_Hitler_ spricht. Er ist im Cutaway, trägt das Eiserne Kreuz I. Klasse,
scheint ein wenig blaß und mustert lange und aufmerksam die Zuhörer. In
seiner Kleidung, seiner Sprache, seinen Gesten, dem ganzen Auftreten,
liegt etwas Subalternes, Unfreies. Der Kragen ist ein wenig zu hoch, der
schwarze Rock zu stramm geschnitten, der Scheitel bis in den Nacken
gezogen, seine Haltung um eine Nuance zu akkurat. Und wenn er spricht
läßt er die „r“ rollen, was bei seiner süddeutsch gefärbten Mundart im
ersten Augenblick doppelt seltsam berührt. Sieht so ein Diktator aus?
Unwillkürlich denkt man, einen energischen Geschäftsreisenden vor sich
zu haben, einen Ausrufer bei einem Reklameverkauf. Hitler spricht fast
vier Stunden ohne Pause. Die erwarteten „Enthüllungen“ bleiben aus.
Seine Rede ist nicht gegliedert, nicht aufgebaut, und wenn man ihn so
sprechen hört, versteht man im ersten Augenblick nicht, woher seine
Wirkung auf die Masse kommt: die flache, primitive Argumentation und
eine Demagogie, die ihre Stärke darin hat, daß sie von keines Gedankens
Blässe angekränkelt ist, diese Primitivität einer Beweisführung, die
ganz auf „entweder–oder“ gestimmt ist, reißt eben den kleinen Mann, den
rabiaten Spießer von der Bierbank mit und nimmt sie für den Redner ein,
zumal da dieser über ein gutes Organ und ein tönendes Pathos verfügt:
„Kahr sagte, er könne die Landesverweserschaft nur annehmen als
Statthalter der Monarchie. Mir persönlich konnte das gleich sein.
_Für mich existierte die Revolution von 1918 nicht. Sie ist nicht
legalisiert worden._“
In den vier Stunden, die Hitler sprach, sagte er eigentlich immer wieder
dasselbe – nur mit anderen Worten, den einen Gedanken stets mit neuen
Bildern und Vergleichen ausmalend, und so dem Zuhörer das, was er sagen
wollte, besonders eindringlich einhämmernd:
„Habe ich Hochverrat begangen, so sind Kahr, Lossow und Seißer genau
die gleichen Hochverräter. Sie haben das gleiche Ziel gehabt wie
wir, nämlich die Reichsregierung zu beseitigen in ihrer heutigen
internationalen und parlamentarischen Einstellung und an ihre Stelle
eine antiparlamentarische Regierung zu setzen. Sie haben die ganzen
Monate nichts anderes gesprochen als das, wofür wir jetzt auf der
Anklagebank sitzen. Im übrigen, ist Herr von Kahr nicht im Jahre
1920 ebenfalls durch einen Staatsstreich Regierungschef geworden,
nachdem ein Leutnant mit 12 Mann mit „Bajonett auf“ vor dem Landtag
erschienen war und daraufhin die Regierung Hoffmann demissionierte?
Oder gehört dieser Leutnant mit den zwölf Mann zu den
verfassungsmäßigen Erscheinungen in einer Republik? Man sagt, das
Generalstaatskommissariat sei geschaffen worden, um den zu
erwartenden Putsch der Nationalsozialisten niederzuschlagen. Wenn
dem so wäre, warum hat sich der Herr Generalstaatskommissar am
folgenden Tage bei mir nicht in der Person eines Kriminalbeamten
vorgestellt und mich für verhaftet erklärt? Das wäre seine Pflicht
gewesen. – – Lossow hatte dem Chef der Reichswehr den Gehorsam
verweigert. Wenn der gemeine Mann das tut, wird er schwer bestraft.
