt. In einer

anderen Gegend des östlichen Flyriverufers tragen die Eingeborenen

zum Zeichen der Trauer ein kapuzenartiges Netz, das über Kopf und

Gesicht gestreift wird und dieses wie ein Schleier bedeckt (Abb. 175).

In dem Grade, wie die Trauer geringer wird, lüftet sein Träger die

Kapuze und gibt das Gesicht frei. Überhaupt ist der Trauerschmuck über

ganz Neuguinea verbreitet. Allgemein gilt als Ausdruck des Schmerzes

ein Bemalen der Brust und des Gesichtes mit schwarzer Farbe; auch

Trauernetze sind vielfach in Gebrauch. Die Basilakiweiber tragen

Muschelschmuck als Trauerabzeichen (Abb. 181). Bei den Papua von

Holländisch-Neuguinea (Abb. 177) wird nach dem Hinscheiden einer Person

von den Klageweibern ein Totengesang angestimmt, der öfters eines

poetischen Reizes nicht entbehrt; unter anderem werden darin die treue

Vorsorge des Verstorbenen für seine Familie, sowie seine Tugenden,

vor allem seine Kriegs- und Heldentaten verherrlicht. Die Klageweiber

waschen auch die Leiche, hüllen sie in Matten und umschnüren sie mit

festem Bast, worauf die Bestattung in der Erde erfolgt. Bei den

Mambri stellt man das Ahnenbild des Verstorbenen neben sein Grab und

schilt es tüchtig dafür aus, daß es einen so tapferen Mann hat sterben

lassen. Daneben gibt es aber noch ganz seltsame Bestattungsgebräuche.

In einer Gegend werden die Toten in ausgestreckter, horizontaler Lage

in Käfige aus geflochtenen Zweigen gelegt, die auf Pfählen am Strande

hinter dem Dorfe ruhen. In einer anderen Gegend werden dem Leichnam die

Knie stark hochgezogen und der Kopf tief auf die Brust herabgedrückt;

in dieser Stellung wird der ganze Körper in einen Palmblätterkorb

gesteckt, der ihn ganz fest umschließt, verschnürt und in der Wohnung

an der Wand aufgehängt. Bei einem anderen Stamme legt man den Toten in

ein flaches Grab, deckt ihn mit schweren Steinen zu und umzäunt die

Stätte mit starken Ästen (Abb. 179), über die man quer Sagoblätter

sowie den oder die Spaten legt, die zum Schaufeln des Grabes benutzt

wurden. Diese Ruhestätten tragen öfters auch ein niederes Giebeldach

aus Blättern (Abb. 178). In einer anderen Gegend wird die Umzäunung

dicht um das Grab herumgelegt und das Ganze mit einem Palmblätterdach

bedeckt, so daß ein kleiner hausähnlicher Bau entsteht, den man oft

hübsch ausputzt. Schließlich verdient noch eine Grabform Erwähnung.

Sie besteht aus einem kleinen, aus vier Holzplatten gezimmerten,

ebenfalls hausähnlichen Bau, der auf einem Pfosten ruht und von einem

geschnitzten und verzierten Dach gekrönt wird. Dieses Behältnis ist so

klein, daß nur die Knochen darin aufbewahrt werden können, es bildet

also eine Art Totenschrein (Abb. 188).

[Illustration:

Phot. D. Mackay.

Abb. 174. Menschliche Amulette aus getrockneten und geräucherten

Körperteilen, die als Andenken an einen Verstorbenen von dessen

Angehörigen getragen werden.]

[Illustration:

Phot. G. Landtman.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 94 / 207 题