Mein bisher erfolgreichster Tag

Wunderbares Wetter. Wir stehen auf dem Platz. Ich habe Besuch von einem

Herrn, der noch nie einen Luftkampf oder so etwas Ähnliches gesehen hat

und mir gerade versichert, daß es ihn ungeheuer interessieren würde,

einen solchen Luftkampf zu sehen.

Wir steigen in unsere Kisten und lachen sehr über ihn, und Schäfer

meint: »Den Spaß können wir ihm machen!« Wir stellen ihn an ein

Scherenfernrohr und fliegen los.

Der Tag fing gut an. Wir waren kaum zweitausend Meter hoch, da kamen uns

schon die ersten Engländer in einem Geschwader von fünf entgegen. Ein

Angriff, der mit einer Attacke zu vergleichen war -- und das feindliche

Geschwader lag vernichtet am Boden. Von uns war nicht ein einziger auch

nur verwundet. Die Gegner waren -- zwei brennend und drei so -- auf

unserer Seite abgestürzt.

Der gute Freund unten auf der Erde hatte nicht wenig gestaunt. Er hatte

sich die Sache ganz anders vorgestellt; viel dramatischer. Er meinte,

die Sache hätte so harmlos ausgesehen, bis plötzlich einige Flugzeuge,

einer Rakete gleich, brennend abstürzten. Ich habe mich an den Anblick

so allmählich gewöhnt, aber ich muß sagen, mir hat es auch einen

Mordseindruck gemacht, und ich habe noch lange davon geträumt, wie ich

den ersten Engländer habe in die Tiefe sausen sehen.

Ich glaube, wenn es mir noch einmal passieren würde, es wäre mir nicht

mehr so schrecklich wie damals.

Nachdem dieser Tag so gut angefangen hatte, setzten wir uns erst mal zu

einem ordentlichen Frühstück hin, da wir alle einen Mordshunger hatten.

In der Zwischenzeit wurden unsere Maschinen wieder in Schuß gebracht,

neue Patronen geladen, und dann ging's weiter.

Am Abend konnten wir die stolze Meldung machen: Dreizehn feindliche

Flugzeuge durch sechs deutsche Apparate vernichtet.

Eine ähnliche Meldung hatte nur einmal die Jagdstaffel Boelcke machen

können. Acht Flugzeuge waren es, die wir damals abschossen, heute hatte

einer sogar vier Gegner zum Absturz gebracht. Es ist ein Leutnant Wolff,

ein zartes, schlankes Kerlchen, in dem niemals einer einen solchen

Massensieger erblicken würde. Mein Bruder hatte zwei, Schäfer zwei,

Festner zwei, ich drei.

Abends legten wir uns kolossal stolz, andererseits aber auch recht müde

in unsere Klappen.

Am Tage darauf lasen wir unter großem Hallo im Heeresbericht von den

Taten des Tages vorher. Im übrigen schossen wir am Tage darauf acht ab.

* * * * *

[Illustration: Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien]

[Illustration: Weihnachten 1916

Der »alte Herr« (X) bei der Jagdstaffel Boelcke]

Eine sehr niedliche Geschichte ereignete sich noch:

Einer von unseren abgeschossenen Engländern war gefangen und kommt ins

Gespräch mit uns. Natürlich erkundigte er sich auch nach der roten

Maschine. Selbst bei der Truppe unten im Schützengraben ist sie nicht

unbekannt und geht unter dem Namen #»le diable rouge«#. Bei seiner

Squadron hat sich das Gerücht verbreitet, daß in der roten Maschine ein

Mädchen säße, so etwas Ähnliches wie Jeanne d'Arc. Er war sehr erstaunt,

wie ich ihm versicherte, daß das vermutete Mädchen zurzeit vor ihm

stünde. Er hatte damit keinen Witz machen wollen, sondern war selbst

überzeugt, daß tatsächlich in der pervers angestrichenen Kiste nur eine

Jungfrau sitzen konnte.