Ein militärischer Führer in einer Armee von nur 7 Divisionen, der
eine Division in der Hand hat und der sich gegen seinen Chef
aufbäumt, muß entschlossen sein, entweder bis zum letzten zu gehen
oder es ist ein gewöhnlicher _Meuterer_ und _Rebell_. (Bewegung im
Auditorium.) Lossow erklärte mir, er habe zu wenig Politik
getrieben. Er fragte, was werden solle, es müsse doch einen Ausweg
geben. Ich sagte ihm, das Volk habe etwas anderes erwartet als eine
Bierpreiserniedrigung, eine Milchpreisverordnung, eine
Butterfaßkonfiskation und ähnliche unmögliche wirtschaftliche
Ratschläge, bei denen man sich fragen mußte, welches Genie da zu
Rate gezogen wurde. Jeder Mißerfolg mußte ja _die Wut der Massen_
vergrößern und ich habe darauf hingewiesen, daß die Leute sich jetzt
noch über die Kahrschen Maßnahmen lustig machen, später sich empören
werden. – Im weiteren Verlauf der Verhandlungen trat Lossows
Standpunkt immer deutlicher zutage. Der sagte: Ich bin entschlossen
zu handeln, aber ich muß 51% Garantie für den Erfolg besitzen. –
Ende Oktober trat eine Stimmungsänderung ein. Es kamen _Herren von
Berlin_, die sagten, _General Seeckt trage sich mit dem gleichen
Gedanken, eine Diktatur auszurufen_. Das schien Lossow der letzte
Strohhalm. Er erklärte, wenn Seeckt ans Ruder kommt, dann bleibt zum
Schluß nichts übrig, „daß ich den General Seeckt fresse oder daß
Seeckt eben mich frißt.“ – Am 6. November nach der Sitzung der
Kampfbundführer bei Herrn von Kahr mußten wir der Überzeugung sein,
daß die Herren nur auf einen Anstoß warten.“
Als Hitler auf die Vorgänge im Bürgerbräukeller zu sprechen kommt,
steigert sich seine Rede zu pathetischer Dramatik:
„Lossow und Seißer haben _Tränen in den Augen_ gehabt, als sie uns
ihrer _Treue_ versicherten. Kahr war so geknickt und gebrochen, daß
er mir aufrichtig leid tat. – – Ludendorff, der
Generalquartiermeister des Weltkrieges, der letzte große Feldherr
Deutschlands, ist schmählich belogen und verraten worden; hätte er
geahnt, daß General Lossow nicht mitmachte, er hätte sich nie zur
Verfügung gestellt.“
Ein deutschnationales Blatt hat Hitler einen Besessenen, den von einer
Idee Besessenen genannt. Zweifellos. Hitler machte den Eindruck eines
ehrlichen Menschen. Aber seine Besessenheit, sein Fanatismus rührte
nicht von dem Glauben an eine Idee her, sondern von dem Glauben an seine
persönliche Größe. Gerade die Art, wie er seine Bescheidenheit zur Schau
stellte, zeigte das:
„Ich erklärte Lossow, ich könnte mich nur unter der Bedingung
Exzellenz von Kahr anschließen, wenn der _politische Kampf
ausschließlich in meine Hände_ gelegt werde. Das war nicht frech und
unbescheiden von mir, ich bin vielmehr der Meinung, wenn ein Mann
weiß, daß er eine Sache kann, so darf er nicht bescheiden sein. – –
– Staatskunst kann man nicht lernen, man muß dazu geboren sein.“
Und Hitler stellt sich in Positur und erklärt, daß Ludendorff und alle
seine Mitarbeiter, von denen so viele tot sind – hier sinkt seine Stimme
zum Flüstern herab – über den Putsch genau so viel oder genau so wenig
wußten wie Kahr, Lossow und Seißer, er _allein_ habe alle Fäden in
der Hand gehalten. Während der ganzen Rede steht Hitler in
Habt-Acht-Stellung, den Gehrock bis hoch hinauf geschlossen – ein
Unteroffizier, der seinem Vorgesetzten Bericht erstattet. In der
höchsten Erregung vergißt er nicht die Titel. Kahr ist sein Todfeind –
aber für ihn ist er die „Exzellenz von Kahr“. Und wenn er das Wort
„Exzellenz“ sagt, es durch den Saal schmettert, merkt man, mit welchem
Stolze es ihn erfüllt, solche tönenden Titel in seine Rede einflechten
zu können.
Bevor Hitler seinen großen Monolog über den „treulosen Verrat“ Kahrs und
Lossows beendet, vergißt er nicht, demselben Herrn Kahr eine förmliche
Ehrenerklärung abzugeben:
„Kahrs menschliche hervorragende Eigenschaften wird niemand
bestreiten.“
Vorpostengeplänkel. Noch scheut sich die Verteidigung, ihre Trümpfe
auszuspielen, – die Reden des Angeklagten sind auf Moll gestimmt.
Auch Dr. _Weber_ schlägt dieselbe Tonart an. Ein blasser, kurzsichtiger
junger Mann, der mehr einem Gymnasiasten, als einem Soldaten ähnelt. Ein
Ausschnitt aus diesem Verhör:
_Staatsanwalt Ehart_: Haben Sie nie davon gehört, daß General
Ludendorff in der Reichswehr, namentlich in Norddeutschland, sehr
wenig Resonanzboden hat? (Unruhe.)
_Vorsitzender_: Ich bitte, die Fragen an mich zu stellen.
_Staatsanwalt Ehart_: Ich bitte die Frage zu stellen, weil sie
wesentlich ist. Die Frage nämlich, ob die Reichswehr, auch wenn
Ludendorff an der Spitze steht, trotzdem mit Waffengewalt vorgehen
wird?
Dr. _Weber_: Auf Grund eigener Kenntnis norddeutscher Offizierkorps
muß ich sagen, daß dort überall die Verehrung für den _größten
deutschen Führer und General_, der nicht nur in diesem letzten
Weltkrieg, sondern überhaupt Deutschland geschenkt wurde, herrscht,
so daß die Möglichkeit eines „Stellens“ nicht in Frage kommt.
