(Ostende)
Verwundet bin ich eigentlich nie worden. Ich habe wohl immer im
entscheidenden Moment den Kopf weggenommen und den Bauch eingezogen. Oft
habe ich mich gewundert, daß sie mich nicht gehascht haben. Einmal ging
mir ein Schuß durch beide Pelzstiefel durch, ein andermal durch meinen
Schal, wieder einmal an meinem Arm durch den Pelz und die Lederjacke
durch, aber nie hat es mich berührt.
Da flogen wir eines schönen Tages mit unserem Großkampfflugzeug los, um
die Engländer etwas mit Bomben zu erfreuen, erreichten das Ziel, die
erste Bombe fällt. Es ist natürlich sehr interessant festzustellen, wie
der Erfolg dieser Bombe ist. Wenigstens den Einschlag möchte man immer
gerne sehen. Mein Großkampfflugzeug, das sich für das Bombenschleppen
ganz gut eignete, hatte aber die dumme Eigenschaft, daß man von der
abgeworfenen Bombe den Einschlag schlecht sehen konnte, denn das
Flugzeug schob sich nach dem Abwurf über das Ziel weg und verdeckte es
mit seinen Flächen vollkommen. Dieses ärgerte mich immer, denn man hatte
so wenig Spaß davon. Wenn's unten knallt und man die lieblich grau-weiße
Wolke der Explosion sieht und sie auch in der Nähe des Zieles liegt,
macht einem viel Freude. So winkte ich meinen guten Zeumer ein und
wollte eigentlich, daß er so etwas mit dem Tragdeck beiseite ging. Dabei
vergaß ich, daß das infame Ding, mein Äppelkahn, zwei Propeller hatte,
die sich rechts und links neben meinem Beobachtersitz drehten. Ich
zeigte ihm ungefähr den Einschlag der Bombe -- und patsch! habe ich eins
auf die Finger. Etwas verdutzt anfangs, stellte ich dann fest, daß mein
kleiner Finger zu Schaden gekommen war. Zeumer hatte nichts gemerkt.
Das Bombenwerfen war mir verleidet, schnell wurde ich meine letzten
Dinger los, und wir machten, daß wir nach Hause kamen.
Meine Liebe zum Großkampfflugzeug, die sowieso etwas schwach war, hatte
durch diesen Bombenwurf schwer gelitten. Ich mußte nun acht Tage lang
hocken und durfte nicht mitfliegen. Jetzt ist es nur noch ein
Schönheitsfehler, aber ich kann doch wenigstens mit Stolz sagen: »Ich
habe auch eine Kriegsverwundung.«