Holck [Symbol: Kreuz]

(30. April 1916)

Als junger Flugzeugführer flog ich mal bei einem Jagdfluge über das Fort

Douaumont hinweg, auf dem gerade heftiges Trommelfeuer lag. Da sah ich,

wie ein deutscher Fokker drei Caudrons angriff. Zu seinem Pech war aber

sehr starker Westwind. Also ungünstiger Wind. Er wurde im Laufe des

Kampfes über die Stadt Verdun hinausgetrieben. Ich machte meinen

Beobachter darauf aufmerksam, der auch meinte, das muß ein ganz

schneidiger Kerl sein. Wir überlegten, ob es Boelcke sein könnte, und

wollten uns nachher danach erkundigen. Da sah ich aber zu meinem

Schrecken, wie aus dem Angreifer ein Verteidiger wurde. Der Deutsche

wurde von den Franzosen, die sich mittlerweile auf mindestens zehn

Flugzeuge verstärkt hatten, immer mehr heruntergedrückt. Ihm zu Hilfe

kommen, konnte ich nicht. Ich war zu weit ab von den Kämpfenden und kam

zudem in meiner schweren Maschine nicht gegen den Wind an. Der Fokker

wehrte sich verzweifelt. Jetzt hatten ihn die Feinde schon mindestens

auf sechshundert Meter heruntergedrückt. Da wurde er plötzlich von einem

seiner Verfolger erneut angegriffen. Er verschwand in einem Sturzflug in

einer Kumuluswolke. Ich atmete auf, denn das war meiner Ansicht nach

seine Rettung.

Zu Hause angekommen, erzählte ich, was ich gesehen hatte, und erfuhr,

daß es Holck, mein alter Kampfgenosse aus dem Osten, war, der vor kurzem

vor Verdun Jagdflieger geworden war.

Mit Kopfschuß war Graf Holck senkrecht abgestürzt. Es ging mir sehr

nahe, denn er war nicht bloß ein Vorbild an Schneid, er war eben auch

als Mensch eine Persönlichkeit, wie es nur wenige gibt.

Der rote Kampfflieger · 第 69 / 105 题