nach einem Zwiste versöhnt hat, übernimmt die Beistellung des
Friedensmahles, und auf dieses bereitete sich der Geizige durch ein
längeres Fasten vor. Als er sich dann dazu einfindet, muß er Nasreddin
erst zu den Einkäufen auf den Markt begleiten. Nasreddin fragt zuerst
um gutes Weißbrot; da der Händler sein Brot, um es anzupreisen, mit
Butter vergleicht, meint Nasreddin, es sei besser, sich gleich an die
Butter zu halten. Die Butter wird nun als süß wie Öl gepriesen, und
Nasreddin verzichtet auf sie zugunsten des Öls. Da weiter der Händler
von seinem Öle sagt, es sei klar wie Wasser, sieht Nasreddin von jedem
Einkaufe ab und bewirtet seinen Gast mit Wasser.
Dieselbe Geschichte, aber von einem Geizigen aus Basra und einem aus
Kufa, bringt Hammer aus dem, wie er sagt, ursprünglich persischen, aber
schon unter Murad II. ins Türkische übertragenen »Dschamiol Hikajat ve
Lamiol-rivajat« im _Rosenöl_, II, S. 267 ff.; ebenso steht sie bei A.
Certeux, _Kebir-Chahà_‚ in der _RTP_, III, S. 496^b ff. Die anscheinend
älteste Version, wo in der obigen Reihe Brot und Butter fehlen, steht
bei Bar-Hebraeus (Budge, S. 113 ff., Nr. 439; Morales in der _Zeitschr.
d. D. Morgenl. Ges._, XL, S. 416 ff.).
537.
Die Nr. 8 bei Murad erzählt: Als der Hodscha mit dem Aga auf die Jagd
reiten muß, nimmt er sich drei Datteln mit; sooft er aber eine in den
Mund steckt, richtet der Aga eine Frage an ihn, so daß ihm, weil er die
Dattel samt dem Kerne nicht verschlucken kann, nichts übrig bleibt, als
sie auszuspucken. Am Abende will der Aga mit einer Zofe seiner Gattin
scherzen; aber nun rächt sich Nasreddin an ihm und stört ihn dreimal
hintereinander just im entscheidenden Momente, indem er an die Tür
pocht und immer eine seiner bei der Jagd gegebenen Antworten richtig
stellt.
Von Harun al Raschid und seinem Sklaven Ibad erzählt dasselbe Hammer im
_Rosenöl_, II, S. 232 ff. nach dem »Mehedschon-nufus«; an die Stelle
Ibads tritt Abu Nuwas bei Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem
Iraq_, S. 72 und 73, Nr. 40. Vgl. auch Basset in der _RTP_, XXII, S.
215 ff.
538.
In der 10. Erzählung Murads, die bei Buadem, Nr. 61 (Serbisch, S.
72; Kroatisch, S. 44) der Schlüpfrigkeit, damit aber auch des Witzes
entkleidet ist, schleichen sich Strolche in den Stall Nasreddins; er
und seine Frau hören ihr Gespräch, wonach sie beabsichtigen, die Kuh
zu stehlen, den Hausherrn umzubringen und an der Frau ihre Lust zu
büßen. Begreiflicherweise ist Nasreddin sehr entrüstet, als seine Frau
zuzuwarten rät.
Dieses Exempel weiblicher Begehrlichkeit steht bei Hammer, _Rosenöl_,
II, S. 293 nach dem »Nozhatol-ebsar«, das wohl mit dem von Basset in
den _Contes populaires berbères_, S. 201 zu seiner dasselbe erzählenden
50. Geschichte (_Le vieillard, la femme et les voleurs_‚) als Parallele
zitierten _Kitab nozhat el absar_‚ identisch ist.
539.
Bei Murad, Nr. 19 zeigt sich Nasreddin von dem Vortrage eines
stumpfsinnigen Dichters sehr gerührt; als ihn dieser voll Stolz fragt,
was denn auf ihn einen besondern Eindruck gemacht habe, erhält er zur
Antwort, daß sich Nasreddin beim Anblicke seines wackelnden Bartes[27]
wehmütig eines alten Ziegenbockes im Vaterhause erinnert habe.
