Abb. 18. Krieger der Gilbertinseln

in ihren aus Kokosnußfasern geflochtenen Panzern und Helmen aus der

Haut des Igelballonfisches. Der Eingeborene zur Linken hält eine Lanze

mit Haifischzähnen, während die Lanze seines Nebenmannes mit Zinken

versehen ist, welche die Haifischzähne am Speer des Gegners wegreißen

sollen.]

Die +Nabelschnur+ wird meistens von der Mutter selbst mittels

eines Bambusspans, eines scharfen Steines oder einer Muschelschale

abgetrennt; an anderen Orten tun dies die Helferinnen oder auch der

Mann. Vielfach wird der Nabelstrang auch mit den Zähnen durchbissen.

Auf den Marquesasinseln ist es bei der Geburt von Häuptlingskindern

sogar vorgeschrieben, daß die Großmutter die Nabelschnur mit ihren

Zähnen abbeißt. Dieser mangelhaften Behandlung ist das überaus häufige

Vorkommen von Nabelschnurbrüchen unter der polynesischen Bevölkerung

zuzuschreiben. An die Abnabelung des Kindes knüpfen sich verschiedene

Zeremonien. Auf Samoa schlägt man die Nabelschnur bei einem Knaben mit

einer Keule durch, um anzudeuten, daß er ein tüchtiger Krieger werden

solle, bei einem Mädchen trennt man sie mit einem Messer auf einem

Brette ab, auf dem die Tapa geklopft wird, mit dem Wunsche, daß aus dem

Kinde eine tüchtige Hausfrau werden soll; Kriegskeule und Tapabrett

versinnbildlichen die Hauptbeschäftigung der beiden Geschlechter.

Auf den Fidschiinseln dürfen die Nachbarn aus dem Hause, in dem ein

Kind geboren wurde, vier Tage lang kein Feuer holen, weil sonst der

Wundverlauf am Nabel ein ungünstiger sein würde. Auf Viti Lewu sendet

ein Priester an dem Tage, an dem der Abfall der Nabelschnur zu erwarten

steht, Gebete zu den Göttern, um Gesundheit und langes Leben für

das Kind herabzuflehen, und segnet die Speisen, die ihm gereicht

werden. Auf Neuseeland wird der abgefallene Rest der Nabelschnur in

der Muschel, mit der sie abgeschnitten wurde, in fließendes Wasser

gelegt; schwimmt diese mit ihrem Inhalte weiter, dann ist dies eine

gute Vorbedeutung dafür, daß das Kind glücklich werden wird, sinkt sie

dagegen unter, so heißt es, daß es früh sterben oder ihm sonst ein

Unglück zustoßen wird.

Über +Zwillinge+ bestehen manche abergläubische Vorstellungen. Sind

sie ungleichen Geschlechtes, so wird auf Nauru das männliche Kind

getötet, weil man annimmt, daß beide im Mutterleibe, weil verschiedenen

Geschlechtes, miteinander Unzucht getrieben haben, was für ein schweres

Verbrechen gilt. Auf Jap wird von Zwillingen der eine an den Bruder

des Vaters oder in Ermangelung eines solchen an einen anderen nahen

Verwandten fortgegeben, aus Furcht, es könnte sonst eins der Kinder

sterben. Das aus dem Haus gegebene Kind bleibt Eigentum dessen,

der es bekommen hat, und darf, im Falle das andere stirbt, nicht

zurückgefordert werden.

[Illustration:

Phot. Josiah Martin.

Abb. 19. Tanz samoanischer Frauen und Männer,

der in außerordentlich ausdrucksvollen und gleichmäßigen Bewegungen der

Arme und Hände besteht.]

Sogleich nach der Niederkunft pflegt die +Wöchnerin+, um auf diese

nunmehr wieder zurückzukommen, ein Bad in der See oder einem nahen

Flusse -- auf größeren Inseln wird die Gebärhütte bereits in der

Nähe eines solchen angelegt -- zu nehmen und gleichzeitig auch ihr

Kleines, das sie selbst säugt (Abb. 17), zu baden. Weiter muß sie

meistens auch noch längere oder kürzere Zeit in ihrer Hütte in voller

Abgeschlossenheit von den Männern zubringen. Auf Tahiti erstreckte

sich diese Abschließung bis zu drei Monaten für die wohlhabenderen

Wöchnerinnen. Während dieser Zeit mußten sie gefüttert werden; der

Vater hatte stets ungehinderten Zutritt, die übrigen Verwandten durften

nur die Hütte betreten, wenn sie ihre Kleider abgelegt hatten. Alles,

was das Kind, besonders mit seinem Kopf, berührte, wurde sein Eigentum.

