Zwei Mekeofrauen im Tanzschmuck

aus Muschel- und Zahnketten, in mit roten und gelben Streifen gefärbten

Grasröcken. Bei jedem Tanzschritt schwingen die Frauen die Hüften, so

daß der Rock bis zu den Schultern in die Höhe fliegt.

Zwei Mekeomänner in Kriegstracht.

Der Kopfputz besteht aus Paradiesvogelfedern, die große Muschel wird

beim Kampfe vor dem Munde getragen.]

[Illustration:

Phot. H. M. Dauncey.

Abb. 135. Maske der Kaiwakuku mit dreifachem Gesicht,

das heißt der Personen, die gleichsam als Polizisten die tabu erklärte

Ernte zu bewachen haben.]

[Illustration: Rorohäuptling im Festschmuck.

Das auf der Mitte der Brust ruhende Schmuckstück ist das Abzeichen der

Häuptlingswürde, es besteht in der Hauptsache aus zwei Reihen zu dünnen

Plättchen abgeschliffener Hauer des Ebers. Ein junger Häuptling, der

das Mannesalter erreicht, wird feierlich mit diesem Zeichen geschmückt.]

Viele Jahre hindurch bestand unter den Dorfbewohnern in der Nähe von

Port Moresby der Brauch, daß in jedem Herbste +Handelsexpeditionen+

in die Dörfer an den Mündungen der großen Flüsse des Papuagolfes zum

Austausch der selbst angefertigten Topfwaren gegen Sago ausgerüstet

wurden. Die Vorbereitungen für diese mit großen Segelschiffen, den

sogenannten Lakatoi (Abb. 136), unternommenen Fahrten wurden bereits im

Frühjahr durch zwei Männer des Dorfes getroffen, welche die Bezeichnung

eines „Oberst“ und „Unternehmers“ erhielten. Sie warben sich zunächst

für jedes Schiff die Mast- und Segelkapitäne und sodann die übrige

Mannschaft. Erst im Hochsommer begann man mit dem Bau des Schiffes, das

eigentlich aus vier aneinander gefügten einzelnen Kanu bestand. Nach

der Fertigstellung räucherte ein Zauberer bestimmte Teile des Bootes

mit dem Rauch einer Mischung aus einer wild wachsenden Pflanzenwurzel,

Emuklauen und Hornhechtschnauze und band kleine Säckchen aus

Bananenblättern mit Blättern der gleichen wild wachsenden Pflanze an

bestimmte Teile des Bootes. Durch diese Zeremonie sollte das Lakatoi

erhöhte Segelkraft erhalten und die Expedition von Glück begünstigt

werden. Danach wurden die Masten eingesetzt und die Mattensegel,

die in ihrer Gestalt Krebsscheren glichen, angebunden. Der Anker, der

aus einem durch ein Netz gehaltenen Steine bestand, galt ebenfalls

als heilig. Er mußte, sobald er herabgelassen war, von drei Männern

eigens bewacht werden. Nachdem schließlich auch er herbeigeschafft

war, fuhr man zunächst einmal Probe; bei diesen Fahrten versammelten

sich ganze Scharen von Mädchen auf den Plattformen der Schiffe und

führten Tänze auf. Solange die Expedition unterwegs war, unterlagen die

Frauen des Unternehmers und Obersten ähnlichen Nahrungsbeschränkungen

wie ihre Männer vor Beginn der Fahrt. Sie durften auch kein fremdes

Haus betreten und das Feuer in ihrem eigenen nicht ausgehen lassen,

bis das Lakatoi zurückgekehrt war. In jedem Hause wurde außerdem ein

langer Faden aufgehängt und täglich ein Knoten hineingeschlungen;

an jedem zehnten Tage wurde um den betreffenden Knoten eine Faser

gebunden, um ihn zu kennzeichnen, und ein kleines Fest im Hause durch

die Verwandten der Mannschaft des Lakatoi veranstaltet. Wenn fünfzig

Tage verstrichen waren und somit der fünfte große Knoten gebunden war,

wurde die Expedition täglich zurückerwartet. Interessant sind die

Wahrzeichen, aus denen die Zurückgebliebenen zu wissen glaubten, ob es

ihren kühnen Angehörigen auf der Fahrt gut oder schlecht ging. Empfand

zum Beispiel jemand auf der rechten Körperseite Jucken, so war dies

eine gute Vorbedeutung, auf der linken jedoch eine böse. Auch Träume

gaben darüber Auskunft, es bedurfte aber dann der Auslegung durch einen

Zauberer. Sah jemand im Traume Gras brennen, so galt ihm dies als ein

gutes Omen, auch wenn er einen Hund ein Wallaby jagen oder sich selbst

eine schwere Bananenlast tragen sah; dagegen war es ein böses Omen,

wenn jemand einen großen Felsen oder Stein erblickte oder sich selbst

auf einem im Wasser frei treibenden Stück Holz stehen und mit ihm sich

untergehen sah und ähnliches.

[Illustration:

Aus: Seligmann, The Melanesians.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 78 / 207 题