Dieser Schwank ist wohl zusammenzustellen mit dem ~vom Prediger mit
der Eselsstimme~, den ich im _Mönchslatein_, S. 8 mitgeteilt habe; in
einer an unsere Version gemahnenden Form (Bart, nicht Stimme, ist das
erinnernde Merkmal) steht er im _Nuzhat al udaba_‚ (Basset, _RTP_, XV,
S. 353), bei Gladwin, II, S. 15, Nr. 33 (dazu Clouston, _Flowers_, S.
71 ff.), bei Swynnerton, S. 157 und in einer bulgarischen Erzählung aus
Altserbien in der _Anthropophyteia_, II, S. 387 ff.
Zu meinen Nachweisungen im _Mönchslatein_, S. 197 ff. sind noch
nachzutragen: A. Lecoy de la Marche, _L’esprit de nos aïeux_, S. 20
ff., Nr. 13 (nach J. de Vitry) und Paul Sébillot, _Contes de prêtres et
de moines, recueillis en Haute-Bretagne_, Nr. 12 im _Archivio_, XIII,
S. 567.
540.
Die 23. Erzählung Murads bringt die bekannte Geschichte vom
~Traumbrod~, wozu man Chauvin, IX, S. 28[28] vergleiche, und zwar in
einer Fassung, die der des _Nuzhat al udaba_‚ (Hammer, _Rosenöl_, II,
S. 303 ff.; Basset in der _RTP_, XV, S. 668 ff.), aber auch der im
_Mesnewi_‚ von Dschelaleddin Rumi außerordentlich nahe steht; nicht
um Brot, sondern wie in der von Clouston in den _Popular Tales and
Fictions_, II, S. 89 aus der _Historia Jeschuae_‚
_Nazareni_‚ ...., illustrata a Joh. Jac. Huldrico, Leyden, 1705, d. i.
Huldreichs Ausgabe der _Tholedoth Jesu_‚ mitgeteilten Version um eine
Gans handelt es sich in der serbischen Ausgabe, S. 155 ff. (Nasreddin
foppt zwei Derwische).
541.
Die ~kroatische~ Ausgabe enthält zwei außerordentlich verbreitete
Erzählungsstoffe; der eine (S. 91 ff.; Nouri, S. 57 ff.) stellt die
unter dem Namen ~Asinus vulgi~ bekannte Geschichte dar, zu der man die
bei Chauvin, II, S. 148, III, S. 70 und 145 und VIII, S. 140 angegebene
Literatur, ferner Waas, _Die Quellen der Beispiele Boners_, S. 48,
Köhler, II, S. 571, Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem Iraq_,
S. 54 und 55, Nr. 30 und S. 111 vergleiche. Zwei Versionen sind bis
jetzt unbeachtet geblieben: die eine steht im _Antonius dialogus_‚ von
Jo. Jov. Pontanus (_Opera_, Basilae, 1538, II, S. 163); die andere, die
die Fabel damals schon als Altweibermärchen charakterisiert, findet
sich in einem Briefe Petrarcas (_Epistolae de rebus familiaribus et
variae_, ed. Fracasetti, Florenz, 1859 ff., II, S. 404):
Unam tibi e fabellis referam vulgo notis, et quibus anus ante focum
hibernas noctes fallere solitae. Senex cum adolescente filio agebat
iter. Erat his unus parvus asellus ambobus, quo vicissim laborem viae
levabant. Hoc dum genitor veheretur, sequente pedibus suis nato,
irridere obvii. En, aiebant, ut moribundus inutilisque seniculus
dum sibi obsequitur, formosum perdit adolescentem. Desiluit senex,
et invitum natum in suum locum sustulit. Murmurare praetereuntium
turba; en ut segnis et praevalidus adolescens, dum propriae blanditur
ignaviae, decrepitum patrem mactat. Pudore ille victus, patrem
coegit ascendere. Ita uno quadrupede simul vecti murmur occurrentium
indignatioque crebrescere, quod una brevis duabus magnis belluis
premeretur. Quid te moror? His moti pariter ambo descendunt, et vacuo
asello pedibus incedunt propriis. Enimvero tunc illusio acrior risusque
protervior, duos asinos uni ut parcant, sibi non parcere. Hic genitor:
cernis, inquit, fili, ut nil quod probetur ab omnibus fieri potest;
repetamus pristinum morem nostrum; hi suum loquendi carpendique omnia
morem servent. Nil amplius dicam, nec necesse est: rudis fabella, sed
efficax.