_Staatsanwalt Ehart_: Das wollte ich wissen.
_Justizrat Kohl_: Das wollten Sie nicht wissen.
_Vorsitzender_: will unterbrechen.
_Justizrat Kohl_: Die Frage des Staatsanwalts war für einen Offizier
derart beleidigend, daß darauf eine Antwort gehört hat wie die, die
der Staatsanwalt von mir gehört hat. (_Beifall im Zuhörerraum._)
_Oberlandesgerichtsrat Pöhner._ Die beste Figur unter den Angeklagten.
Der kluge Kopf könnte einem Jesuitenpater gehören. Schlau blinzelnde
Augen hinter scharfen Gläsern, glattrasiertes Diplomatengesicht, ein
ewiges ironisches Lächeln um den Mund. Kein guter Redner. Er spricht
stockend, mit leiser Stimme, die sich in der Erregung überschlägt. Vom
ersten Augenblick an hat man den Eindruck: hier spricht der Politiker,
nicht der Agitator. Das ist der Mann, der hinter den Kulissen gestanden,
der die Fäden der völkischen Politik in Bayern in Händen gehalten hat.
Jedes Wort vorsichtig auf die Wagschale legend, schildert Pöhner seine
Besprechungen, seine Verhandlungen mit Kahr. Auch er vermeidet noch jede
polemische Färbung, aber es liegt eine ganz raffinierte Bosheit darin,
wie er so offensichtlich bemüht ist, Herrn Kahr zu „schonen“.
„Wenn Herr Kahr es so darstellen will, daß er Komödie gespielt habe,
als er seinen Anschluß an unser Unternehmen erklärte, so muß ich
ihn, den ich aus jahrelanger intimer Mitarbeit kenne, gegen ihn
selbst in Schutz nehmen. _Er ist ein anständiger Mensch und kein
Schuft._“
Dann ein ironischer Seitenhieb:
„Herr Kahr war über den ganzen Vorfall (im Bürgerbräukeller) aufs
äußerste empört und entrüstet und äußerte sich, es sei doch
_unerhört_, daß man ihn mitten aus seiner Rede auf diese Weise aus
dem Saale eskamotiert habe. – – Ich sagte, daß die Regierung von
Revolutionsgnaden doch endlich einmal beseitigt werden müßte. Herr
v. Kahr sagte darauf bloß: Unerhört, daß man auf diese Weise
herauseskamotiert wird. _Das war sein Haupteinwand._“ (Gelächter im
Auditorium.)
Und so, mit lauter feinen, kaum sichtbaren Finten pirscht sich Pöhner
dorthin durch, von wo aus die Verteidigung den ersten Vorstoß wagen
will:
„In einer Besprechung, zu der von Herrn v. Kahr auch Oberst von
Seißer zugezogen war, machte mir Herr v. Kahr den Vorschlag, nachdem
er gesagt hatte, es müßte jetzt im Norden aufgeräumt werden, ob ich
bereit sei, die Funktion eines _Zivilgouverneurs für Sachsen und
Thüringen_ zu bekleiden ... Ich erklärte, daß Ehrhardt es für
wünschenswert halte, daß ich das Kommissariat für Nordbayern
übernehme. Das lehnte Herr v. Kahr ab, indem er sagte, er könne die
ihm übertragenen Vollmachten nicht weiter übergeben und habe dazu
keine Ermächtigung. Hierauf wiederholte er seinen Vorschlag ... Ich
lehnte ab; es wäre in Sachsen und Thüringen im kleinen dasselbe
Verhältnis zwischen mir und dem Reichswehrkommandeur gewesen, wie in
Bayern zwischen Kahr und Lossow. Und das war mir ganz unklar. Man
konnte überhaupt nicht wissen, _wer in Bayern Koch und wer Kellner
sei_.“
So – wie von ungefähr – fällt der Name: _Ehrhardt_:
„Ehrhardt kam etwa Mitte Oktober wieder zu mir. Wie ich ihn fragte,
wie es ihm jetzt in München gefalle, da sagte er, er komme sich
„äußerst beschissen“ vor. Ich war über diese Wendung etwas
überrascht, denn ich hatte das gerade Gegenteil erwartet. Er war
doch steckbrieflich verfolgt von Leipzig aus. Ich wußte, daß er von
der Polizei _von Oberst v. Seißer sicheres Geleit_ bekommen hatte,
einen Ausweis, wonach er als Notpolizei für die bayrische Regierung
tätig sei. Ehrhard erklärte mir, es gehe gar nicht vorwärts ...“
_Justizrat Dr. Schramm_: Herr v. Kahr hat es abgelehnt, Herrn Pöhner
als Staatskommissar für das nordbayrische Gebiet aufzustellen, weil
er sich dafür nicht für kompetent erachtete. Ich bitte den
Angeklagten zu fragen, woher er die Vollmacht ableitete, ihm das
Zivilstaatskommissariat in Sachsen und Thüringen zu übertragen.
