In der Champagne-Schlacht

Die schöne Zeit in Ostende war nur sehr kurz, denn bald entbrannte die

Schlacht in der Champagne, und wir flogen nach dieser Front, um uns dort

weiter mit dem Großkampfflugzeug zu betätigen. Wir bemerkten bald, daß

die Klamotte zwar ein großes Flugzeug war, aber niemals ein

Kampfflugzeug abgab.

Einmal flog ich mit Osteroth, der ein etwas kleineres Flugzeug hatte als

der Äppelkahn (das Großkampfflugzeug). Etwa fünf Kilometer hinter der

Front trafen wir mit einem Farman-Zweisitzer zusammen. Er ließ uns ruhig

'rankommen, und ich sah zum ersten Male einen Gegner so ganz aus

nächster Nähe in der Luft. Osteroth flog sehr geschickt so neben ihm

her, daß ich ihn gut unter Feuer nehmen konnte. Der Gegner hatte uns

wohl gar nicht bemerkt, denn ich hatte bereits meine erste Ladehemmung,

wie er anfing, wiederzuschießen. Nachdem ich meinen Patronenkasten von

hundert Schuß verschossen hatte, glaubte ich meinen Augen nicht trauen

zu können, wie mit einem Male der Gegner in ganz seltsamen Spiralen

niederging. Ich verfolgte ihn mit den Augen und klopfte Osteroth auf den

Kopf. Er fällt, er fällt, und tatsächlich fiel er in einen großen

Sprengtrichter; man sah ihn darin auf dem Kopf stehen, Schwanz nach

oben. Auf der Karte stellte ich fest: fünf Kilometer hinter der jetzigen

Front lag er. Wir hatten ihn also jenseits abgeschossen. In damaliger

Zeit wurden aber Abschüsse jenseits der Front nicht bewertet, sonst

hätte ich heute einen mehr auf meiner Liste. Ich war aber sehr stolz auf

meinen Erfolg, und im übrigen ist es ja die Hauptsache, wenn der Kerl

unten liegt, also nicht, daß er einem als Abschuß angerechnet wird.

[Illustration: Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen]

[Illustration: Das erste Dutzend der von Richthofen abgeschossenen

Apparate wird zum Abtransport in die Heimat verladen]

Der rote Kampfflieger · 第 64 / 105 题