542.
Weiter hat eine Geschichte in der kroatischen Ausgabe, S. 95 ff.
(Nouri, S. 41 ff.) folgenden Inhalt: Der Hodscha erzählt seiner
schwatzhaften Frau, er habe ein Ei gelegt. Sie erzählt das unter dem
Siegel der Verschwiegenheit ihrer Nachbarin Ajscha, diese wieder ihrer
Freundin Fatima; binnen kurzem verbreitet sich die Sache in stets
gesteigerter Form in der ganzen Stadt und endlich erfährt sie auch der
Sultan, dem schon von 699 Eiern berichtet wird. Auch er tut so wie die
andern und fragt Nasreddin, ob es wahr sei, daß er 700 Eier gelegt habe.
Dies ist die Fabel La Fontaines _Les femmes et le secret_‚; vgl. Boltes
Nachweisungen bei Montanus, S. 592 ff. und Chauvin, VIII, S. 168 und
197.
543.
Unter den _~serbischen~_ Überlieferungen in den _Anthropophyteia_‚
ist eine (I, S. 465 ff.), die ebenso wie eine Erzählung im _Nawadir_‚
(S. 16) den Stoff des _Dit de perdriz_‚ (Montaiglon-Raynaud, I, S.
188 ff.) behandelt; die serbische Variante tut dies in einer Form,
die sehr an die der _Tausend und einen Nacht_‚ (Chauvin, VI, S. 179
ff.) erinnert. Man vergleiche Legrand, _Fabliaux ou contes_, Paris,
1829, IV, S. 38 ff.; Bédier, S. 466; v. d. Hagen, _Gesammtabenteuer_,
II, S. XV ff.; Pauli, S. 514, Nr. 364; H. Sachs, II, S. 169 und III,
S. 149; A. L. Stiefel in den _Hans Sachs-Forschungen_, S. 158 ff.;
Benfey, I, S. 146; Österley in der _Zeitschr. f. vgl. Littgesch_, I,
S. 54; K. Reinhardstoettner ebendort, VII, S. 474; Cosquin, II, S.
348 ff.; _Fourberies_, S. 27 ff. Zu den an diesen Stellen genannten
Nachweisungen kommen noch: _Der edle Fincken-Ritter_, S. 61, Nr. 353;
Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 289 ff.; Sébillot,
_Littérature orale de la Haute-Bretagne_, S. 137 ff.; Stumme, _Tunis_,
I, S. 73 und II, S. 122.
544.
Die Erzählung in der _Anthropophyteia_, II, S. 412 ff. ist äußerst
obszön: Nasreddin rächt sich an einem Gläubiger, einem reichen
Türken, der seine Tochter verführen will, indem er, als seine Tochter
verkleidet, zuerst die drei Töchter und dann die Frau des Türken
beschläft und schließlich noch ihn selber schändet. Der hier nur
zum Schluß vorkommende Zug, daß die dankbaren Mädchen und ebenso
ihre Mutter auf ihren Kuchenanteil zugunsten der falschen Zuleika
verzichten, ist besser verarbeitet in Sercambis Novelle _De Malvagio
famulo_‚ (ed. Renier, S. 335 ff.), zu der die 191. Facetie Poggios:
_Facetia cuiusdam qui subagitabat omnes de domo_‚ samt den von Noël,
II, S. 183 ff. beigebrachten Parallelen zu vergleichen ist.
545.