_Pöhner_: Darüber habe ich ihn nicht befragt. Man kann doch nur eine
solche Vollmacht haben, wenn man die entsprechenden Handlungen
vorher vorgenommen hat.
_Justizrat Dr. Schramm_: Es bestand doch wohl bei Herrn v. Kahr
Klarheit darüber, daß die Bewegung über Sachsen und Thüringen
hinausgetragen wird?
_Pöhner_: Das war selbstverständlich.
_Staatsanwalt_: Hat es sich um den Marsch nach Berlin oder um den
Grenzschutz Bayerns gegen die kommunistischen Unruhen in Sachsen und
Thüringen gehandelt?
_Pöhner_: Ich hatte den zweifellosen Eindruck im Zusammenhang mit
der Tatsache, daß Kahr _in engsten Beziehungen mit Ehrhardt_ stand,
daß es sich um etwas anderes handle, als den bayrischen Grenzschutz.
Davon war gar keine Rede. _Ehrhardt macht doch nicht den
Nachtwächter für Bayern zwischen Nürnberg und Hof._
Und dann nach einer Pause:
„Vielleicht wäre es gut, wenn ich etwas über die Verhandlungen
zwischen Herrn v. Kahr und Kapitänleutnant Ehrhardt aussagen könnte
... oder soll ich das lieber in nichtöffentlicher Sitzung tun?“
Das Stichwort ist gefallen. Jetzt spricht nicht der Angeklagte Pöhner,
sondern der Herr Oberlandesgerichtsrat, der drei Jahre lang die rechte
Hand von Kahr gewesen ist, der manches erzählen kann, was viel
gefährlicher und viel unbequemer ist, als die leidenschaftlichsten
Proteste Hitlers und die Enthüllungen der anderen Führer. Noch legt er
sich Zurückhaltung auf. Er ist bereit, unter Zurückstellung aller seiner
persönlichen Vorteile „rücksichtsvoll“ zu sein:
„Ich habe mich dagegen ablehnend verhalten, nach meinen schlimmen
Erfahrungen mit Herrn v. Kahr wieder mit ihm zusammenzuarbeiten ...
Ich bin aber trotzdem noch einmal mit ihm zusammengekommen, als, und
zwar _von autoritativster Seite, der Wunsch_ geäußert wurde, ich
möchte unter Zurückstellung persönlicher Unstimmigkeiten wieder mit
Herrn v. Kahr in Fühlung treten.“
Pöhner ist so feinfühlend, diese „autoritativste“ Seite nicht zu nennen.
Will man ihn zum Feind haben?
_Rechtsanwalt Hemeter_ knüpft an die Bemerkung Pöhners, daß er sich
bei seinem Zusammenarbeiten mit Herrn v. Kahr wiederholt in die
Brennesseln gesetzt habe, die Frage, wann er sich das erste Mal und
in der Folgezeit in die Brennesseln gesetzt habe.
_Pöhner_: Das erste Mal am 16. März 1920 nachmittags 4 Uhr
(Heiterkeit). („Kapp-Putsch“ in Bayern.)
_Vorsitzender_: Sie brauchen keine Auskunft geben, wenn Sie sich
dadurch einer weiteren strafbaren Handlung beschuldigen würden.
_Pöhner_: Aus meiner ganzen Einstellung mache ich kein Hehl. Ich
habe dem Staatsanwalt erklärt: _Was Sie mir jetzt als Hochverrat
vorwerfen, dies Geschäft treibe ich seit fünf Jahren._
_Vorsitzender_ (lächelnd abwinkend, leutselig): _Das wissen wir._
Dann die erste Wendung im Prozeß: Mit einem Ruck ist die Verhandlung auf
das politische Niveau gehoben, und nicht Herr von Kahr, nicht der
General von Lossow oder der Polizeioberst von Seißer sind mehr die
Objektive des Angriffs – die bayrische Regierung mit allen ihren
Institutionen, mit Staatsanwaltschaft und Gerichtshof ist zum
Angriffsziel geworden:
_Rechtsanwalt Hemeter_: Ist Pöhner bekannt, daß in der Nacht vom 13.
zum 14. März 1920 der damalige Präsident der Regierung von
Oberbayern, Dr. v. Kahr, Exzellenz (die Stimme des jugendlichen
Verteidigers ist mit Hohn gesättigt) sich ohne Zögern in den Besitz
der öffentlichen Gewalt gesetzt hat, auf einem Wege, der dem vom 8.
bis 9. November 1923 vollkommen entspricht? Als das
Republikschutzgesetz in Bayern ziemlich große Erregung hervorrief,
hat sich Dr. v. Kahr ohne Bedenken der Bewegung angeschlossen, deren
Ziel es war, die nach Auffassung des Staatsgedankens damals legale
Regierung auf dem gleichen Wege, nämlich durch Druck ohne Druck zu
beseitigen.
