(Ostern 1911)
Natürlich konnte ich es kaum erwarten, in die Armee eingestellt zu
werden. Ich ging deshalb bereits nach meinem Fähnrichexamen in die Front
und kam zum Ulanenregiment Nr. 1 »Kaiser Alexander III.«. Ich hatte mir
dieses Regiment ausgesucht; es lag in meinem lieben Schlesien, auch
hatte ich da einige Bekannte und Verwandte, die mir sehr dazu rieten.
Der Dienst bei meinem Regiment gefiel mir ganz kolossal. Es ist eben
doch das schönste für einen jungen Soldaten, »Kavallerist« zu sein.
Über meine Kriegsschulzeit kann ich eigentlich wenig sagen. Sie
erinnerte mich zu sehr an das Kadettenkorps und ist mir infolgedessen in
nicht allzu angenehmer Erinnerung.
Eine spaßige Sache erlebte ich. Einer meiner Kriegsschullehrer kaufte
sich eine ganz nette dicke Stute. Der einzige Fehler war, sie war schon
etwas alt. Er kaufte sie für fünfzehn Jahre. Sie hatte etwas dicke
Beine. Sonst aber sprang sie ganz vortrefflich. Ich habe sie oft
geritten. Sie ging unter dem Namen »Biffy«.
Etwa ein Jahr später beim Regiment erzählte mir mein Rittmeister v. Tr.,
der sehr sportliebend war, er habe sich ein ganz klobiges Springpferd
gekauft. Wir waren alle sehr gespannt auf den »klobigen Springer«, der
den seltenen Namen »Biffy« trug. Ich dachte nicht mehr an die alte Stute
meines Kriegsschullehrers. Eines schönen Tages kommt das Wundertier an,
und nun soll man sich das Erstaunen vorstellen, daß die gute alte
»Biffy« als achtjährig in dem Stall v. Tr.s sich wieder einfand. Sie
hatte inzwischen einige Male den Besitzer gewechselt und war im Preise
sehr gestiegen. Mein Kriegsschullehrer hatte sie für fünfzehnhundert
Mark gekauft, und v. Tr. hatte sie nach einem Jahre als achtjährig für
dreitausendfünfhundert Mark erworben. Gewonnen hat sie keine
Springkonkurrenz mehr, aber sie hat wieder einen Abnehmer gefunden -- --
und ist gleich zu Beginn des Krieges gefallen.