Nach Ablauf dieser Periode brachten die Ärmeren Reinigungsopfer dar,

die Reichen hingegen veranstalteten ein großes Fest, Oroa genannt. Auf

den Palauinseln bleibt der Gatte von seiner Frau zehn Monate lang

streng geschieden; er hält sich im Junggesellenhaus auf und darf seine

Wohnung nur, um das Essen einzunehmen, betreten.

[Illustration:

Phot. A. J. Iles.

Abb. 20. Nasengruß der Maori,

denen die Sitte, sich zu küssen, wie den Naturvölkern des Orients im

allgemeinen, unbekannt ist. Das eine der beiden Mädchen trägt einen

Mantel aus Flachs mit Schnüren verziert, das andere einen Überwurf aus

Federn.]

Auf den Marianen verteilt man unter die bei der Geburt Beteiligten Reis

und Fische; zum Ausdruck der Hochachtung für den Vater bestreut man

den Weg, den er zum ersten Male nach der Geburt seines Kindes beging,

mit Reis. Auf der Insel Truk (Karolinen) pflegt der Vater bei diesem

freudigen Ereignis sich wohlriechende Kräuter an den Gürtel zu stecken

und beim Ausgang die Lanze mit der Spitze nach unten zu halten, weil

ihm sonst die Seele des Kindes nachfolgen könnte. Auf Nauru führen die

jungen Leute nach der Geburt eines Kindes zum Zeichen ihrer Freude

einen Ringkampf auf. Bei den Maori Neuseelands ist das Neugeborene

tabu und darf von niemand berührt werden, bevor es nicht von diesem

Banne erlöst worden ist. Dies geschieht in der Weise, daß der Vater

auf einem kleinen Feuer etwas Tarowurzel röstet, das Kind in den Arm

nimmt, dessen Körper an verschiedenen Stellen damit berührt und sodann

die Wurzel ißt. Doch ist damit die Befreiung von dem Tabu noch nicht

erreicht, denn am andern Morgen kommt die älteste Verwandte des Kindes

mütterlicherseits und nimmt die gleiche Zeremonie an dem Vater selbst

vor. Erst wenn diese beiden Handlungen (Tautane und Reahine genannt)

vorüber sind, ist das Kind von seinem Tabu befreit und erhält seinen

Namen.

[Illustration:

Phot. J. J. Lister.

Abb. 21. Sitztanz auf Samoa.

Eine samoanische Taupu mit ihren Gefährtinnen einen der für Polynesien

so charakteristischen Sitztänze ausführend, die in anmutigen Bewegungen

der Arme und des Oberkörpers bestehen.]

Die +Namensgebung+ erfolgt in Polynesien meistens bald nach der Geburt

und wird vielfach von Festlichkeiten (Tänzen, Wettkämpfen und Gelagen)

begleitet. Auf der Insel Jap mußte die Schwester des Vaters diesen nach

dem gewünschten Namen des neugeborenen Kindes fragen und ihn dann der

Mutter mitteilen; auf Nauru wählte eine alte Verwandte den Namen aus

und auf Rotuma sogar der Häuptling. Bei den Maori ging die Namensgebung

mit besonderen Feierlichkeiten in Gegenwart der Eltern und Verwandten

vor sich. Ein Priester tauchte einen grünen Zweig ins Wasser und

besprengte damit das Haupt des Kindes, wobei er geheimnisvolle Wünsche

murmelte; die Mutter durfte bei der Besprengung nicht zusehen.

Meistens wird das Kind von der jungen Mutter gesäugt. Auf Fidschi

glaubte man früher, daß eine andere Milch als die der eigenen Mutter

dem Kinde sicher den Tod bringe; ja, man trieb diese Vorsicht so weit,

daß die Mutter, wenn sie aufs Feld ging, für den Säugling eigene Milch

in einem Bambusröhrchen hinterließ. Früher war langdauerndes +Säugen

der Kinder+ sehr verbreitet; besonders auf den Karolinen betrachteten

die Frauen es für eine Ehrenpflicht, ihre Kleinen jahrelang, oft bis

zum zehnten Lebensjahre zu säugen; auf Samoa sah ein Beobachter einmal

eine Mutter sogar drei aufeinanderfolgenden Kindern zu gleicher Zeit

abwechselnd die Brust reichen und auf den Marianen ein anderer einen

sechsjährigen Jungen abwechselnd aus der Mutterbrust trinken und aus

einer Tabakspfeife einen Zug tun. Natürlich wird neben der Muttermilch

überall den Kleinen auch andere Nahrung verabreicht, die die Mutter

ihnen meistens vorkaut, wie zum Beispiel Kokosnüsse, Bananen, Taro und

anderes mehr.

[Illustration:

Phot. J. J. Lister.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 42 / 207 题