Wäre ich nicht Jagdflieger geworden, ich glaube, ich hätte mir das
Infanteriefliegen ausgesucht. Es ist einem doch eine große Befriedigung,
wenn man unserer am schwersten kämpfenden Truppe direkte Hilfe leisten
kann. Der Infanterieflieger ist in der Lage, dies zu tun. Er hat damit
eine dankbare Aufgabe. Ich habe in der Arras-Schlacht so manchen dieser
tüchtigen Leute beobachten können, wie sie bei jedem Wetter und zu jeder
Tageszeit in niedriger Höhe über den Feind flogen und die Verbindung mit
unserer schwer kämpfenden Truppe suchten. Ich verstehe es, wie man sich
dafür begeistern kann, ich glaube, so manch einer hat Hurra gebrüllt,
wenn er die feindlichen Massen hat nach einem Angriff zurückfluten sehen
und unsere schneidige Infanterie aus den Gräben hervorkam und den
zurückflutenden Gegner Auge in Auge bekämpfte. So manches Mal habe ich
den Rest meiner Patronen nach einem Jagdflug auf die feindlichen
Schützengräben verschossen. Wenn es auch wenig hilft, so macht es doch
moralischen Eindruck.
Artillerieflieger bin ich auch selbst gewesen. Es war zu meiner Zeit
etwas Neues, mit Funkentelegraphie das Schießen der eigenen Artillerie
zu leiten. Aber dazu gehört eine ganz besondere Begabung. Ich konnte
mich auf die Dauer nicht dazu eignen. Der Kampf ist mir lieber. Zum
Artilleriefliegen muß man wohl selbst zur Waffe gehören, um das nötige
Verständnis mitzubringen.
Aufklärungsfliegen habe ich auch getrieben, und zwar in Rußland im
Bewegungskriege. Da war ich noch einmal Kavallerist, d. h. ich kam mir
so vor, wenn ich mit meinem stählernen Pegasus loszog. Jene Tage mit
Holck über den Russen sind mit meine schönste Erinnerung. Aber das Bild
der Bewegung kommt scheinbar nicht wieder.
Im Westen sieht der Aufklärungsflieger ganz etwas anderes, als das Auge
des Kavalleristen gewohnt ist. Die Dörfer und Städte, die Eisenbahnen
und Straßen sehen so tot und still aus, und trotzdem ist auf ihnen ein
ungeheurer Verkehr, der aber dem Flieger mit großer Geschicklichkeit
verborgen wird. Nur ein ganz, ganz geübtes Auge vermag aus den rasenden
Höhen etwas Bestimmtes zu beobachten. Ich habe gute Augen, aber es
erscheint mir zweifelhaft, ob es überhaupt einen gibt, der etwas Genaues
aus fünftausend Metern Höhe auf einer Chaussee erkennen kann. Man ist
also auf etwas anderes angewiesen, was das Auge ersetzt, das ist der
photographische Apparat. Man photographiert also all das, was man für
wichtig hält, und was man photographieren soll. Kommt man nach Hause
und die Platten sind verunglückt, so ist der ganze Flug umsonst gewesen.
Dem Aufklärungsflieger begegnet es oft, daß er in einen Kampf verwickelt
wird, aber er hat Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Kampf zu
beschäftigen. Oft ist eine Platte wichtiger als das Abschießen eines
ganzen Apparates, deshalb ist er in den meisten Fällen gar nicht dazu
berufen, luftzukämpfen.
Es ist eine schwere Aufgabe heutzutage, im Westen eine gute Aufklärung
durchzuführen.