Süßeste Herrin, ein Wort nur --

_Theophano_:

Kupplerin! Weiche!

Sonst lass' ich dich peitschen.

_Eudokia_:

(taumelt empor, zur Tür links, wirft einen haßerfüllten, drohenden Blick

zurück und verschwindet).

_Theophano_

(steht und schaut Harald unverwandt an).

_Harald_

(läßt sich zögernd auf ein Knie nieder).

_Theophano_ (schnell zu ihm hin):

Knie nicht, du Tor!

-- Du süßer Tor!

Du sollst in mir

nicht die Prinzessin seh'n.

_Harald_ (leise):

Ich seh in dir

das schönste Weib der Erde.

_Theophano_ (ebenso):

Harald!

(Ergreift ihn bei der Hand und führt ihn zur Marmorbank.)

_Harald_

(sitzt am äußersten Ende der Bank, nach dem Garten hin):

In jenen Klostermauern,

da meine Jugend wuchs,

sah ich mit Augen nur ernste Mönche,

hört' ich mit Ohren nur Singen und Beten.

Doch in mir lebte ein andres Leben;

woher mir's gekommen, ich weiß es nicht.

Brennende Sehnsucht lohte in mir

nach Glanz und Pracht,

nach rauschenden Festen,

nach stürmischer Stunden süßer Gewalt.

Und schöne Frauen

schritten durch meine Träume,

liebreich und hold,

daß mir die Tränen entstürzten,

wenn ich jählings erwacht.

Dann kam die Stunde -- dann kam Byzanz:

Und ich sah dich, Theophano!

Du Strahlende,

vor dir versinkt die Pracht Byzanz',

Du einzig Schöne, mit dir

will ich die purpurnen Feste feiern,

die meine trunkene Seele sah.

_Theophano_:

Mit mir

sollst du die purpurnen Feste feiern,

die deine trunkene Seele sah.

_Harald_:

Theophano!

_Theophano_:

Harald!

(Sie umarmen sich. Dann reißt sie sich von ihm los, läuft die Stufen

hinauf zum Pavillon. Sich von oben über ihn beugend):

Sünder!

Böser Sünder!

Was wird der Kaiser sagen,

wenn er dich so erblickt?

_Harald_

(den Kopf rückwärts an die Rundung der Pavillonmauer gelehnt, zu ihr

hinauf):

Der Kaiser?

Lass' ihn beten

zu seinen Heiligen!

Ich, ich bete zu dir.

_Theophano_:

Zitterst du nicht, ihn tötlich zu kränken?

_Harald_:

Waräger zittern nie.

_Theophano_:

Er ist der Herr der Welt.

_Harald_:

Hab' er die Welt!

Eins hat er nicht,

nicht die köstliche Schwester,

die mir sich neigt.

_Theophano_:

Höhnst du ihn noch?

_Harald_:

Ich lache sein.

_Theophano_:

Kannst du ermessen,

wie edel heiliges Kaisergeblüt?

Menschen leben im Staub der Erde,

bäumen sich, strecken sich

nach dem Erhabenen,

fallen zurück ins klanglose Nichts.

Purpurgeborne schreiten in Höhen,

Kaiserthrone stehen erhaben

an den Pforten des Himmelssaals,

Kaiserblut ist Gotte verwandt.

_Harald_:

Wenn ich einst alt bin

will ich wohl glauben

an einen Himmel wie ihr -- vielleicht.

Vielleicht auch kehr' ich

zur Heimat zurück.

Dort gibt's keinen Himmel,

noch Engel und Psalmen.

Odin tafelt beim Becherklang

in Walhalls fröhlichen Räumen.

_Theophano_:

Hier oben ist Walhall.

Komm herauf zu mir!

_Harald_

(aufstehend und sich an die Mauer lehnend):

Noch bin ich im Leben.

Komm herab zu mir!

_Theophano_:

Helden müssen den Himmel stürmen.

_Harald_:

Sterbliche Weiber müssen sich neigen.

(Er steht am Fuße der Treppe, mit ausgebreiteten Armen.)

_Theophano_

(fliegt die Stufen herab in seine Arme).

_Beide_:

Höchste Wonne, im Sturm zu stehen,

kühn den taumelnden Kopf gereckt!

Höchste Wonne, in Liebe vergehen,

Wenn die Flamme zum Leben erweckt

(Theophano rührt an den nächsten Vorhang. Alle Vorhänge fliegen mit eins

zurück. Der nächtliche Garten liegt in magischer Beleuchtung. Tänzer und

Tänzerinnen stehen als Götterstatuen in den Nischen der rückwärtigen

Mauer: in der Mitte Aphrodite, rechts Apollo, links Dionysos. Die

übrigen Tänzer und Tänzerinnen als verehrende Festversammlung davor

liegend und knieend. Apollo steigt zu ihnen herab und führt sie an zu

einem Tanz voll strenger Schönheit. Dann mischt sich Dionys dazwischen.

Wilde rauschende Lust quillt auf. Theophano mischt sich in den Strudel

der Tanzenden. Alle fallen, ihr huldigend, zu Boden. Sie allein tanzt

weiter. Harald springt dazwischen, fängt Theophano auf und trägt sie zur

großen verhangenen Tür links. In diesem Augenblicke wird der Vorhang von

oben nach unten gerissen, fällt zur Erde und bauscht sich um die Füße

des)

_Alexios_

(der totenbleich im Türrahmen steht. Hinter ihm)

_Bewaffnete_

(dazwischen)

_Eudokia_.

_Harald_

(lacht wild auf und preßt Theophano an sich):

Heissa! Schätzchen!

Dein frommer Bruder

kommt zur Hochzeit.

_Alexios_:

Reißt das doppelköpfige

Tier entzwei!

_Bewaffnete_

(stürzen sich auf die beiden und reißen sie auseinander).

_Alexios_:

In Ketten ihn!

Und in den tiefsten Kerker!

_Harald_ (wird abgeführt).

_Alexios_:

Theophano!

_Theophano_

(ohne ihn zu beachten, zu Eudokia):

Kleine Tochter des Philosophen,

hast du dein Mütchen gekühlt?

_Alexios_:

In ihr Gemach!

Wächter davor -- (Er wankt.)

kein Mensch soll sie sprechen -- (Er will fallen.)

_Eudokia_

(springt vor und will ihn halten):

Theophano: Oper in drei Aufzügen · 第 6 / 8 题