In allen Zeitungen stand weiter nichts als dicke Romane über den Krieg.
Aber seit einigen Monaten war man ja schon an das Kriegsgeheul gewöhnt.
Wir hatten schon so oft unseren Dienstkoffer gepackt, daß man es schon
langweilig fand und nicht mehr an einen Krieg glaubte. Am wenigsten aber
glaubten wir an einen Krieg, die wir die ersten an der Grenze waren, das
»Auge der Armee«, wie seinerzeit mein Kommandierender uns
Kavalleriepatrouillen bezeichnet hatte.
Am Vorabend der erhöhten Kriegsbereitschaft saßen wir bei der
detachierten Schwadron, zehn Kilometer von der Grenze entfernt, in
unserem Kasino, aßen Austern, tranken Sekt und spielten ein wenig. Wir
waren sehr vergnügt. Wie gesagt, an einen Krieg dachte keiner.
Wedels Mutter hatte uns zwar schon einige Tage zuvor etwas stutzig
gemacht; sie war nämlich aus Pommern erschienen, um ihren Sohn vor dem
Kriege noch einmal zu sehen. Da sie uns in angenehmster Stimmung fand
und feststellen mußte, daß wir nicht an Krieg dachten, konnte sie nicht
umhin, uns zu einem anständigen Frühstück einzuladen.
Wir waren gerade sehr ausgelassen, als sich plötzlich die Tür öffnete
und Graf Kospoth, der Landrat von Öls, auf der Schwelle stand. Der Graf
machte ein entgeistertes Gesicht.
Wir begrüßten den alten Bekannten mit einem Hallo! Er erklärte uns den
Zweck seiner Reise, nämlich, daß er sich an der Grenze persönlich
überzeugen wolle, was von den Gerüchten von dem nahen Weltkrieg stimme.
Er nahm ganz richtig an, die an der Grenze müßten es eigentlich am
ehesten wissen. Nun war er ob des Friedensbildes nicht wenig erstaunt.
Durch ihn erfuhren wir, daß sämtliche Brücken Schlesiens bewacht wurden
und man bereits an die Befestigung von einzelnen Plätzen dachte.
Schnell überzeugten wir ihn, daß ein Krieg ausgeschlossen sei, und
feierten weiter.
Am nächsten Tage rückten wir ins Feld.