Mein erster Luftkampf

(1. September 1915)

Zeumer und ich hätten zu gerne mal einen Luftkampf gehabt. Wir flogen

natürlich unser Großkampfflugzeug. Schon allein der Name des Kahnes gab

uns einen solchen Mut, daß wir es für ausgeschlossen hielten, ein Gegner

könnte uns entgehen.

Wir flogen am Tage fünf bis sechs Stunden, ohne je einen Engländer

gesehen zu haben. Schon ganz entmutigt begaben wir uns eines Morgens

wieder auf Jagd. Mit einemmal entdeckte ich einen Farman, der ungeniert

seine Aufklärung fliegen wollte. Mir pochte das Herz, wie Zeumer auf ihn

zuflog. Ich war gespannt, was sich nun eigentlich abspielen würde. Ich

hatte nie einen Luftkampf gesehen und machte mir nur ganz dunkle

Vorstellungen, so etwa wie du, mein lieber Leser.

Ehe ich mich versah, waren wir beide, der Engländer und ich, aneinander

vorbeigesaust. Ich hatte höchstens vier Schuß abgegeben, während der

Engländer plötzlich hinter uns saß und uns den ganzen Laden voll schoß.

Ich muß sagen, ich hatte nicht das Gefühl der Gefahr, weil ich mir auch

gar nicht vorstellen konnte, wie nun eigentlich das Endresultat so eines

Kampfes aussehen würde. Wir drehten uns noch einige Male umeinander, bis

schließlich der Engländer zu unserem größten Erstaunen ganz vergnügt

kehrtmachte und weiterflog. Ich war stark enttäuscht, mein Führer auch.

Zu Hause angekommen, waren wir beide sehr schlechter Laune. Er machte

mir Vorwürfe, ich hätte schlecht geschossen, ich machte ihm Vorwürfe, er

hätte mich nicht recht zum Schuß gebracht -- kurz und gut, unsere

Flugzeugehe, die sonst so tadellos war, hatte mit einemmal einen Knacks.

Wir beschauten uns unsere Kiste und stellten fest, daß wir eigentlich

eine ganz anständige Zahl von Treffern drinnen hatten.

Noch am selben Tage unternahmen wir einen zweiten Jagdflug, der aber

ebenso ergebnislos blieb. Ich war sehr traurig, denn ich hatte es mir

bei einem Kampfgeschwader ganz anders vorgestellt. Ich glaubte immer,

wenn ich mal zum Schuß käme, dann müßte der Bruder auch fallen. Bald

mußte ich mich aber davon überzeugen, daß so ein Flugzeug ungeheuer viel

verträgt. Schließlich gelangte ich zu der Überzeugung, ich könne noch so

viel schießen und würde doch nie einen 'runterbekommen.

An Mut hatten wir es nicht fehlen lassen. Zeumer konnte fliegen wie

selten einer, und ich war ein ganz leidlicher Kugelschütze. Wir standen

also vor einem Rätsel. Es ging nicht bloß mir alleine so, sondern es

geht noch heute vielen anderen ebenso. Die Geschichte will eben wirklich

verstanden sein.

Der rote Kampfflieger · 第 63 / 105 题