_Staatsanwalt_: Ich messe diesen Fragen keine wesentliche Bedeutung
für die Schuld- und Straffrage bei.
_Rechtsanwalt Hemeter_: Es wird der Nachweis gelingen, daß von Dr.
v. Kahr in Form eines fortgesetzten Deliktes in Bayern begangen
worden ist, was der Herr Staatsanwalt Hochverrat nennt.
Dem Herrn Pöhner ist all das bekannt. Und noch manches mehr. Aber
vorläufig will er – im Interesse des Vaterlandes – darüber in
öffentlicher Sitzung nicht sprechen. Doch einen kleinen Vorstoß wagt
noch die Verteidigung:
_Rechtsanwalt Holl_: Ich habe Kapitänleutnant Ehrhardt als Zeugen
genannt. Ich muß jetzt noch Schritte tun, um diesen zur Stelle zu
bringen, wenn das Gericht ihn vernimmt. Ich frage die
Staatsanwaltschaft: Ist es richtig, daß die Staatsanwaltschaft durch
einen ihrer Beamten mittelbar oder unmittelbar hat Ehrhardt
mitteilen lassen, daß er verhaftet würde, wenn er, von der
Verteidigung geladen, als Zeuge erscheint.
_Staatsanwalt_: Es ist absolut unwahr, daß die Staatsanwaltschaft
irgendeine solche Mitteilung hat ergehen lassen. Sie konnte Ehrhardt
nicht als Zeuge laden, weil sie seine Adresse nicht kennt.
_Justizrat Kohl_: Weiß der Staatsanwalt, daß Kapitän Ehrhardt vor
wenigen Wochen noch ganz öffentlich auf einem Kommers gesprochen
hat?
_Rechtsanwalt Hemeter_: Sendlingertorplatz Nr. 1 ist er zu finden,
Herr Staatsanwalt.
_Rechtsanwalt Holl_: Er wohnt eine Treppe tiefer als der angeklagte
Oberstleutnant Kriebel – im selben Haus.
Und mit diesem Vorstoß läßt es die Verteidigung bewenden. Vorläufig war
noch dies ihr Schlachtplan: Nicht bloß Kahr zu kompromittieren, nicht
bloß nachzuweisen, daß er im November am Hochverrat beteiligt war,
sondern durch die Aufrollung der „Bayrischen Frage“ der
Staatsanwaltschaft die Gefahr vor Augen zu führen, die sie laufe, wenn
sie die Angeklagten zwinge, „einmal tüchtig auszupacken“. Man soll in
Bayern nicht über Hochverrat zu Gericht sitzen, weil hier seit Jahr und
Tag von allen Führern und Politikern nur Hochverrat getrieben wurde.
Vorderhand begnügte sich die Verteidigung – zu drohen. Wird sich die
Staatsanwaltschaft dieses Entgegenkommens würdig erweisen? Sonst – da
ist noch jemand, der manches erzählen kann:
_Oberstleutnant Kriebel_, der militärische Führer des Putsches, der
zweite Eingeweihte. Bei seinen Ausführungen schloß das Gericht, durch
die ewigen versteckten Drohungen der Verteidiger reichlich nervös
gemacht, zum erstenmal die Öffentlichkeit aus. Was man zu hören bekam,
war im wesentlichen folgendes:
Kommerzienrat Zentz unterrichtete mich über den _Zweck der
Versammlung_ im Bürgerbräukeller. Er sagte, die Versammlung sei auf
den Wunsch Kahrs einberufen – und es sei notwendig, daß der große
Saal des Bürgerbräukellers voll wird. Er habe die vaterländischen
Vereine dazu eingeladen, damit sie den Saal füllen. Es wurde noch
angefügt, daß zu dieser Ovation, zu der diese Versammlung führen
sollte, _von gütigen Spendern Freibier_ gegeben werde. Es gab dann
noch eine Diskussion wegen der _Teilnahme von Juden_ an dieser
Versammlung. Dr. Hartmann von den „Vaterländischen Verbänden“
Bayerns erklärte, es wäre eine zweifelhafte Empfehlung für Herrn von
Kahr in den vaterländischen Kreisen, auf die er sich in erster Linie
stützen wolle, wenn er zu dieser Feier Juden einladen wollte. Diese
Bemerkung rief einen großen Sturm der Entrüstung hervor bei den
verschiedenen Handelsorganisationen. Sie sagten, daß sie nicht nur
unter ihren Mitgliedern, sondern auch in den Vorständen eine große
Anzahl von Juden hätten, daß es für sie unmöglich sei, die Einladung
überhaupt weiterzugeben, wenn die Frage der Nichtzulassung der Juden
überhaupt nur diskutiert würde. Kommerzienrat Zentz brachte dann
diesen Sturm der Entrüstung dadurch zum Schweigen, daß er bemerkte,
es würden nicht viele Juden kommen, denn sie seien wegen der
Ausweisungen von Ostjuden an sich nicht gut auf Herrn von Kahr zu
sprechen.“
Was nicht hinderte, daß eben dieselben Herren tief in die Tasche
griffen, um den Kampffonds der Völkischen zu speisen; wurde doch im
weiteren Verlaufe der Verhandlung festgestellt, daß Ehrhardt
zwanzigtausend Dollar bei den Industriellen Bayerns – Juden und Christen
– an Spenden einsammeln lassen konnte.
