Meine Kadettenzeit

(1903-1909 Wahlstatt, 1909-1911 Lichterfelde)

Als kleiner Sextaner kam ich in das Kadettenkorps. Ich war nicht

übermäßig gerne Kadett, aber es war der Wunsch meines Vaters, und so

wurde ich wenig gefragt.

Die strenge Zucht und Ordnung fiel einem so jungen Dachs besonders

schwer. Für den Unterricht hatte ich nicht sonderlich viel übrig. War

nie ein großes Lumen. Habe immer so viel geleistet, wie nötig war, um

versetzt zu werden. Es war meiner Auffassung nach nicht mehr zu leisten,

und ich hätte es für Streberei angesehen, wenn ich eine bessere

Klassenarbeit geliefert hätte als »genügend«. Die natürliche Folge davon

war, daß mich meine Pauker nicht übermäßig schätzten. Dagegen gefiel mir

das Sportliche: Turnen, Fußballspielen usw., ganz ungeheuer. Es gab,

glaube ich, keine Welle, die ich am Turnreck nicht machen konnte. So

bekam ich bald einige Preise von meinem Kommandeur verliehen.

Alle halsbrecherischen Stücke imponierten mir mächtig. So kroch ich

z. B. eines schönen Tages mit meinem Freunde Frankenberg auf den

bekannten Kirchturm von Wahlstatt am Blitzableiter herauf und band oben

ein Taschentuch an. Genau weiß ich noch, wie schwierig es war, an den

Dachrinnen vorbeizukommen. Mein Taschentuch habe ich, wie ich meinen

kleinen Bruder einmal besuchte, etwa zehn Jahre später, noch immer oben

hängen sehen.

Mein Freund Frankenberg war das erste Opfer des Krieges, das ich zu

Gesicht bekam.

In Lichterfelde gefiel es mir schon bedeutend besser. Man war nicht mehr

so abgeschnitten von der Welt und fing auch schon an, etwas mehr als

Mensch zu leben.

Meine schönsten Erinnerungen aus Lichterfelde sind die großen

Korsowettspiele, bei denen ich sehr viel mit und gegen den Prinzen

Friedrich Karl gefochten habe. Der Prinz erwarb sich damals so manchen

ersten Preis. So im Wettlauf, Fußballspiel usw. gegen mich, der ich

meinen Körper doch nicht so in der Vollendung trainiert hatte wie er.

Der rote Kampfflieger · 第 50 / 105 题