Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen

Die Vollmondnächte sind für den Nachtflieger am geeignetsten.

In den Vollmondnächten des Monats April betätigten sich unsere lieben

Engländer besonders emsig. Natürlich war es mit der Arras-Schlacht in

Verbindung zu bringen. Sie mochten wohl herausbekommen haben, daß wir in

Douai auf einem sehr, sehr schönen, großen Flugplatz uns häuslich

eingerichtet hatten. Eines Nachts, wir sitzen im Kasino, klingelt das

Telephon, und es wird mitgeteilt: »Die Engländer kommen.« Natürlich

großes Hallo. Unterstände hatten wir ja; dafür hatte der tüchtige Simon

gesorgt. Simon ist unser Bausachverwalter. Also alles stürzt in die

Unterstände, und man hört tatsächlich -- zuerst noch ganz leise, aber

ganz sicher das Geräusch eines Flugmotors. Die Flaks und Scheinwerfer

scheinen auch eben die Mitteilung bekommen zu haben, denn man merkt, wie

sie sachte lebendig werden. Der erste Feind war aber noch viel zu weit,

um angegriffen zu werden. Uns machte es einen Heidenspaß. Wir

befürchteten nur immer, die Engländer würden unseren Platz nicht finden,

denn das ist nachts gar nicht so einfach, besonders, da wir nicht an

einer großen Chaussee lagen oder an einem Wasser oder an einer

Eisenbahn, die des Nachts die besten Anhaltspunkte bilden.

Der Engländer flog scheinbar sehr hoch. Erst einmal um den ganzen Platz

herum. Wir glaubten schon, er hätte sich ein anderes Ziel gesucht. Mit

einem Male aber stellt er den Motor ab und kommt herunter. »Nun wird's

Ernst,« meinte Wolff. Wir hatten uns zwei Karabiner geholt und fingen

an, auf den Engländer zu schießen. Sehen konnten wir ihn ja noch nicht.

Aber allein der Knall beruhigte schon unsere Nerven. Jetzt kommt er in

den Scheinwerfer herein. Auf dem ganzen Flugplatz überall ein großes

Hallo. Es ist eine ganz alte Kiste. Wir können den Typ genau erkennen.

Er ist höchstens noch einen Kilometer von uns entfernt. Er fliegt genau

auf unseren Platz zu. Er kommt immer niedriger. Jetzt kann er höchstens

noch hundert Meter hoch sein. Da stellt er wieder den Motor an und kommt

genau auf uns zugeflogen. Wolff meint noch: »Gott sei Dank, er hat sich

die andere Seite des Flugplatzes ausgesucht.« Aber es dauerte nicht

lange, da kommt die erste, und dann regnet es einige Bömbchen. Es war

ein wunderbares Feuerwerk, das uns der Bruder vormachte. Einem

Angsthasen konnte er auch Eindruck machen. Ich finde überhaupt,

Bombenwerfen in der Nacht ist nur moralisch von Bedeutung. Hat einer

die Hosen voll, so ist es für _ihn_ sehr peinlich, für die anderen aber

nicht.

Wir empfanden einen großen Spaß und meinten, die Engländer könnten doch

recht oft kommen. Also, mein guter Gitterschwanz warf seine Bomben ab,

und zwar aus fünfzig Metern Höhe. Das ist eine ziemliche Frechheit, denn

auf fünfzig Meter mute ich mir zu, auch des Nachts bei Vollmond einem

Keiler einen ganz anständigen Blattschuß zu verpassen. Warum sollte ich

nicht auch einen Engländer treffen? Es wäre doch mal etwas anderes

gewesen, so einen Bruder von unten abzuschießen.

Von oben hatten wir schon mehreren die Ehre gegeben, aber von unten

hatte ich es nicht probiert. Wie der Engländer weg war, gingen wir

wieder ins Kasino und besprachen uns, wie wir den Brüdern in der

nächsten Nacht einen Empfang bereiten wollten. Tags darauf sah man die

Burschen usw. sehr emsig arbeiten. Sie beschäftigten sich damit, Pfähle

in der Nähe des Kasinos und der Offizier-Wohnbaracken einzurammen, die

in der kommenden Nacht als Maschinengewehrstände benutzt werden sollten.

