Im Nu ist die Lethargie der ganzen Mannschaft abgeschüttelt, der Koch
bringt ein Stück gesalzenen Speck als Lockspeise für den Raubfisch, der
Steuermann kommt mit dem wohleingeölten und blankgehaltenen Haken, an
das der Erstere rasch den Speck befestigt -- der Wirbel am Haken muß
sich wohl drehen, denn wie ein Quirl schleudert sich das Unthier herum,
wenn es sich gefangen fühlt -- und das Eisen über Bord geworfen, drängt
Alles nach hinten, die Bewegungen des Fisches, wie er sich nähert oder
theilnahmlos an dem für ihn ausgehangenen Gericht vorbeitreibt, zu
beobachten.
Der Matrose haßt nun überhaupt einen Hai; es ist dieß sein angeborener
erbarmungsloser Feind, der mit den kaltblitzenden grünen Katzenaugen
fortwährend nach Beute ausschauend, faßt, was er eben erreichen kann,
und mit dieser ewigen Raubgier Schnelle und furchtbare Stärke verbindet.
Er beißt auch weniger, als daß er das mit den Zähnen erfaßte förmlich
_ausdreht_, wenn der Gegenstand zu groß ist, ihn gleich ganz zu
verschlingen, und wenn selbst nicht gleich getödtet, ist der unglückliche
Seemann, dem der Hai erst einmal Arm oder Bein gefaßt hat, auch meist
rettungslos verloren. Was Wunder also, daß der Fang eines solchen
Ungethüms stets mit Jubel, begrüßt wird, und selbst sonst ganz gutmüthige
Seeleute die sich wenigstens nie dazu verstehn würden, einen Hund oder
ein anderes Thier muthwillig zu quälen, mißhandeln mit wahrer Wonne
einen gefangenen Hai oder schneiden ihm wohl auch gar den Schwanz ab,
und werfen ihn wieder über Bord, wo er dann bald im Wasser elend
umkommen muß.
Die Seeleute haben Grund ihn zu hassen und thun es von ganzer Seele;
wunderbar aber war die Wuth, die der junge Spanier auf diese Fische
hatte; halbe Tage lang saß er im Mast, nach ihnen auszuspähen, und
war der Fang endlich geglückt, die das Deck peitschende Bestie an
Bord gezogen und hielten sich die Leute noch scheu zurück, von dem
schlagenden Schwanz nicht getroffen zu werden, sprang er, der Erste
hinzu, ihm sein Messer in die Kiemen zu stoßen, daß er dann, trotz dem
wüthenden Springen und Schnappen des gepeinigten Thieres, darin hin und
her wühlte, bis der Fisch, durch Blutverlust und Anstrengung erschöpft,
regungslos liegen blieb. Waren es junge Thiere, so wurden sie gewöhnlich
später gebraten, aber nie konnte Don Gaspar, wie wir ihn denn auch von
jetzt an nennen wollen, bewogen werden, das Fleisch auch nur zu kosten
-- und einen solchen Widerwillen fühlte er dagegen, daß er nicht einmal
in der Kajüte blieb, so lange es auf dem Tische stand.
In dieser Zeit war es, daß ein ungewöhnlich großer Hai von der Bramraae
angerufen wurde und nicht lange, so kam das Ungeheuer der Tiefe, ein
Bursche von fast achtzehn Fuß Länge und von ganz außergewöhnlicher
Stärke heran, den Haken einzuschnappen, den der Steuermann jetzt rasch
anfing einzuziehen, da gar keine Hoffnung da war, ein solch riesiges
Ungethüm selbst mit drei solchen Haken nur zu halten, viel weniger
an Bord zu holen. Kaum aber sah der Fisch den weißen Speck vor sich
hinschießen, den er jetzt wohl in der Eile für einen flüchtigen
Fisch halten mochte, als er einen Schlag in das Wasser that, mit
Pfeilschnelle hinter der vermeintlichen Beute herschoß und sie
verschlang.
Jetzt begann ein toller wilder Jubel am Bord, der aber auch wieder von
Lachen und Verwünschungen unterbrochen wurde, denn wenn der Hai nur im
mindesten seine Kraft gegen das, was ihn hielt, gewandt hätte, mußte
Haken oder Tau brechen und reißen; der gefangene Fisch begnügte sich
aber, sich herumzuwirbeln und dadurch dem Eisen zu entgehen, das ihm
anfing, unbequem zu werden und mehr und mehr zogen sie ihn indessen
dem Heck des Schiffes näher, wo der Capitain schon eine Harpune bereit
hielt, ihn zu werfen und dadurch vielleicht zu sichern.
Don Gaspar war außer sich, er sprang und jubelte, kletterte an den
Besahnwanten[6] hinauf und wieder hinunter und flog nur manchmal mit an
das Tau, das die ganze Mannschaft fest gepackt hielt, um zu fühlen, ob
der Fisch noch sicher daran sei. Endlich brachten sie ihn glücklich
in Wurfsnähe der Harpune, der Capitain, ein alter Wallfischfänger,
schleuderte das Eisen mit Kraft und Sicherheit und die scharfen
Widerhaken drangen selbst durch die horngleiche Haut des Ungethüms
tief in das Fleisch des Halses ein. Die nächsten Minuten hiernach war
Nichts zu sehn als Schaum, so peitschte das Ungethüm die Wogen, und der
Schwanz stieg manchmal wie der Kopf einer riesigen Schlange empor, und
schmetterte dann mit furchtbarer Kraft in die kochende Wassermasse
zurück. Aber das Eisen hielt und nur durch die entsetzlichen Anstrengungen
des zur tollsten Wuth gereizten und vom Schmerz gepeinigten Thieres,
arbeitete sich die Wunde größer und größer, und als sich das Wasser
etwas beruhigte, rief der alte Steuermann, sie würden ihn doch noch
verlieren, denn so bald er noch einmal anfange und hätte keine Schlinge
um den Schwanz, müsse er sich frei machen.
6: Besahnwanten, das stehende Tauwerk des hinteren Mastes, das
diesen hält und zugleich zur Strickleiter dient.
Der Koch schlug jetzt, um das Tau der Harpune selber herum, eine
Schlinge, diese auf den Kopf des Haies niederfallen zu lassen, und um
ihn herum zu bekommen. Der gefangene Fisch fing aber aufs Neue an zu
schlagen -- und wenn auch die Schlinge dabei schon über den Kiemen lag,
mußte sie doch wieder abrutschen, sobald aufgeholt wurde.
Don Gaspar zitterte während der Zeit am ganzen Körper von innerer
Aufregung, er schrie und lachte, wenn der Fisch ruhig blieb und der
Koch mehr mit der Schlinge nach rückwärts kam, und tobte und wüthete
förmlich, wenn das Unthier sich wieder zu befreien drohte. -- Alle
möglichen Anordnungen gab er dabei und der Koch, so vielen Respekt er
sonst vor dem Quarterdeck hatte, wurde endlich so ärgerlich, daß er
ausrief --
»Das Schwatzen soll der Teufel holen, geht hinunter und schiebt das Tau
über, und die Satansbestie soll bald hier oben liegen -- da -- da geht's
wieder an -- na, jetzt ist die Geschichte vorbei, diesmal haut er sich
frei.«
Don Gaspar war auf den Rand der Brüstung gesprungen und schaute lautlos
aber mit funkelnden, glühenden Augen in die Tiefe.
»Nehmen Sie sich in Acht, Herr!« rief ihm der Steuermann zu -- »wenn Sie
hinabfallen, kommen Sie in einen heißen Platz!«