In Anton Panns _rumänischer_‚ Gedichtesammlung _Nazdravaniile lui
Nastratin Hogea_‚ wird S. 331 erzählt, wie der Hodscha ob seiner
Lustigkeit von einem Freunde gefragt wird, ob er denn seine Schulden
bezahlt habe. Er antwortet verneinend; aber die Sorge überlasse er den
Gläubigern.
Das ist eine Variante der oft bearbeiteten 204. Facetie Poggios:
_Exploratio ad hominem tristem ob pecuniam debitam_‚ (dazu Noël, II, S.
193 ff.).
546.
Pann, S. 338 (Griechisch, Nr. 151): Als der Hodscha Nasreddin Knoblauch
gegessen hat, weigert sich seine Frau, mit ihm zu schlafen, weil sie
den Geruch nicht verträgt. Der Hodscha fragt einen Freund, wie er es
anstellen müsse, um geruchlosen Knoblauch zu bekommen, und erhält den
Rat, ihn (der Schale) entkleidet zu pflanzen. Der Knoblauch riecht aber
wieder, und nun meint der Freund, der Hodscha müsse eben auch sich
selber entkleiden. Der Erfolg bleibt wieder aus, und der Hodscha sagt
zum Knoblauch: Dich habe ich ausgezogen, mich habe ich ausgezogen, aber
dein Gestank ist geblieben.
547.
Sehr hübsch ist folgende Geschichte bei Pann, S. 340: Als der Hodscha
einmal sein Hemd flickt, bildet der Zwirn zufällig einen Knoten, und er
merkt, daß die Näharbeit dadurch leichter von statten geht. Voll Stolz
erzählt er allen Leuten, was für eine Erfindung er gemacht hat, erntet
aber nur Spott.
Vgl. _Eulenspiegel_, Hist. 50 (Neudruck, Halle, 1884, S. 78 ff.; _Dr.
Thomas Murners Ulenspiegel_, hg. v. Lappenberg, Leipzig, 1854, S. 73
ff. und 257) und Aug. Wilh. Schlegels _Poetische Werke_, Heidelberg,
1811, II, S. 278 ff.: _Parabel vom Eulenspiegel und den Schneidern_‚.
548.
Pann, S. 342 ff.: Im Kaffeehause bitten den Hodscha seine Freunde,
eine Lüge zu sagen; er entgegnet aber mit trauriger Miene, sie hätten
freilich leicht lustig sein, ihm sei aber sein Vater gestorben, und er
habe kein Geld zum Begräbnis. Darauf gibt ihm jeder Geld und er geht
mit einem hübschen Sümmchen fort. Bald darauf kommt der totgesagte
Vater ins Kaffeehaus; auf die Vorwürfe seiner Freunde entgegnet
Nasreddin, sie hätten ihn ja lügen heißen.
549.
Pann, S. 344 ff.: Ein Kaufmann gibt dem Hodscha irrtümlich Seife statt
Käse. Als der Hodscha den vermeintlichen Käse ißt, stellt er fest, daß
er anders als sonst schmecke; seine Frau, die ihm zusieht, sagt ihm,
daß er eben Seife esse. Aber Nasreddin ißt ruhig weiter: der Kaufmann
sei ein Ehrenmann, und was er bezahlt habe, werde er auch essen.
Ebenso essen im 24. Stücke der _Märchen der Schluh von Tazerwalt_‚
von Stumme, Leipzig, 1895 die Bewohner des Wad Draa Seife für Honig
(Hartmann in der _ZVV_, VI, S. 269).
550.
Ein guter Schwank ist auch folgender (Pann, S. 346): Der Hodscha geht
mit seiner Ziege auf den Markt, um dort ihre Milch zu verkaufen. Es
kommt ein Kunde, und der Hodscha melkt die Ziege; da aber dem Kunden
die Milch zu teuer ist, schüttet er sie der Ziege zurück in den Mund,
damit sie wieder in die Euter fließe.
Vgl. dazu _Kathá Sarit Ságara_, II, S. 61: _Story of the king who
replaced the flesh_‚ mit Tawneys Noten.
551.
