Um die Zuneigung der Mädchen zu gewinnen, wird von den jungen Leuten
mancherlei +Liebeszauber+ angewendet. Ein Jüngling der Koita versenkt
bisweilen ein Stück Quarz in die Milch einer jungen Kokosnuß, reibt
sich damit das Gesicht ein und denkt dabei scharf an das Mädchen,
dessen Liebe er erwerben möchte. Auf einigen Inseln östlich von
Neuguinea bereiten sich die jungen Leute einen sehr wirksamen
Liebeszauber, indem sie die Rinde eines bestimmten Baumes zu Pulver
zerreiben, dieses mit Kokosnußschnitzeln vermischen, die Mischung in
ein Blatt rollen und das Ganze braten. Das Zaubermittel wird einfach
in der Weise angewendet, daß der Saft dieses Gemengsels dem Mädchen,
während es schläft, ins Gesicht gespritzt wird. Man glaubt dann, daß
es sich innerhalb weniger Tage in den, der dieses Verfahren anwendet,
heftig verlieben wird. Bei den Mafulu üben die jungen Burschen eine
Art Sympathiezauber aus. Sie tragen in einer kleinen Tasche beständig
Holz- oder Steinstückchen mit sich herum, damit diese den Geruch ihres
Körpers annehmen, mischen, ehe sie sich dem Mädchen ihrer Wahl nähern,
Tabak darunter und schicken diesen dann dem Mädchen zum Rauchen. Da
der Besitzer eines solchen Mittels, dessen Wirksamkeit mit der Zeit
zunehmen soll und außerdem noch durch die Kraft eines wirklichen
Zauberers erhöht werden kann, es schwer zu ersetzen vermag, so trennt
er sich unter keinen Umständen davon. Die Mafulu besitzen auch ein
Mittel, um die Zukünftige zu entdecken. Ist ein Jüngling heiratslustig,
weiß er aber nicht, woher er eine Frau nehmen soll, dann zündet er bei
Windstille ein helles Feuer an und wartet ab, bis ein leiser Lufthauch
die Flamme oder den Rauch nach einer bestimmten Richtung trägt; in
dieser geht er auf die Suche nach einer Braut.
[Illustration:
Aus: Pfeil, Studien und Beobachtungen aus der Südsee.