Kriebel, das wahre Soldatengemüt:
„Lossow sagte, er wolle ja marschieren, aber bevor er nicht 51
Prozent Wahrscheinlichkeit des Erfolges in seinem Notizbuch
ausrechnen könne, sei es ihm nicht möglich, zu marschieren. Als
Soldat war das für mich geradezu erschütternd. Wenn wir so im Kriege
gedacht hätten, wären wir schon im August 1914 zur Kapitulation
gezwungen gewesen.“
„Alle haben gerufen: Kampf gegen die Weimarer Verfassung. Da habe
ich mir in meinem einfachen Soldatengemüt gedacht: wenn alles
schreit, Kampf gegen die Weimarer Verfassung – warum soll man da
nicht kämpfen?“
Aus dem Verhör eine kleine Probe:
_Staatsanwalt_: Es darf nicht vergessen werden, daß es sich hier um
eine einseitige Darstellung handelt, die auch die schwersten
persönlichen Angriffe gegen die Herren Kahr und Lossow in sich
schließt. Ich glaube, man muß doch auch den anderen Teil hören,
bevor man ihn in dieser Weise öffentlich herabsetzt.
_Vorsitzender_: Es ist nicht Sache der Staatsanwaltschaft, den
Vorsitzenden wegen der Verhandlungsführung zu rügen.
_Justizrat Kohl_: Das Urteil, das der Angeklagte Kriebel über das
Verhalten der Herren Kahr, Lossow und Seißer gefällt hat, ist das
Urteil aller anständigen Menschen in Deutschland. Und ich nehme an,
daß der Herr Staatsanwalt auch zu den anständigen Menschen zählt.
_Vorsitzender_: Das geht zu weit, einen solchen persönlichen Angriff
kann ich nicht dulden.
_Justizrat Kohl_: Der Staatsanwalt erfüllt eine Pflicht, die ihm
sehr lästig sein muß. Er wurde in den Grundsätzen des deutschen
Waffenstudenten erzogen und kann ein solches Verfahren überhaupt
nicht billigen.
Diese versteckte Drohung mit einer Forderung zum Duell war für den
Staatsanwalt so deutlich, daß er von nun ab keinen Versuch mehr
unternahm, in die Verhandlung einzugreifen. Die Verteidiger beherrschten
sie völlig.
Kriebel, der Eingeweihte spricht:
„Ich habe aus Gründen, die ich später, bei Ausschluß der
Öffentlichkeit noch erörtern werde, vorgeschlagen, daß wir uns nach
dem Mißlingen der Aktion in die Gegend von Rosenheim zurückziehen.“
Diese Gründe sind nachträglich bekanntgeworden. Rosenheim war in jenen
Tagen das Hauptaufmarschgebiet der „Orka“, des radikalsten, unter
Führung eines gewissen Kanzler stehenden bayrischen Kampfbundes, und
hier befand sich das Hauptwaffenlager der Nationalsozialisten noch aus
der Zeit her, wo die Zentrale der Einwohnerwehren in Rosenheim
untergebracht war.
_General Ludendorff_ hat das Wort. Im blauen Sakkoanzug, die Hände auf
dem Rücken verschränkt, straff aufgerichtet, doziert der General einem
andächtig aufhorchenden Publikum über Staatsverfassung und
Ultramontanismus.
Ludendorff ist im Auto von seiner Villa gekommen – er war, ebenso auch
Pernet, Pöhner, Frick und Wagner, während der Verhandlung auf freiem
Fuß, während die anderen Angeklagten für die Dauer des Prozesses in der
Infanterieschule untergebracht worden waren – und nun mußte die
Verhandlung verschoben werden, da Ludendorffs Auto eine Panne hatte. Die
Posten an den Eingängen und im Korridor stehen stramm, die Tür wird
aufgerissen. Hitler schlägt die Hacken zusammen, daß es durch den ganzen
Saal knallt, die Reichswehroffiziere auf den Zeugenbänken und die Damen
und Herren im Zuhörerraum erheben sich von den Plätzen – General
Ludendorff hat den Saal betreten, die Verhandlung kann beginnen.
Ludendorff spricht abgehackt, kurz, stößt die Worte wie militärisches
Kommando in den Saal. Eine schnarrende, preußische Offiziersstimme.
Seine Aussage läßt den Kern des politischen Problems zum ersten Male
scharf hervortreten. Der Hintergrund wird sichtbar.
Die bayrischen Klerikalen, das ist der Feind. Er muß geschlagen werden.
