Um meine Examina bestehen zu können, mußte ich aber nach Berlin. Ich
benutzte die Gelegenheit, um als Beobachter ein Riesenflugzeug in Berlin
auf den Schwung zu bringen, und ließ mich dazu nach Döberitz
kommandieren (15. November 1915). Für das Riesenflugzeug hatte ich
anfangs großes Interesse. Aber es ist komisch, gerade durch das
Riesending wurde mir klar, daß nur das kleinste Flugzeug für meine
Zwecke als Kampfflieger etwas taugen kann. So ein großer Äppelkahn ist
zum Kämpfen zu unbeweglich, und das ist ja eben die Hauptsache für mein
Geschäft.
Der Unterschied zwischen einem Großkampfflugzeug und einem
Riesenflugzeug ist der, daß das Riesenflugzeug noch erheblich größer ist
und mehr dem Zwecke für Bomben dient und weniger zum Kampfe.
Meine Prüfungen machte ich nun in Döberitz, zusammen mit einem lieben
Menschen, Oberleutnant v. Lyncker. Wir beide vertrugen uns gut und
hatten dieselben Passionen, auch dieselbe Auffassung über unsere spätere
Tätigkeit. Unser Ziel war Fokkerfliegen, um zusammen zu einer
Jagdstaffel nach dem Westen zu kommen. Ein Jahr später haben wir es
erreicht, zusammenwirken zu können, wenn auch nur für kurze Zeit, denn
meinen guten Freund ereilte bei seinem dritten Abschuß die tödliche
Kugel.
Oft haben wir in Döberitz lustige Stunden verlebt. So war z. B. eine
Bedingung: »Außenlandungen.«
Ich verband bei dieser Gelegenheit das Notwendige mit dem Angenehmen. Zu
meinem Außenlandeplatz suchte ich mir ein mir bekanntes Gut Buchow aus.
Dort war ich auf Saujagd eingeladen, bloß vertrug sich die Sache
schlecht mit meinem Dienst, denn an schönen Abenden wollte ich fliegen
und trotzdem meiner Jagdpassion nachgehen. So legte ich mir meinen
Außenlandeplatz so, daß ich von dort aus bequem meine Jagdgründe
erreichen konnte.
Ich nahm mir einen zweiten Piloten als Beobachter mit und schickte
diesen abends zurück. Nachts setzte ich mich auf Sauen an und wurde am
nächsten Morgen von diesem Piloten wieder abgeholt.
Wenn ich nicht hätte abgeholt werden können, so wäre ich ziemlich auf
dem Trockenen gewesen, da mir ein Fußmarsch von etwa zehn Kilometern
geblüht hätte. So brauchte ich einen Mann, der mich bei jedem Wetter von
meinem Hochsitz abholte. Es ist aber nicht jedermanns Sache, auf Wetter
gar keine Rücksicht zu nehmen, doch es gelang mir, einen
Gesinnungstüchtigen zu finden.
Eines Morgens, nachdem ich die Nacht wieder draußen zugebracht hatte,
begann ein ungeheures Schneegestöber. Man konnte nicht fünfzig Meter
weit sehen. Acht Uhr war es gerade, die angegebene Zeit, zu der mich der
Pilot abholen sollte. Im stillen hoffte ich, er würde es diesmal sein
lassen. Aber mit einem Male hörte ich ein Summen -- sehen konnte ich
nichts -- fünf Minuten später lag mein schöner Vogel etwas verbogen vor
mir.