Zeumer verpaßte sich in dieser Zeit einen Fokker-Eindecker, und ich
konnte zusehen, wie er allein durch die Welt segelte. Die
Champagne-Schlacht tobte. Die französischen Flieger machten sich
bemerkbar. Wir sollten zu einem Kampfgeschwader zusammengestellt werden
und fuhren am 1. Oktober 1915 nach. Im Speisewagen saß am Nebentisch ein
junger unscheinbarer Leutnant. Es lag auch kein Grund für ihn vor,
besonders aufzufallen, nur eine Tatsache stand fest: er war von uns
allen der einzige, der bereits mal einen feindlichen Flieger
abgeschossen hatte, und zwar nicht nur einen, sondern schon vier. Er war
sogar mit Namen im Heeresbericht genannt. Er imponierte mir auf Grund
seiner Erfahrungen ganz rasend. Ich konnte mir noch so große Mühe geben,
ich hatte bis dahin noch immer keinen zur Strecke, jedenfalls war mir
noch keiner anerkannt worden. Zu gerne hätte ich erfahren, wie dieser
Leutnant Boelcke das nun eigentlich machte. So stellte ich an ihn die
Frage: »Sagen Sie mal bloß, wie machen Sie's denn eigentlich?« Er lachte
sehr belustigt, dabei hatte ich aber wirklich ernst gefragt. Dann
antwortete er mir: »Ja, Herrgott, ganz einfach. Ich fliege eben ran und
ziele gut, dann fällt er halt herunter.« Ich schüttelte bloß den Kopf
und meinte, das täte ich doch auch, bloß daß er eben bei mir nicht
'runterfiele. Der Unterschied war allerdings der, er flog Fokker und ich
mein Großkampfflugzeug.
Ich gab mir Mühe, diesen netten bescheidenen Menschen, der mir
wahnsinnig imponierte, näher kennenzulernen. Wir spielten oft Karten
zusammen, gingen spazieren, und ich fragte ihn aus. So reifte in mir der
Entschluß: »Du mußt selber einen Fokker fliegen lernen, dann wird es
vielleicht besser gehen.«
Mein Sinnen und Trachten ging nun dahin, zu lernen, selbst »den Knüppel
zu führen«. Denn ich war bisher immer nur Beobachter gewesen. Es bot
sich bald Gelegenheit, auf einer alten Klamotte in der Champagne zu
schulen. Ich betrieb das mit großem Eifer und war nach fünfundzwanzig
Schulflügen vor dem Alleinflug.