Nun handelt es sich nicht mehr um den Putsch vom 8. November, jetzt
handelt es sich um die Schicksalsfrage Deutschlands, um den Jahrhunderte
alten Kampf zwischen Nord und Süd, zwischen Hohenzollern und
Wittelsbachern. Den Separationsbestrebungen der Wittelsbacher und ihrer
Zusammenarbeit mit dem Vatikan gilt Ludendorffs Hauptangriff.
„Ich habe die Gefahr der Juden im Weltkrieg genügend kennengelernt.
Ich habe mich damit ernstlich und aufmerksam beschäftigt. Die
jüdische Frage ist für mich eine Rassenfrage.“
Dann ein Schlag gegen die Katholiken:
„Als Realpolitiker komme ich zu Erwägungen, indem ich die
unabänderlichen Tatsachen nehme, wie sie sind. In dem Kampf
Deutschlands war der Vatikan nicht neutral, sondern
deutschfeindlich. Der Papst hat sich gegen die Sabotage im Kampf um
Ruhr und Rhein gewandt. Außerdem war besonders auffallend die
steigende Inschutznahme der Juden durch den hohen Klerus.“
Es folgt ein Überblick über die wirtschaftliche Lage:
„Herr Minoux entwickelte uns seine politischen und wirtschaftlichen
Ansichten. Sie erschienen mir sehr _reichlich wirtschaftlich_, was
auch verständlich ist. Ich sprach ungefähr: „Lieber Minoux, das
wirtschaftliche Programm gefällt mir nicht.“
Endlich kommt Ludendorff auf die militärischen Vorbereitungen des
Unternehmens zu sprechen:
„Der Herr Staatsanwalt hat gefragt, warum wir vom Marienplatz zur
Residenz marschiert sind. Warum diese Richtung genommen wurde, kann
ich nicht sagen. Ich habe Tannenberg geschlagen und die Gründe für
mein taktisches Vorgehen mir erst später zurechtgelegt. Das ist
Feldherrninstinkt.“
Im Zuhörerraum starke Bewegung. Man ruft Bravo und einige klatschen.
Niemand findet Anstoß daran, daß es just nicht strategisches Talent
verrät, wenn das „taktische Vorgehen“ einen Feldherrn in solch ein böses
Debakel führt wie am 9. November 1923 und – am 9. November 1918.
Ludendorffs Rede gipfelte in einer Anklage gegen Rom. Doch dieser
Fehdehandschuh wurde von der Kirche nicht aufgenommen. Kardinal
Faulhaber und Kronprinz Ruprecht ließen sich nicht einmal zu einer
Erwiderung herbei – Kahr und Lossow wurden vorgeschoben. Aber zwei Tage
später schwenkte die gesamte klerikale Presse Bayerns, schwenkte selbst
der „Miesbacher Anzeiger“, der noch wenige Tage vorher begeisterte Töne
für das Wirken der Kampfverbände gefunden hatte, scharf zu Kahr ab. Die
Klerikalen trumpften auf. So schrieb das „Bayrische Vaterland“:
„Kahr hätte am 12. November zusammen mit Lossow, Seeckt usw., allen
vaterländischen Verbänden also, mit einer großen nationalen
Einheitsfront losschlagen wollen. Das sahen Hitler, Weber, Pöhner,
Kriebel und alle. Das zu beweisen, daß Kahr das vorbereitet habe,
darauf steht ja ihr ganzes Bemühen. Warum hat dann Hitler nicht bis
zum 12. gewartet? Hier liegt _Hitlers große Sünde wider den
deutschen nationalen Geist_. Hier ist der Verrat an der gemeinsamen
Sache. Kahr und alle Vaterländischen im ganzen Reich, Süd und Nord,
gemeinsam wollten sie in Berlin eine nationale Regierung einrichten.
Das Gelingen war nach menschlichem Ermessen, wie die Hitlerschen
selbst sagen, unbedingt sicher – schon ihren Putsch hielten sie ja
für sicher. Die Vorbereitungen – was die Hitlerschen ja beweisen
wollen – sorgfältig getroffen. Die Aktion Kahrs zur inneren
Befreiung Deutschlands scheiterte. Warum? Weil Hitler mit Ludendorff
zu früh und auf eigene Faust losschlug.“
Ludendorffs Rede hatte der Bayrischen Volkspartei bewiesen, daß ihre
Hoffnung, mit Hitler und Ludendorff zu einem Kompromiß zu gelangen,
getrogen hatte. Das Scheingefecht wurde abgebrochen. In den folgenden
Tagen gingen die Angeklagten sehr aggressiv vor, die Verteidigung hatte
die Führung des Prozesses vollkommen an sich gerissen. Etwa so:
_Justizrat Kohl_: Wir müssen dagegen protestieren, daß der Herr
Staatsanwalt gestern bei einer Aussage ironisch gelächelt hat.
_Staatsanwalt_: Ich stelle fest, daß es mir ganz fern gelegen hat,
zu lächeln, und ironisch schon gar nicht.
