Frutex ramis proceris gracilibus erectis cortice badio laevi nitido se
exfoliante in novellis fusco interdum atro; spinis folio longioribus
pollicaribus rectissimis horizontaliter patentibus gracilibus teretibus
albo-nitidis vel griseis interdum subnullis; foliis minutis puberulis
vel subglabris sordide-viridibus pinnis 1-2-jugis, foliolis 8-10-jugis,
latitudinem longitudine 2½-3-superantibus, pedunculo petiolo communi
biglanduloso; inflorescentia coaetanea pedunculis folio longioribus in
axillis 1-8-fasciculatis medio vel infra medium bracteatis glabris,
capitulis flavis, leguminibus anguste linearibus falcatis 3-pollicaribus
acutis purpurascentibus inter 8 semina atra constrictis membranaceo-
coriaceis.
_Nomen vern._: arabice Selem. Apud Dongolanos Samle vocatur.
_Habitat_: Per totam Nubiam proprie dictam usque ad 16° lat. sept. parte
tam libyca quam arabica, in desertis Aegypti superioris; ad litora maris
Rubri, ad oras Abyssiniae, Arabiae, Nubiae, Aegypti et in insulis.
Ein oft grosser Strauch, mit schlanken, aufrechten, langschössigen
Aesten, der selten baumartig wird und dessen Stammtheile selten mehr als
⅓ Fuss Durchmesser aufweisen. Das Holz ist hell und schwer. Die Rinde
trägt eine bleibende, etwas abblätternde, birkenartige Oberhaut von
heller Kastanienfarbe, welche glänzend und mit länglichen,
quergestellten Lenticellen bedeckt ist, hellfarbigen Kirschenzweigen
nicht unähnlich. Die jüngeren Zweige tragen eine matte röthlichbraune,
fein längsrissige, feste Rinde, welche oft eine schwarzgraue Färbung
annimmt.
Die Blätter bleiben stets klein, sind hin und wieder mit zerstreuten
Haaren spärlich besetzt und haben nie mehr als 2 Joche mit nie mehr als
10 Blättchenpaaren. Der Mittelnervstiel ist ½-1 Ctm. lang (fast nie
länger), trägt an der Basis und zwischen dem obersten Fiederpaare eine
kleine Drüse. Die Fiedern erreichen eine Länge von 5-10 mm. Die
Blättchen werden 2-3 mm. lang, ½-1 mm. breit, sind ziemlich derb, ohne
sichtbaren Mittelnerv und an der Spitze stumpf abgerundet.
Die Stipular-Dornen sind von wechselnder Länge und Färbung, sie sind
paarweise von gleicher Länge, wagerecht von einander abstehend,
stielrund und gegen die Spitze gleichmässig an Dicke abnehmend, werden
selten länger als 3 Ctm. und nicht dicker als 1½ mm. Die Farbe ist bald
glänzend elfenbeinweiss oder bräunlich, bald dunkelgrau und matt, wie
die Zweige, zu denen sie gehören. An manchen Zweigen können sie gänzlich
fehlen oder sie bilden nur kleine, verkümmerte Borsten.
Die runden Blüthenköpfe sitzen auf 1½-2½ Ctm. langen, bis zu 8 in den
Blattachseln gebüschelten Stielen, welche ungefähr in der Mitte oder
unter derselben einen verschiebbaren, häutigen, 3-4-zahnigen
Bracteenkragen tragen, und haben 8-10 mm. im Durchmesser. Die Blüthen,
50-60 in einem Kopfe, sind monöcisch, männlich oder zwittrig. Der Kelch
hat 5 rundlich eiförmige, gewimperte, angeschwollene, gelbe Zähne; die
denselben um’s Doppelte überragende Blumenkrone hat 5 spitz-eiförmige,
angeschwollene, gelbliche Zipfel. Die Staubfäden, um ¾ länger als die
Blumenkrone, sind nebst den Antheren hellgelb. Der Griffel ist mit den
Staubfäden von gleicher Länge. Der Fruchtknoten ist purpurn. Der
Blüthenboden ist kahl und trägt keine unterscheidbaren Deckblättchen.