»Moritz«

Das schönste Wesen, das je die Welt geschaffen hat, ist die echte Ulmer

Dogge, mein »kleines Schoßhündchen«, der »Moritz«. Ich habe ihn in

Ostende von einem braven Belgier für fünf Mark gekauft. Die Mutter war

ein schönes Tier, einer seiner Väter auch, also ganz »rasserein«. Davon

bin ich überzeugt. Ich hatte die Auswahl und suchte mir den niedlichsten

heraus. Zeumer nahm sich einen zweiten und nannte ihn »Max«. Max fand

ein jähes Ende unter einem Auto, Moritz aber gedieh vortrefflich. Er

schlief mit mir im Bett und wurde vorzüglich erzogen. Er hat mich von

Ostende ab auf Schritt und Tritt begleitet und ist mir sehr ans Herz

gewachsen. Von Monat zu Monat wurde Moritz groß und größer, und es

entwickelte sich so allmählich aus dem zarten Schoßhündchen ein ganz

ungeheuer großes Tier.

Ich habe ihn sogar einmal mitgenommen. Er ist mein erster »Franz«

gewesen. Er benahm sich dabei sehr vernünftig, und sehr interessiert

beäugte er sich die Welt von oben. Nur meine Monteure schimpften

nachher, daß sie das Flugzeug von einigen unangenehmen Dingen reinigen

mußten. Moritz war aber nachher wieder sehr vergnügt.

Er ist nun schon über ein Jahr alt und immer noch das kindische Tier

von einigen Monaten. Er spielt sehr gut Billard. Leider geht dabei so

manche Kugel, besonders aber so manches Billardtuch flöten. Er hat auch

eine Riesen-Jagdpassion. Meine Monteure sind darüber sehr glücklich,

denn er fängt ihnen so manchen schönen Hasenbraten. Von mir kriegt er

immer dafür etwas Senge, denn ich bin weniger erbaut von dieser Passion.

Er hatte eine dumme Eigenschaft. Er liebte es, die Flugzeuge bei jedem

Start zu begleiten. Der normale Tod eines Fliegerhundes ist bei dieser

Gelegenheit der Tod durch den Propeller. Wieder einmal jagte er vor

einem startenden Flugzeug einher, wird natürlich eingeholt und -- ein

sehr schöner Propeller war hin. Moritz heulte schrecklich, und eine von

mir versäumte Maßnahme wurde auf diese Weise nachgeholt. Ich habe mich

immer gesträubt, ihn koupieren zu lassen, d. h. im besonderen ihm die

Ohren beschneiden zu lassen. Auf der einen Seite hat es nun der

Propeller nachgeholt. Die Schönheit hat ihn nie gedrückt, aber das eine

Klappohr und das andere halbkoupierte stehen ihm recht gut. Überhaupt,

wenn der Ringelschwanz nicht wäre, wäre es eine richtige, echte Ulmer

Dogge.

Moritz hat den Weltkrieg und unsere Feinde richtig erfaßt. Wie er zum

erstenmal im Sommer 1916 russische Eingeborene sah -- der Zug hielt, und

Moritz wurde etwas spazieren geführt --, verjagte er die hinzugelaufene

russische Jugend mit ungeheurem Gekläff. Auch Franzosen schätzt er

nicht, trotzdem er ja eigentlich selbst ein Belgier ist. Ich gab mal in

einem neuen Quartier Einwohnern den Auftrag, das Haus zu säubern. Wie

ich abends wiederkam, war nichts gemacht. Verärgert lasse ich mir einen

Franzosen kommen. Kaum macht er die Tür auf, begrüßt ihn Moritz etwas

unliebenswürdig. Nun konnte ich mir erklären, weshalb die Herren mein

Château gemieden hatten.

Der rote Kampfflieger · 第 82 / 105 题