_Hauptmann Röhm_, Typus des preußischen Leutnants, nasale schnoddrige
Stimme, trägt den Zivilanzug wie eine Uniform:
„Im Oktober 1918 war ich noch überzeugt, daß wir den Krieg gewinnen
werden. Ich habe diese Überzeugung als Generalstabsoffizier an der
Front gewonnen. Ich habe das erste Mal die Vorläufer der Revolution
im Lazarett in Brüssel kennengelernt. Ich sah diese Vorläufer in dem
unmilitärischen Verhalten der Krankenwärter.“
Dann schildert er seine Tätigkeit nach der Revolution:
„Zwischen meiner vaterländischen Einstellung und meiner Tätigkeit
als Reichswehroffizier mußten Konflikte entstehen – – –“
Hauptmann Röhm kam daher um seinen Abschied ein, doch General Lossow
erklärte ihm, dazu bestehe keine Veranlassung. Und als der
Reichswehrminister Röhm den Abschied doch telegraphisch bewilligte, hat
General von Lossow das nicht anerkannt und der Abschied wurde wieder
zurückgenommen. Hauptmann Röhm trat einen dreimonatigen bezahlten Urlaub
an. Erst am 30. Dezember – im Gefängnis – hat er die Nachricht bekommen,
daß er seinen Abschied erhalten.
_Oberleutnant d. R. Brückner_, ein junger Mann mit ausdruckslosem
blassen Gesicht, schildert ebenfalls seine „politische Einstellung“:
„Was die Einstellung der Pioniere anlangt, so rissen auch sie den
Pleitegeier sofort von der Mütze und zertraten ihn. Sie mußten aber
auf Befehl von Lossow das Schwarz-Weiß-Rot wieder herunternehmen und
den Pleitegeier wieder hinauftun.“
_Vorsitzender_: Sie sagen immer „Pleitegeier“? Es muß doch einen
anderen Ausdruck geben?
_Brückner_: Ich kenne keinen.
_Vorsitzender_ (lächelt): Nun, die technische Bezeichnung lautet
wohl anders.
_Leutnant Wagner_ ist Nationalsozialist geworden, weil er mit einem
Neffen des Reichspräsidenten Ebert böse Erfahrungen gemacht hatte. Der
soll sein Regiment „verhetzt“ haben. Aber dann stellte es sich heraus,
daß der Reichspräsident gar keinen Neffen hat und dieser also das
Regiment auch nicht verhetzen konnte. Allerdings wird vorläufig dieser
Widerspruch nicht offenbar, da eine entsprechende Erklärung des
Reichspräsidenten durch den Vorsitzenden erst zehn Tage später zur
Verlesung gelangt. Der Angeklagte erklärt, sie nicht anerkennen zu
können.
_Oberleutnant Pernet_ weiß von gar nichts.
_Vorsitzender_: Haben Sie gewußt, daß am 8. etwas vorgehen soll?
_Pernet_: Ich habe von der Versammlung im Bürgerbräukeller in der
Zeitung gelesen.
_Vorsitzender_: Sie hatten keine Kenntnis von dem, was geplant war?
_Pernet_: Nein, _ich war überrascht_.
_Vorsitzender_: Was hat Ihr Stiefvater gesprochen während der Fahrt
zur Versammlung?
_Pernet_: Er hat nur gesagt, er habe etwas anderes gedacht. Im Auto
hat er mich gefragt, ob ich davon etwas gewußt hätte. _Ich sagte
nein._
_Vorsitzender_: Was haben Sie sich bei diesen Vorgängen gedacht?
_Pernet_: Ich habe mir gedacht, es ist legal.
_Vorsitzender_: _Ich nehme an_, daß Sie zuerst _gar nichts gewußt
haben_, und daß ihnen erst später zum Bewußtsein gekommen ist, daß
es doch nicht ganz so einfach ist. Stimmt das so?
_Pernet_: _Jawohl._
_Oberamtmann Frick_ weiß genau so viel wie sein Kamerad Pernet. Er hat
„gar keine Kenntnisse gehabt“. Auch er war „überrascht“:
_Vorsitzender_: Es ist auffallend, daß Sie zu Ihrer Frau sagten, Sie
gehen in den Bürgerbräukeller, aber nicht hingegangen sind, sondern
in Ihrem Amtszimmer Zeitung gelesen haben. Es deutet fast auf
Vereinbarung, daß Sie nicht in der Wohnung, sondern um neun Uhr im
Büro angerufen worden sind.
_Frick_: Ich bin nach dem Abendessen öfter in mein nebenan liegendes
Büro gegangen, um zu arbeiten.
_Vorsitzender_: Es wird Ihnen zur Last gelegt, daß Sie es
unterlassen haben, die Landespolizei oder die gesamte
Schutzmannschaft zu alarmieren.
_Frick_: Ich war, als ich festgenommen wurde, durchaus im unklaren
darüber, welche Tatsachen der Beschuldigung des Hochverrats bei mir
zugrunde liegen.