in vollem Schmuck, mit rot gefärbtem Haar.]
Zahlreicher sind jedoch die Gebräuche, die sich im engeren Kreise
abspielen. In einer Gegend von Südost-Neuguinea hebt die junge Mutter
ihr Kind beim ersten Vollmond nach der Geburt auf und zeigt es ihm,
damit es daraufhin schnell wachse und bald sprechen lerne. Auf einer
der Neuhebriden geht der Vater etwa zehn Tage nach der Geburt zum
Strande und zerstreut auf dem Wege kleine Spielzeugbogen, wenn es
sich bei dem Familienzuwachs um einen Knaben handelt, oder Stücke von
Pandanusfasern, wenn es ein Mädchen war; mit dem ersteren ist der
Wunsch verbunden, daß der Knabe ein kräftiger Bogenschütze werden möge,
mit dem letzteren, daß das Mädchen späterhin stets ihrer Pflicht als
Mattenflechterin, also als Hausfrau eingedenk sein möge. Auf einer
anderen Insel bringen die Verwandten des Vaters der Mutter Speisen und
Matten, sie legen solche nebst Bändern, mit denen Schweine angebunden
werden, auf das Haupt des Kindes, was der Vater als Zeichen dafür
hinnimmt, daß sie später einmal im Notfalle seinem Kinde helfen und
es zu ernähren bereit sein werden. -- In Kaiser-Wilhelms-Land legt
die junge Mutter beim ersten Ausgang mit dem Kinde Holz und Grasbündel
auf den Weg, damit die Geister ihm nichts anhaben können; muß sie über
ein Wasser gehen, so werfen die Familienmitglieder aus dem gleichen
Grunde Steine hinein, mit denen sich die Geister anstatt mit dem Kinde
beschäftigen sollen. -- Auf der Gazellehalbinsel bewegt eine Frau das
Neugeborene durch den Rauch eines Feuers mit den Worten: „Zupfe deinen
Bart und knirsche mit den Zähnen, schmücke deinen Hals und trage die
Streitkeule, wenn du den Busch durchschreitest,“ sofern es ein Knabe
ist, oder „bestelle die Pflanzung, gebäre Kinder, beiße die Lianen
zum Aufreihen des Muschelgeldes zurecht, bringe das Getreide herbei
und ziehe auf den Markt,“ wenn es sich um ein Mädchen handelt. Ein
Zauberer streckt dabei seine Hand in den Rauch, nimmt etwas Asche
zwischen die Finger und berührt damit Augen, Ohren, Schläfe, Nase
und Mund des Kindes, um ihm dadurch gegen die bösen Geister Kraft zu
verleihen. -- In den mittleren Teilen Neupommerns versammeln sich die
Männer des Dorfes im Klubhaus, jeder mit einem Baumzweig versehen. Sie
brechen ein paar Zweige ab, die junge Schößlinge haben, und behalten
sie in der Hand, während sie die übrigen Blätter verbrennen. Darauf
spricht einer von ihnen einen Zauberspruch über ein Stück Ingwer, das
sodann unter die übrigen verteilt wird. Die Männer zerkauen den Ingwer,
speien ihn auf die Zweige aus und halten diese in den Rauch hinein.
Merkwürdigerweise soll dieser Vorgang weniger dem Kinde, als vielmehr
den Teilnehmern nützen, denn sie glauben, daß, wenn sie diese Zeremonie
bei der Geburt eines Kindes nicht beobachten, sie selbst im Kriege
feige sein, und ihre Waffen ihre Macht verlieren würden. Eine Frau der
Kiriwina im Südosten von Neuguinea trägt nach der Geburt eine Zeitlang
einen langen Grasmantel an Stelle des sonst üblichen kurzen Grasrockes
(Abb. 91).
[Illustration:
Phot. R. W. Williamson.
Abb. 78. Ein Klubhaus der Mekeo.
Die Einrichtung solcher Häuser ist in Melanesien allgemein. Sie bilden
den Sammelplatz der Männer, namentlich die Junggesellen leben darin,
und die Besucher aus anderen Dörfern finden dort gastliche Aufnahme.]
[Illustration:
Phot. R. W. Williamson.
Abb. 79. Das Klubbaus einer Mekeofamilie.
In jenem Gebiet haben oft Gruppen verwandter Familien ihre eigenen
Klubhäuser, die in beträchtlicher Höhe über dem Boden errichtet werden
und Plattformen besitzen.]
[Illustration:
Phot. J. W. Beattie, Hobart.