Diese Ziege wird später (Pann, S. 346) von Wölfen gefressen; der
Hodscha macht sich aber nichts daraus und sagt: Wo Gewinn ist, kann
auch einmal ein Verlust sein.
552.
Altbekannte Motive behandelt die folgende Erzählung (Pann, S. 347
ff.): Der Hodscha sieht einmal, wie in einem Hofe ein Diener einem
reich geschmückten Esel die Fliegen abwehrt, während der Eigentümer
des Esels vergnügt zusieht; er geht hin, umarmt und küßt den Esel und
sagt: »Schade, daß er nicht reden kann.« Auf die erstaunte Frage des
Eigentümers antwortet er: »Freilich kann ich ihn reden lehren, noch
dazu in vier fremden Sprachen.« Daraufhin bekommt er den Esel mit nach
Hause und dazu ein schönes Stück Geld, damit er das verwöhnte Tier
ordentlich pflege; in einem Jahre soll der Unterricht beendet sein.
Nasreddins Frau ist mit dem Geschäfte nicht zufrieden, aber er tröstet
sie, daß in dem Jahre entweder der Besitzer oder der Esel oder er
selber sterben könne, und das Geld habe er ja schon. Am nächsten Tage
beginnt er mit dem Unterrichte, indem er dem Esel mit Stockschlägen
beibringt, auf einen Wink mit der Hand den Kopf zu heben oder zu
senken. Als das Jahr um ist, bringt Nasreddin den Esel zu seinem Herrn,
der eine Menge Gäste eingeladen hat. Auf die Frage Nasreddins, ob er
wie die andern Esel brällen wolle, hebt der Esel den Kopf zum Zeichen
der Verneinung, und so beantwortet er noch eine Reihe ähnlicher Fragen.
Den Einwand des Besitzers, daß der Esel noch immer nicht spreche,
beantwortet Nasreddin dahin, daß der Esel noch ein kleines Kind sei,
das schon alles verstehe, aber zu reden erst noch lernen werde. Der
Herr des Esels gibt mit Freuden wieder Geld her, aber nun ändert
Nasreddin sein Verfahren; er gibt dem Esel, dem er das Essen abgewöhnen
will, täglich weniger Futter, bis er endlich verendet. Als er dann
dem Eigentümer des Esels dessen Tod meldet, veranstaltet ihm der voll
Trauer ein schönes Begräbnis.
In den Hauptzügen deckt sich diese Geschichte mit La Fontaines Fabel
_Le charlatan_, zu der man Robert, _Fables inédites des XIIe, XIIIe et
XIVe siècles_, Paris, 1825, II, S. 54 ff. vergleiche. Um einen Bären
handelt es sich bei Lodovico Carbone, _Facezie_, ed. Abd-el-Kader
Salza, Livorno, 1900, S. 58 ff., Nr. 83, um einen Affen in der 88.
Novelle von Des Periers (zit. Ausg. S. 300 ff.): _D’un singe qu’avoit
un abbé, qu’un Italien entreprint de faire parler_‚ und um einen
Elephanten in folgenden Fassungen: Guicciardini, _Detti et fatti_,
Venetia, 1581, S. 21: _Cosa opportuna, et utile, godere il beneficio
del’tempo: Le tombeau de la melancholie_‚ (1. Ausg. 1625), Paris,
1639, S. 214 ff.: _Gentille inuention d’vn Gentilhomme François pour
sauver sa vie; Democritus ridens_, S. 42; _Roger Bontemps en Belle
humeur_, S. 369: _Bon tour d’Anthoine Martinus; Das kurtzweilige Leben
von Clement Marodt_‚ (1. deutsche Ausg. 1660), Gedruckt im Jahre 1663,
S. 29 ff.; (Henry Daudiguier) _Histoire des amours de Lysandre et
de Calisto_‚ (1. Ausg. Leyden, 1650), Amsterdam, 1670, S. 433. Die
Geschichte ist noch heute lebendig, wie Roseggers Bearbeitung zeigt.
