Wie wohl jedem klar ist, haben sich im Laufe des Krieges unsere
Flugzeuge etwas verändert. Der größte Unterschied ist zwischen einem
Riesenflugzeug und einem Jagdflugzeug.
Das Jagdflugzeug ist klein, schnell, wendig, trägt aber nichts. Nur die
Patronen und die Maschinengewehre.
Das Riesenflugzeug -- man muß sich bloß das erbeutete englische
Riesenflugzeug ansehen, das auf unserer Seite glatt gelandet ist, ist
ein Koloß, nur dazu bestimmt, durch große Flächen möglichst viel zu
tragen. Es schleppt unheimlich viel; dreitausend bis fünftausend
Kilogramm sind gar nichts dafür. Die Benzintanks sind die reinen
Eisenbahntankwagen. Man hat nicht mehr das Gefühl des Fliegens in so
einem großen Ding, sondern man »fährt«. Das Fliegen wird nicht mehr
durch das Gefühl, sondern durch technische Instrumente gemacht.
So ein Riesenflugzeug hat unheimlich viel Pferdekräfte. Die Zahl weiß
ich nicht genau, aber es sind viele tausend. Je mehr, je besser. Es ist
nicht ausgeschlossen, daß wir noch mal ganze Divisionen in so einem Ding
transportieren können. In ihrem Rumpf kann man spazierengehen. In der
einen Ecke ist ein unbeschreibliches Etwas, da haben die Gelehrten
einen Funkentelegraphen hineingebaut, mit dem man sich im Fluge mit der
Erde völlig verständigen kann. In der anderen Ecke hängen die schönsten
Zervelatwürste, die berühmten Fliegerbomben, vor denen die unten solche
Angst haben. Aus jeder Ecke starrt der Lauf eines Gewehrs. Eine
fliegende Festung ist es. Die Tragflächen mit ihren Streben kommen einem
vor wie Säulenhallen. Ich kann mich für diese Riesenkähne nicht
begeistern. Ich finde sie gräßlich, unsportlich, langweilig,
unbeweglich. Mir gefällt mehr ein Flugzeug wie #»le petit rouge«#. Mit
dem Ding ist es ganz egal, ob man auf dem Rücken fliegt, es senkrecht
auf den Kopf stellt oder sonst welche Zicken macht, man fliegt eben wie
ein Vogel, und doch ist es kein »Schwingenfliegen« wie der Vogel
Albatros, sondern das ganze Ding ist eben ein »fliegender Motor«. Ich
glaube, wir werden noch so weit kommen, daß wir uns Fliegeranzüge für
zwei Mark fünfzig Pfennig kaufen können, in die man einfach
'reinkriecht. An einem Ende ist ein Motörchen und ein Propellerchen, die
Arme steckt man in die Tragflächen und die Beine in den Schwanz, dann
hopst man etwas, das ist der Start, und dann geht es gleich einem Vogel
durch die Lüfte.
Du lachst gewiß, lieber Leser, ich auch, aber ob unsere Kinder lachen
werden, ist noch nicht heraus. Man hätte auch gelacht, wenn einer vor
fünfzig Jahren erzählt hätte, er würde über Berlin hinwegfliegen. Ich
sehe noch Zeppelin, wie er im Jahre 1910 zum ersten Male nach Berlin
kam, und jetzt guckt die Berliner Range kaum noch nach oben, wenn so ein
Ding durch die Luft braust.
Außer diesen Riesenflugzeugen und dem Ding für Jagdflieger gibt es nun
noch eine unzählige Menge von anderen in jeder Größe. Man ist noch lange
nicht am Ende der Erfindungen. Wer weiß, was wir in einem Jahr verwenden
werden, um uns in den blauen Äther zu bohren!
_Verlag Ullstein & Co, Berlin_