Abb. 16. Krieger der Gilbertinseln bei einem Kampfspiel.]

Auf der Insel Nauru wurden in den Häuptlingsfamilien ähnliche strenge

Verbote peinlich genau beobachtet. Es durften zum Beispiel keine

Kokosnüsse berührt werden, die in einem Umkreise von dreißig Meter

um die Hütte herabfielen. Die Schwangere durfte keine Speise essen,

die der Mann oder die Eltern schon berührt hatten; vom fünften

Monat an durfte im Hause kein Nagel eingeschlagen, überhaupt kein

Geräusch gemacht und nichts von der Wand genommen werden, bis das

Kind geboren war. Wir sehen hier bereits, daß sich die Verbote auch

auf den Mann erstrecken. Auf der Insel Jap darf er vom vierten Monat

der Schwangerschaft an keine Bananen oder abgefallene Kokosnüsse

essen, keine Bäume fällen, weil sonst die Glieder des Kindes brechen

oder es eine Wolfsscharte bekommen könnte, keine Scholle verzehren,

weil es dann kraftlos würde, ebensowenig Schildkrötenfleisch, weil

es sonst ohne Finger geboren würde, keine Krabben oder gesprenkelte

Fische essen, weil es sonst ebenfalls gesprenkelt zur Welt käme,

keinen Bindfaden drehen, weil sich sonst die Nabelschnur um den Hals

legen könnte, kein Haus einreißen, weil sonst Abort eintreten würde,

und anderes mehr. -- +Fruchtabtreibung+ ist über ganz Polynesien eine

sehr verbreitete Unsitte; vielfach ist sie an Stelle des früheren

Kindsmordes getreten. Für die Einleitung des künstlichen Abortes sind

mancherlei Beweggründe maßgebend, einmal die Abneigung gegen eine

zahlreiche Familie, entweder weil die Frau fürchtet, wegen ihrer

vielen Kinder dem Gespötte der Nachbarinnen zum Opfer zu fallen,

oder weil sie Angst hat, daß sie dadurch bald verwelke und altere,

oder auch weil sie sich wegen vermeintlicher Untreue ihres Mannes

an ihm rächen will, zum anderen auch aus Angst, es könnten durch

eine große Familie Nahrungsschwierigkeiten entstehen, schließlich

bei Unverheirateten auch aus Scham vor der Schande. Die Abtreibung

wird meistens von Frauen vorgenommen, die dies als Gewerbe betreiben

und sich dadurch einen guten Verdienst sichern. Die Methoden, die

sie anwenden, bestehen entweder in dem Eingeben gewisser Speisen

oder Tränke, oder man bedient sich auch vielfach rein mechanischer

Hilfsmittel, die allerdings äußerst primitiv und roh sind. -- Meistens

zieht sich die Schwangere kurz vor der Geburt von der Familie zurück;

vielfach wird für sie eigens eine kleine Hütte errichtet, die manchmal

ganz primitiver Natur ist, so daß die Wöchnerin und auch ihr Kind den

Unbilden der Witterung ausgesetzt sind. Diese Absonderung hängt mit dem

Glauben zusammen, daß niederkommende Frauen unrein sind. Auf Neuseeland

gilt nicht nur ihre Person, sondern alles, was mit ihnen in Berührung

kommt, als unrein. Auf Samoa zieht sich die Schwangere bereits im

achten bis neunten Monat in das elterliche Haus zurück, ebenso auf

den Gilbertinseln in das der Pflegeeltern, die das zu erwartende Kind

adoptieren wollen, oder sie bleibt vorläufig noch in ihrem eigenen,

siedelt dann aber in das Haus der Adoptiveltern über. Gegenüber

dieser Absonderung fällt es auf, daß einige Beobachter angeben, daß

die Gebärende öffentlich vor allen Dorfbewohnern niederkommt, so daß

diese den ganzen Vorgang genau mitansehen können, so zum Beispiel

auf Neuseeland und Hawai. Meistens vollzieht sich die Niederkunft

ohne Mithilfe anderer, aber auf einzelnen Inseln sind Frauen dabei

behilflich. So stehen bei den Maori die Großmutter mütterlicherseits

oder in ihrer Behinderung die Großmutter väterlicherseits, auf Samoa

zwei weise Frauen der Gebärenden bei; auch auf Fidschi üben Weiber

schon berufsmäßig Geburtshilfe aus. Manchmal assistiert auch der

Ehemann.

[Illustration: Abb. 17. Stillende Mikronesierin, in der Seitenlage auf

flacher Erde liegend.]

[Illustration:

Aus: Kraemer, Hawai.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 41 / 207 题