Älter scheint die Erzählung von dem ~Esel~ zu sein, der ~lesen lernen
soll~: Stricker, _Der Pfaffe Amis_, v. 181 ff. (Lambel, _Erzählungen
und Schwänke_, Leipzig, 1872, S. 25 ff., 13 und 16); Poggio, fac.
250: _Facetum hominis dictum asinum erudire promittentis_‚ (Noël, II,
S. 257 ff.); Brant, _Esopi appologi_, Basileae, 1501, Bl. B_{7}^a;
_Eulenspiegel_, Hist. 29 (Neudruck, S. 44 ff.; Lappenberg, S. 40
ff. und 246); Camerarius, _Fabellae Aesopicae_, Tubingae, Ex. off.
Morhardi, 1538, Bl. 86^a: _Rex et subditus_‚: H. Sachs, IV, S. 308; Fr.
Delicado, _La Lozana Andaluza_, Paris, 1888, II, S. 277 ff.; Seb. Mey,
_Fabulario_, Valencia, 1613, fáb. 47 (Menéndez y Pelayo, _Origenes_,
II, S. CX ff.); _Tales and Quicke Answeres_, Nr. 99: _Of hym that
vndertoke to teache an asse to rede_‚ (Hazlitt, I, S. 115); Prym-Socin,
_Tûr ’Abdín_, II, S. 291 ff. (hier handelt es sich um ein Kamel).
Lesen und schreiben soll der Esel lernen bei Abstemius, _Hecatomythium
secundum_, fab. 33: _De grammatico docente asinum_‚ (_Aesopi Phrygis
et aliorum Fabulae_, Venetiis, 1539, Bl. 61^b) und Waldis, _Esopus_,
IV, Nr. 97 (hg. v. Kurz, II, S. 270 ff. und Anm. S. 184). Vgl. weiter
Levêque, _Les mythes et les légendes de l’Inde et de la Perse_, Paris,
1880, S. 560 ff., _ZVV_, VII, S. 95 ff. und _Archivio_, XXI, S. 358.
Zu dem Troste, daß in der gestellten Frist der eine oder der andere
sterben kann, vgl. Chauvin, VIII, S. 117 ff.
Der Zug, daß _einem Esel oder Pferde das Essen abgewöhnt_‚ werden soll,
kehrt auch heute noch oft in Schwänken wieder; er findet sich aber
schon im Philogelos, wo die 9. Facetie lautet:
Σχολαστικὸς θέλων τὸν ὄνον αὐτοῦ διδάξαι μὴ τρώγειν, οὐ παρέβαλεν αὐτῷ
τροφάς. ἀποθανόντος δὲ τοῦ ὄνου ἀπὸ λιμοῦ, ἔλεγε· μεγάλα ἐζημιώθην· ὅτε
γὰρ ἔμαθε μὴ τρώγειν, τότε ἀπέθανε.
553.
Interessant ist ein ~_griechisches_~‚ »Märchen« in den schon zitierten
52 Παραμύθια; es ist das 23. (S. 54 ff.): Ἡ γυναῖκα τοῦ Ναστραδὶν
Χότζα, dessen wesentlicher Inhalt in einer breitern Fassung in den
Νεοελληνικὰ Ἀνάλεκτα, II, Athen, 1874, S. 103 ff. als 33. der Λημώδη
παραμύθια Νάξου wiederkehrt: Die Frau Nasreddins ist in den Arzt
des Dorfes verliebt. Da er auf ihre Blicke und sonstigen stummen
Liebeswerbungen nicht achtet, schickt sie ihm endlich durch ihre Magd
eine Torte, worein sie einen Zettel gesteckt hat. Der Hodscha begegnet
der Magd, nimmt ihr die Torte ab, ißt diese mit einem Freunde auf,
liest den Zettel, übergibt der Magd einen andern, des Inhalts, daß er
in der Dunkelheit kommen werde, und befiehlt ihr, der Frau zu sagen,
sie habe ihren Auftrag ausgerichtet und der Arzt sende ihr diese
Antwort. Ganz glückselig richtet die Frau alles her zum Empfange des
Geliebten. Inzwischen geht der Hodscha zu dem Arzte und läßt sich von
ihm ein stark wirkendes Abführmittel geben; in der Dunkelheit geht er
dann in sein Haus. Seine Frau, die ihn erwartet hat, hält ihn, weil
beide gleich dick sind, für den Arzt, und sie begeben sich sofort
ins Bett. Nun beginnt auch schon das Abführmittel zu wirken: der
angebliche Arzt besudelt nicht nur Bett und Zimmer, sondern auch die
liebeshungrige Frau und macht sich endlich unter ihren Verwünschungen
davon. Nach einigen Tagen kommt der Hodscha zurück, und sein erstes
ist, daß er den Arzt zum Essen einlädt. Seinem der Magd erteilten
Auftrage gemäß, fehlt auf dem Tische bald ein Löffel, bald eine
Gabel, bald ein Glas, so daß er mehrmals Gelegenheit hat, das Zimmer
zu verlassen und die Zornesausbrüche seiner Frau gegen den Arzt zu
belauschen, dem sie schließlich einen Löffel Reis ins Gesicht wirft.
