Abb. 76. Erweiterung der Ohrdurchbohrung

durch Pflöcke, die allmählich immer dicker genommen werden.]

Im allgemeinen gibt man sich auf Melanesien bei der +Geburt eines

Kindes+ nicht viel mit Zeremonien ab, jedoch werden hin und wieder

solche angetroffen; öfters beschränken sie sich auch nur auf

Erstgeburten, manchmal auch nur auf Kinder von Häuptlingen. Auf

Neumecklenburg gibt die Geburt eines Erstgeborenen Anlaß zu einem

Scheinkampfe zwischen Männern und Frauen, von denen die ersteren mit

Stöcken, die letzteren mit Steinen und anderen Wurfgeschossen bewaffnet

sind, und einem sich daran anschließenden Schmaus. In den gebirgigen

Gegenden im Innern Neuguineas wird ein solcher Angriff nur von den

Frauen unternommen, so bei den Kuni auf das Haus der Wöchnerin und

das Männerklubhaus, bei den Mafulu auf das Haus des Häuptlings und

gleichfalls auf das Dorfklubhaus; die Weiber, die dabei in vollem

Tanzschmuck sind, sollen ihre Speere und Knüttel mit solcher Kraft

gegen diese Häuser schleudern, daß sie nicht selten durch das Dach

ins Innere dringen. Immer gibt es nach diesen Angriffen ein längeres

Festessen. Auf Kaiser-Wilhelms-Land laufen die Papuaweiber bei der

Geburt eines Erstgeborenen zusammen, jagen die männlichen Verwandten

des Kindes oder werfen auf sie; die Zeremonie endigt auch hier wieder

mit einem Schmaus, an dem bei den Motu-Motu-Leuten nur die „alten

Damen“ teilnehmen dürfen. Auch anderwärts, zum Beispiel bei den Roro,

wird die Geburt des ersten Kindes durch einen Tanz gefeiert, zu dem

man sich prächtig schmückt (Abb. 90). In eigenartiger Weise werden

die neugeborenen Kinder von den Mekeoweibern in einem durch den Kopf

gestützten, nach vorn hängenden Netz getragen (Abb. 93).

[Illustration:

Phot. Mansell & Co.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 57 / 207 题