Man schrieb erst Anfang Dezember, aber es hatte schon mehrmals ergiebig
geschneit. Der Villenvorort bei D . . . sehnte sich nach weißem Schlaf und
schuldlosen Träumen. Dicht fielen die fetten Flocken in dieser Nacht und
breiteten Kissen über die festeren Laken. Es ging gegen den Morgen. Die
letzten Autos hatten ihre raschelnde und duftende Fracht in ephemere
Hochzeitsbetten gekippt. Da und dort, aus dem ersten Stockwerk einer Villa,
irrte noch rotes Licht in den Schnee. Selbst die spätesten kleinen
Fußspuren, hingetippt nur von oft entdeckten und wieder verheimlichten
Frauenbeinen, vergingen jedoch unter der milde verwischenden Watte. Der
Schnee verrät alles und bereut jeden Verrat. Das deutet auf Geist, denn mit
dem Triumph des Detektivs ist alles lustige Spiel zu Ende. Wenn in diesem
reichlichen Gestöber jemand aus der Tür eines Fräuleins schliche: wie lange
würden seine amerikanischen Schuhsohlen die Bequemlichkeit, auf der ein
guter Ruf nistet, erschüttern? Immerhin müßte man die eingeschneiten Häuser
junger Mädchen vielleicht _rückwärts gehend_ verlassen? Oder man zöge sich,
gelegentlich, von den Dächern der Deflorierten im Monoplan zurück, was?
Während solcher Entwürfe _Ostaps_, eines Jünglings, schlank und nicht
gefallend, der bis 3 Uhr morgens gearbeitet hatte und in der leichten Kälte
froh wurde, fielen die weißen Flocken dichter und dichter. In der Tat, es
fehlte nicht viel, so hätten sie sich _wie ein Leichentuch über die
schweigende Erde gelegt_. -- -- --
(An dieser Stelle beglückwünscht sich der Autor: er hat das vollkommene
Cliché erreicht. Er wünscht sehr abgegriffene Sätze zu schreiben, etwas
verdrossen dahinzuleben, bis zu jener Generalinfektion, deren Erwartung
allein allerdings seine himmelschreiende Langeweile im Voraus ein wenig
verklärt. Ein Gesottener der Skepsis, giebt er sich das Recht zu nichts als
zur Konvention, kaum die Freiheit zu einem Seufzer, und verdächtigt noch
seine Krankheiten, als Nachahmungen ohne Wert.) --
. . . Indessen fiel der Schnee dichter und dichter. Die Wolken hingen voll
grauer Reize. Ostap überging eine Brücke. In der Tiefe fror der See.
Birken, zitternd, flüchteten die Abhänge hinauf. Ein Schwan zerteilte, vor
Kälte eilig, diese schwarze Nacht. Das Gaslicht, in hohen Lampen stampfend,
betonte eine Finsternis, die moorbraun war, kostbar und imaginär. Die
Alleen fröstelten auf eine distinguierte Art. An den Fensterreihen des
Postamts verblühte Geranien leuchteten geringfügig. Ostap liebte zärtlicher
der Ebereschen Büschel dunkelroter Beeren. Das Licht vor dem Feuerwehrhause
aber, in Bonbonrosa gehalten, hätte besser in englische Sensationsprosa
gepaßt, als in Ostaps, eines Vielspältigen von bizarrer Bildung,
verdächtige Monologe. Die fast ganz aussichtslos gestreckten Äste eines
schmutzigen Baumes, der sommers ein Kastanienbaum war, machten Ostap
schutzbedürftig nach heißem schwarzem Kaffee. Er streifte hängende Zweige
sehr bleichen Weidenlaubs, und da war um ihn die Seligkeit millionenfach
zerstäubenden Puders, himmlisches Glitzern und aller Glanz der
Weihnachtsnacht. Im Osten jedoch, über der Bundeshauptstadt, troff der
Wolkenhang schlimm. So trübe glimmt Waschwasser, das von einem abgespannten
Mädchen mit übermangansaurem Kali vermischt worden wäre.
Und Ostap, jeden Schritts die blütenhelle Reinheit des jungen Schnees
unerhört entjungfernd, nahm den Weg zu dem netten Hause, in dem Manon
wohnte und die anderen. Er ging Wege, die er wußte. Kein Laut. Nur ein
Rabe, aufgestört, krächzte und schüttelte sein Gefieder. Das sprühte. O,
diese Winterfrühe, niemandem außer ihm so schimmernd aufgebaut mit
gespensterweiß umhüllten Zäunen, war süß und war ein Geschenk! . . .
Als Ostap das Gartentor öffnen wollte, erblickte er, von der Haustür
ausgehend, die _frischen Fußspuren eines Kavaliers_.