Erste Offizierszeit

(Herbst 1912)

Endlich bekam ich die Epaulettes. So ungefähr das stolzeste Gefühl, was

ich je gehabt habe, mit einem Male »Herr Leutnant« angeredet zu werden.

Mein Vater kaufte mir eine sehr schöne Stute, »Santuzza« genannt. Sie

war das reinste Wundertier und unverwüstlich. Ging vor dem Zuge wie ein

Lamm. Allmählich entdeckte ich in ihr ein großes Springvermögen. Sofort

war ich dazu entschlossen, aus der guten braven Stute ein Springpferd zu

machen. Sie sprang ganz fabelhaft. Ein Koppelrick von einem Meter

sechzig Zentimeter habe ich mit ihr selbst gesprungen.

Ich fand große Unterstützung und viel Verständnis bei meinem Kameraden

von Wedel, der mit seinem Chargenpferd »Fandango« so manchen schönen

Preis davongetragen hatte.

So trainierten wir beide für eine Springkonkurrenz und einen Geländeritt

in Breslau. »Fandango« machte sich glänzend, »Santuzza« gab sich große

Mühe und leistete auch Gutes. Ich hatte Aussichten, etwas mit ihr zu

schaffen. Am Tage, bevor sie verladen wurde, konnte ich es mir nicht

verkneifen, nochmals alle Hindernisse in unserem Springgarten mit ihr zu

nehmen. Dabei schlitterten wir hin. »Santuzza« quetschte sich etwas

ihre Schulter, und ich knaxte mir mein Schlüsselbein an.

Von meiner guten dicken Stute »Santuzza« verlangte ich im Training auch

Leistungen auf Geschwindigkeit und war sehr erstaunt, als von Wedels

Vollblüter sie schlug.

Ein andermal hatte ich das Glück, bei der Olympiade in Breslau einen

sehr schönen Fuchs zu reiten. Der Geländeritt fing an, und mein Wallach

war im zweiten Drittel noch ganz und munter, so daß ich Aussichten auf

Erfolg hatte. Da kommt das letzte Hindernis. Ich sah schon von weitem,

daß dies etwas ganz Besonderes sein mußte, da sich eine Unmenge Volks

dort angesammelt hatte. Ich dachte mir: »Nur Mut, die Sache wird schon

schief gehen!« und kam in windender Fahrt den Damm heraufgesaust, auf

dem ein Koppelrick stand. Das Publikum winkte mir immer zu, ich sollte

nicht so schnell reiten, aber ich sah und hörte nichts mehr. Mein Fuchs

nimmt das Koppelrick oben auf dem Damm, und zu meinem größten Erstaunen

geht's auf der anderen Seite in die Weistritz. Ehe ich mich versah,

springt das Tier in einem Riesensatz den Abhang herunter, und Roß und

Reiter verschwinden in den Fluten. Natürlich gingen wir »über Kopf«.

»Felix« kam auf dieser Seite raus und Manfred auf der anderen. Beim

Zurückwiegen nach Schluß des Geländerittes stellte man mit großem

Erstaunen fest, daß ich nicht die üblichen zwei Pfund abgenommen hatte,

sondern zehn Pfund schwerer geworden war. Daß ich glitschenaß war, sah

man mir Gott sei Dank nicht an.

Ich besaß auch einen sehr guten Charger, und dieses Unglückstier mußte

alles machen. Rennen laufen, Geländeritte, Springkonkurrenzen, vor dem

Zuge gehen, kurz und gut, es gab keine Übung, in der das gute Tier nicht

ausgebildet war. Das war meine brave »Blume«. Auf ihr hatte ich sehr

nette Erfolge. Mein letzter ist der im Kaiserpreis-Ritt 1913. Ich war

der einzige, der die Geländestrecke ohne Fehler überwunden hatte. Mir

passierte dabei eine Sache, die nicht so leicht nachgemacht werden wird.

Ich galoppierte über eine Heide und stand plötzlich Kopf. Das Pferd war

in ein Karnickelloch getreten, und ich hatte mir beim Sturz das

Schlüsselbein gebrochen. Damit war ich noch siebzig Kilometer geritten,

hatte dabei keinen Fehler gemacht und die Zeit innegehalten.

Der rote Kampfflieger · 第 52 / 105 题