Mein Vater macht einen Unterschied zwischen einem Jäger (Weidmann) und
einem Schießer, dem es nur Spaß macht, zu schießen. Wenn ich einen
Engländer abgeschossen habe, so ist meine Jagdpassion für die nächste
Viertelstunde beruhigt. Ich bringe es also nicht fertig, zwei Engländer
unmittelbar hintereinander abzuschießen. Fällt der eine herunter, so
habe ich das unbedingte Gefühl der Befriedigung. Erst sehr, sehr viel
später habe ich mich dazu überwunden und mich zum Schießer ausgebildet.
Bei meinem Bruder war es anders. Wie er seinen vierten und fünften
Gegner abschoß, hatte ich Gelegenheit, ihn zu beobachten. Wir griffen
ein Geschwader an. Ich war der erste. Mein Gegner war bald erledigt. Ich
gucke mich um und sehe, wie mein Bruder hinter einem Engländer sitzt,
aus dem gerade die Flamme herausschlägt und dessen Maschine explodiert.
Neben diesem Engländer fliegt ein zweiter. Er machte weiter nichts, als
daß er von dem ersten, der noch gar nicht mal 'runtergefallen war und
sich noch in der Luft befand, sein Maschinengewehr auf den nächsten
richtete und sofort weiterschoß, kaum daß er absetzte. Auch dieser fiel
nach kürzerem Kampf.
Zu Hause fragte er mich stolz: »Wieviel hast du abgeschossen?« Ich
sagte ganz bescheiden: »Einen.« Er dreht mir den Rücken und sagt: »Ich
habe zwei,« worauf ich ihn zur Nachsuche nach vorn schickte. Er mußte
feststellen, wie seine Kerle hießen usw. Am späten Nachmittag kommt er
zurück und hat nur einen gefunden.
Die Nachsuche war also schlecht, wie überhaupt bei solchen Schießern.
Erst am Tage darauf meldete die Truppe, wo der andere lag. Daß er
'runtergefallen war, hatten wir ja alle gesehen.