Am Weihnachtstage 1915 machte ich mein drittes Examen. Ich verband damit
einen Flug nach Schwerin und sah mir dort die Fokker-Werke an. Als
Beobachter nahm ich mir meinen Monteur mit und flog dann später mit ihm
von Berlin nach Breslau, von Breslau nach Schweidnitz, von Schweidnitz
nach Lüben, von Lüben nach Berlin, überall zwischenlandend, Bekannte und
Verwandte aufsuchend. Das Orientieren im Flugzeug fiel mir als altem
Beobachter nicht schwer.
März war ich beim Kampfgeschwader 2 vor Verdun und lernte nun den
Luftkampf als Flugzeugführer, d. h. ich lernte, das Flugzeug im Kampfe
zu beherrschen. Ich flog dazu einen Zweisitzer.
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Im Heeresbericht vom 26. April 1916 bin ich zum ersten Male, wenn auch
nicht persönlich genannt, so doch durch eine meiner Taten erwähnt. Ich
hatte mir auf meine Maschine ein Gewehr oben zwischen die Tragdecks im
Geschmack, wie es der Nieuport hat, aufgebaut und war auf diese
Konstruktion allein schon sehr stolz. Man lachte wohl etwas darüber,
denn sie sah sehr primitiv aus. Ich schwor natürlich darauf und hatte
bald Gelegenheit, sie praktisch zu verwerten.
Ich begegnete einem Nieuport, der scheinbar auch Anfänger war, denn er
benahm sich furchtbar töricht. Ich flog auf ihn zu, worauf er ausriß.
Offenbar hatte er eine Ladehemmung. Ich hatte nicht das Gefühl, als ob
ich kämpfen würde, vielmehr: »Was wird jetzt erfolgen, wenn du auf ihn
schießt?« Ich fliege 'ran, zum erstenmal auf eine ganz, ganz nahe
Entfernung, drücke auf den Knopf des Maschinengewehrs, eine kurze Serie
wohlgezielter Schüsse, mein Nieuport bäumt sich auf und überschlägt
sich. Anfangs glaubten wir, mein Beobachter und ich, es sei eins der
vielen Kunststücke, die einem die Franzosen vorzumachen pflegen. Dieses
Kunststück wollte aber nicht aufhören, es ging immer tiefer, immer
tiefer; da klopft mir mein »Franz« auf den Kopf und ruft mir zu: »Ich
gratuliere, der fällt!« Tatsächlich fiel er in einen Wald hinter dem
Fort Douaumont und verschwand zwischen den Bäumen. »Den hast du
abgeschossen,« das war mir klar. Aber -- jenseits! Ich flog nach Hause,
meldete weiter nichts als: »Ein Luftkampf, ein Nieuport abgeschossen.«
Einen Tag darauf las ich diese meine Heldentat im Heeresbericht. Ich war
nicht schlecht stolz darauf, aber zu meinen zweiundfünfzig zählt dieser
Nieuport nicht.
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_Heeresbericht vom 26. April 1916_
Zwei feindliche Flugzeuge sind über Fleury, südlich von Douaumont und
westlich davon, im Luftkampf abgeschossen.