Der Arzt entfernt sich, indem er dem Hodscha sein Bedauern ausspricht,
daß sein Weib nicht recht bei Sinnen sei. Sie ist aber von ihrer
Leidenschaft geheilt und liebt fortan ihren Hodscha so wie früher den
Arzt.
Mit geringfügigen Abweichungen wird diese Geschichte in einer Novelle
Bandellos erzählt, nämlich der 35. des I. Teiles: _Nuovo modo di
castigar la moglie ritrovato da un Gentiluomo veneziano_‚; die Novelle
Bandellos ist die Quelle der 1. Histoire in den _Amans trompez_,
Amsterdam, 1696, S. 3 ff.: _De Camille, et du Docteur du_‚ _Cil_, die
wieder nach Tittmanns Einleitung zum II. Bande der _Simplicianischen
Schriften_‚ Grimmelshausens, Leipzig, 1877, S. XIX ff. die Quelle der
Erzählung im 5. bis 8. Kapitel des II. Teiles des _Vogelnests_, S. 174
ff. ist.
554.
Die griechische Ausgabe der Schwänke Nasreddins schließt mit einer
Geschichte, in der Nasreddin gar nicht vorkommt; denselben Inhalt hat
aber Buadem, Nr. 161 und überdies hat sie Renato La Valle 1910 im
_Giornale d’Italia_, dessen Vertreter er in Konstantinopel ist, von
Nasreddin mitgeteilt: Einmal erschien Nasreddin vor dem Sultan und
klagte ihm sein Leid; »Ich habe nicht zu leben,« sagte er, »könnte aber
mein Leben sehr gut fristen, wenn du mir durch ein Handschreiben die
Erlaubnis gäbest, von jedem Muselman, der vor seiner Frau Furcht hat,
fünf Para einzuheben.« Da die Zahl der Muselmanen, die ihre Weiber
fürchten, sehr groß ist, wird der Hodscha bald ein reicher Mann.
Da sagt der Sultan zu ihm: »Da du durch meine Gnade reich geworden
bist, hoffe ich, daß du dich mir durch ein Geschenk erkenntlich
zeigen wirst.« »Sicherlich, Großherr; ich habe dir auch schon eine
wunderschöne Sklavin aus Cypern mitgebracht.« »Sprich doch leiser,«
sagte der Sultan, indem er sich scheu umblickte; »im Nebenzimmer ist
meine Frau.« Sofort nahm der Hodscha den Erlaß aus der Tasche und
sagte: »Fünf Para her, Großherr!«
Vgl. Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 208 ff.: _Wer sich da vor seinem Weibe
fürchtet_‚.
555.