Wir schossen uns mit erbeuteten englischen Flugzeug-Maschinengewehren

ein, machten uns ein Nachtkorn drauf und waren sehr gespannt, was nun

werden würde. Die Zahl der Maschinengewehre will ich nicht verraten,

aber es sollte genügen. Jeder von meinen Herren war mit so einem Ding

bewaffnet.

Wir sitzen wieder im Kasino. Gesprächstoff sind natürlich die

Nachtflieger. Da kommt ein Bursche hereingestürzt und schreit nur: »Sie

kommen, sie kommen!« und verschwindet, etwas spärlich bekleidet, im

nächsten Unterstand. Jeder von uns stürzt an die Maschinengewehre.

Einige tüchtige Mannschaften, die gute Schützen sind, sind auch damit

bewaffnet. Alle übrigen haben Karabiner. Die Jagdstaffel ist jedenfalls

bis an die Zähne bewaffnet und bereit, die Herren zu empfangen.

Der erste kam, genau wie am Abend vorher, in größerer Höhe, geht dann

auf fünfzig Meter herunter, und zu unserer größten Freude hat er es

diesmal gleich auf unsere Barackenseite abgesehen. Er ist im

Scheinwerfer. Jetzt ist er höchstens noch dreihundert Meter von uns

entfernt. Der erste fängt an zu schießen, und zur selben Zeit setzen

alle übrigen ein. Ein Sturmangriff könnte nicht besser abgewehrt werden

als dieser Angriff des einzelnen frechen Kunden in fünfzig Metern Höhe.

Ein rasendes Feuer empfängt ihn. Hören konnte er das Maschinengewehrfeuer

ja nicht, daran verhinderte ihn sein Motor, aber das Mündungsfeuer eines

jeden sah er, und deshalb finde ich es auch diesmal sehr schneidig von

dem Bruder, daß er nicht abbog, sondern starr seinen Auftrag

durchführte. Er flog genau über uns weg. In dem Augenblick, wie er über

uns weg war, springen wir natürlich schnell in den Unterstand, denn

durch so 'ne dämliche Bombe erschlagen zu werden, wäre für einen

Jagdflieger ein selten dämlicher Heldentod. Kaum ist er über uns weg,

wieder 'ran an die Gewehre und feste hinter ihm hergefeuert. Schäfer

behauptete natürlich: »Ich habe ihn getroffen.« Der Kerl schießt ganz

gut. Aber in diesem Fall glaubte ich ihm denn doch nicht, und außerdem

hatte jeder andere ebenso gute Chancen.

Wir hatten wenigstens das erreicht, daß der Gegner seine Bomben ziemlich

planlos in die Gegend warf. Eine allerdings platzte ein paar Meter neben

dem #»petit rouge«,# tat ihm aber nicht weh. Dieser Spaß wiederholte

sich in der Nacht noch mehrere Male. Ich lag bereits im Bett und schlief

fest, da hörte ich im Traum Ballonabwehrfeuer, wachte davon auf und

konnte nur feststellen, daß der Traum Wahrheit war. Ein Kunde flog so

niedrig über meine Bude weg, daß ich mir vor lauter Angst die Bettdecke

über den Kopf zog. Im nächsten Augenblick ein wahnsinniger Knall, ganz

in der Nähe meines Fensters, und meine Scheiben waren ein Opfer der

Bombe. Schnell im Hemd 'rausgestürzt und noch einige Schuß hinter ihm

her. Draußen wurde er schon kräftig beschossen. Ich hatte aber diesen

Herrn leider verschlafen.

Am nächsten Morgen waren wir sehr erstaunt und hocherfreut, als wir

feststellten, daß wir nicht weniger wie drei Engländer von der Erde aus

abgeschossen hatten. Sie waren nicht weit von unserem Flughafen gelandet

und gefangengenommen worden. Wir hatten meist die Motoren getroffen und

sie dadurch gezwungen, auf unserer Seite 'runterzugehen. Also hatte sich

vielleicht Schäfer doch nicht geirrt. Wir waren jedenfalls sehr

zufrieden mit unserem Erfolg. Die Engländer dafür etwas weniger, denn

sie zogen es vor, nicht mehr unseren Platz zu attackieren. Eigentlich

schade, denn sie haben uns viel Spaß damit gemacht. Vielleicht kommen

sie nächsten Monat wieder.

Der rote Kampfflieger · 第 83 / 105 题