Die Familie Richthofen hat sich in den bisherigen Kriegen an führender
Stelle eigentlich verhältnismäßig wenig betätigt, da die Richthofens
immer auf ihren Schollen gesessen haben. Einen Richthofen, der nicht
angesessen war, gab es kaum. War er's nicht, so war er meistenteils in
Staatsdiensten. Mein Großvater, und von da ab alle meine Vorväter, saßen
in der Gegend von Breslau und Striegau auf ihren Gütern. Erst in der
Generation meines Großvaters wurde ein Vetter meines Großvaters als
erster Richthofen General.
In der Familie meiner Mutter, einer geborenen von Schickfuß und Neudorf,
ist es ähnlich wie bei den Richthofens: wenig Soldaten, nur Agrarier.
Der Bruder meines Urgroßvaters Schickfuß fiel 1806. In der Revolution
1848 wurde einem Schickfuß eines seiner schönsten Schlösser abgebrannt.
Im übrigen haben sie's alle bloß bis zum Rittmeister der Reserve
gebracht.
Auch in der Familie Schickfuß sowohl wie Falckenhausen -- meine
Großmutter ist eine Falckenhausen -- kann man nur zwei Hauptinteressen
verfolgen. Das ist Reiten, siehe Falckenhausen, und Jagen, siehe den
Bruder meiner Mutter, Onkel Alexander Schickfuß, der sehr viel in
Afrika, Ceylon, Norwegen und Ungarn gejagt hat.
Mein alter Herr ist eigentlich der erste in unserem Zweig, der auf den
Gedanken kam, aktiver Offizier zu werden. Er kam früh ins Kadettenkorps
und trat später von dort bei den 12. Ulanen ein. Er ist der
pflichttreueste Soldat, den man sich denken kann. Er wurde schwerhörig
und mußte den Abschied nehmen. Seine Schwerhörigkeit holte er sich, wie
er einen seiner Leute bei der Pferdeschwemme aus dem Wasser rettete und
nachher seinen Dienst beendete, ohne die Kälte und Nässe zu
berücksichtigen.
Unter der heutigen Generation sind natürlich sehr viel mehr Soldaten. Im
Kriege ist jeder waffenfähige Richthofen bei der Fahne. So verlor ich
gleich zu Anfang des Bewegungskrieges sechs Vettern verschiedenen
Grades. Alle waren Kavalleristen.
Genannt bin ich nach einem großen Onkel Manfred, in Friedenszeiten
Flügeladjutant Seiner Majestät und Kommandeur der Gardedukorps, im
Kriege Führer eines Kavalleriekorps.
Nun noch von meiner Jugend. Der alte Herr stand in Breslau bei den
Leibkürassieren 1, als ich am 2. Mai 1892 geboren wurde. Wir wohnten in
Kleinburg. Ich hatte Privatunterricht bis zu meinem neunten Lebensjahre,
dann ein Jahr Schule in Schweidnitz, später wurde ich Kadett in
Wahlstatt. Die Schweidnitzer betrachteten mich aber durchaus als ein
Schweidnitzer Kind. Im Kadettenkorps für meinen jetzigen Beruf
vorbereitet, kam ich dann zum 1. Ulanenregiment.
Was ich selbst erlebte, steht in diesem Buch.
Mein Bruder Lothar ist der andere Flieger Richthofen. Ihn schmückt der
#Pour le mérite#. Mein jüngster Bruder ist noch im Kadettenkorps und
wartet sehnsüchtig darauf, sich gleichfalls zu betätigen. Meine
Schwester ist, wie alle Damen unseres Familienkreises, in der Pflege der
Verwundeten tätig.