Zum Schlusse folge eine Dschohageschichte, die Reinisch in der
_Nubasprache_, im Idiome von Fadidscha, aufgezeichnet, deren
Übertragung ins Deutsche er aber aus naheliegenden Gründen unterlassen
hat (_Nuba-Sprache_, I, S. 236 ff.):
Dschauha quondam gregem prae se agebat ac dum vadit magna voce
clamavit: »Gregem meum totum is, sive vir erit sive femina, accipiet,
qui me edocuerit, quo modo coitus instituatur.«
Quam conditionem captiosam audivit homo quidam, qui in loco superiore
occupatus erat opere in agro. Oculis igitur modo in meridiem, modo in
septentrionem conversis non conspexit ullum testem molestum.
Tum is homo secum: »Age, inquit, id quod vult edocebo istum ac gregem
eius accipiam.« Itaque Dschauham is acclamavit verbis: »Heus tu, huc
veni! nam te edocebo.«
Venit Dschauha et rusticus braccis detractis se obtulit illi apto ad
eam rem usus corporis statu. Qui mox penem intulit in anum rustici
semenque emisit.
Iam cum penem eduxisset Dschauha quaesivit ex rustico, quid esset album
illud, quod de natura ipsius destillaret. Rusticus: »Inde, inquit,
nascuntur pueri.«
Tum Dschauha rusticum manibus apprehendit et clamavit: »Redde mihi
liberos meos!« Is autem cum, ne clamore Dschauhae res proderetur,
metueret, miti ac clara voce dixit: »Ego vero nullo pacto postulo
gregem tuum; quam ob rem tacitus quaeso abeas.«
Unde profectus cum grege Dschauha cum ad villam venisset, ante aedium
ianuam mulierem vidit cum puella sedentem. Cum igitur ibi eadem quae
ante clamando pronuntiasset, mulier ad puellam haec locuta est: »Cum
non sint nobis armenta, hunc quae vult edocendo faciam, ut gregem eius
accipiam.«
Advocatus Dschauha, postquam mulier vestibus depositis accubuit, eam
subagitavit. Coitu perfecto ex muliere quaesivit, quid esset album
illud, quod de natura ipsius destillaret.
Respondit mulier: »Necdum id tu cognovisti?« »Minime,« ait Dschauha. Et
mulier: »Inde, inquit, nascuntur pueri.«
Tum Dschauha mulierem manibus apprehendit ac minis usus petiit ab ea,
ut sibi liberos redderet. Perterrita mulier: »Iam abeas, inquit, cum
grege.« Itaque profectus est Dschauha.
Cum autem sol ad occasum vergeret, rusticus domum venit ex agro ac cum
matre, uxore filiaque consedit ad cenandum.
Sedentibus iis, vir cum grave interdiu fecisset opus podice, crepitum
emisit.
Tum is: »Quid, inquit, id est?« Et uxor: »Id podex tuus fecit.«
Quae cum dixisset mox ipsa crepuit. Ex qua cum quaesivisset vir, cur
creparet, respondit: »Praeteriit villam nostram homo quidam cum
aliquot boum capitibus et clamavit: ›Qui me coitum facere didicerit,
sive vir erit sive femina, gregem meum mercedem accipiet.‹ Ut rem
familiarem tuam augerem, me ab illo subagitari passa sum, qua re
defatigata crepitum emisi.«
Tum vir: »Ergone, inquit, iste huc etiam venit? ut ego quoque creparem,
is effecit.«
Quae cum locuti essent, rem integram reliquerunt.
FUSSNOTEN:
[1] Abdallah ibn Abbas, der Vetter Mohammeds, von dem angeblich ein
Korankommentar herrühren soll.
[2] Ist der 103. Vers der 23. Sure des Korans, die vom jüngsten
Gerichte handelt.
[3] Vers 1 und 2 der 95. Sure »Die Feige«; eigentlich sollten sie
lauten: »Bei der Feige und dem Ölbaume und dem Berge Sinai.«
[4] Ein mit Hammelfett und Weizenmehl hergestellter Brei.
[5] Die folgende Episode ist in der deutschen Übertragung der
_Tunisischen Märchen_‚ nicht enthalten; Herr Prof. Dr. Stumme war so
liebenswürdig, meiner Bitte um eine Übersetzung nachzukommen, wofür ihm
auch an dieser Stelle herzlichst gedankt sei.