Die Hülsen werden bis 12 Ctm. lang, sind an den Einschnürungen bis 1,
über den Samen bis 4 mm. breit, sichelförmig gebogen, oft einen
Halbkreis darstellend, an beiden Enden meist sehr spitz, purpurn
angelaufen, schwach längsnervig, beiderseits mit breiteren
Nervensträngen berandet, -samig und von sehr dünnlederartiger, fast
häutiger Beschaffenheit. Sie stehen oft zu 8-10 gebüschelt. Die Samen
sind glänzend-schwarz, länglich, flach, 5 mm. lang und 2 mm. breit.
Die Selem-Acacie entwickelt sich selten zu stämmigen Bäumchen, sondern
bildet vielmehr ausgedehnte Gebüsch-Dickichte. Das Holz ist sehr fest
und schwer, und wird von den Eingebornen gern zu Stöcken und Hausgeräth
verwandt, da sich von anderen Acacien nur selten gleich lange und gerade
Aststücke schneiden lassen. Sie blüht mit dem Laube Mitte April bis Mai,
und hatte reife Früchte Anfang Juni. Sie findet sich in den
Wüstenthälern der arabischen Seite zwischen dem Nil und dem rothen Meere
nördlich bis zum 25° n.Br., südlich bis zum 16° n.Br.; ferner auf der
libyschen Seite, am Rande der Bejudah zwischen Chartum und Berber, im
Dongolanischen bei Dubbe, el Korehr und in Dar Sukkot; hauptsächlich an
den Ufern und den Inseln des Rothen Meeres, namentlich auf der Insel
Dalak bei Massaua, auf den Korallenfelsen bei Suakin, am Ras Rauaï (21°
n.Br.) und auf der Insel Macaur; auch im Soturba-Gebirge, bei Berenice
troglodytica und in den Wüstenthälern Ober-Aegyptens; schliesslich wurde
sie an der arabischen Küste bei Dschidda und in den Bergen bei Gunfuda
gefunden.
Auf der EHRENBERG’schen Etiquette, welche dem von HAYNE benutzten
Original-Exemplar beigefügt ist, befindet sich die Notiz: „fructus
_Acaciae tortilis_ ut ferunt.“ HAYNE hatte also Unrecht, wenn er die
Früchte der _Acacia Ehrenbergiana_ nach des Sammlers „Beobachtung“ denen
der _Acacia tortilis_ gleich nennt.
Das Einsammeln von Gummi ist mir in den von mir bereisten Gegenden an
den Exemplaren dieser Art nicht bekannt geworden. Jedenfalls spielt das
Gummi derselben eine nur untergeordnete Rolle im Handel.
Einige wenige Exemplare der indischen _A. Jacquemontii_ Bth., die mir
vorliegen, reichen nicht aus, hinreichende Unterschiede von der _A.
Ehrenbergiana_ Hayne darzubieten. Da aber die Blätter nach BENTHAM bis
4-jochig gefiedert und die Hülsen bis 8 Linien breit werden können, so
zweifele ich nicht daran, dass beide Arten zu trennen sein dürften. Die
von BENTHAM angeführte Acacie aus der Wady Fatme (Fischer No. 37.)
gehört gewiss zu der von ihm übersehenen _A. Ehrenbergiana_ Hayne.
_Erklärung der Abbildungen._
Taf. XV. 1. Ein blühender Zweig mit zwei einjochigen Blättern. 2. Desgl.
mit 2-jochigen Blättern. (nat. Gr.) 3. Blüthe und Fruchtknoten. 4.
Staubgefäss. 5. Blüthenköpfchen nebst Stiel.
Taf. XVI. 1. Ein fruchttragender, langdorniger Zweig. 2. Ein blühender
Zweig mit verkümmerten Dornen. (Alle nat. Gr.)