Man schrieb das Jahr 65, und ich befand mich als Adjunkt im Dienste des
Grafen W.... auf einem seiner Güter in Mähren. Der Revierförster, dem
ich zugeteilt wurde, war ein ausgezeichneter Forstmann, aber schon
ziemlich bejahrt und überdies mit einem bösen Gichtleiden behaftet,
daher fast der ganze eigentliche Dienst auf meinen Schultern lastete.
Doch jung und kräftig, meinem Berufe leidenschaftlich ergeben, ließ ich
es mich nicht verdrießen, zu leisten, was eben zu leisten war -- und
manchmal auch noch mehr. Ich kam also, außer bei dienstlichen Gängen
nach der im Schlosse befindlichen Forstkanzlei, nur sehr selten aus dem
Wald heraus, was ich übrigens gar nicht bedauerte. Denn ich war kein
Wirtshausgeher, kein Freund des Kegelschiebens und sonstiger
Unterhaltungen, auf welche in der Regel der Sinn junger Leute gerichtet
ist. Eines aber entbehrte ich schwer: den Umgang mit angenehmen
Frauenzimmern, zu denen ich, offen gestanden, Zeit meines Lebens große
Neigung empfunden. Und gerade in dieser Hinsicht sah es im Forsthause
sehr traurig aus. Die alten Leute hatten zwar zwei Töchter -- ein Sohn
war ihnen versagt geblieben --, aber die eine war schon verheiratet, als
ich kam, und die andere folgte bald diesem Beispiele, indem sie die Frau
eines fürstlichen Schloßgärtners in der Nachbarschaft wurde; ich blieb
also in unserem Heim auf den Anblick der wohlbeleibten, schwerfälligen
Försterin und einer alternden Magd beschränkt. Im übrigen freilich hatte
ich nur allzuoft mit jungen Weibsleuten zu tun, die nicht ganz
ungefährlicher Art waren. Die zahlreichen und ausgebreiteten
herrschaftlichen Industrien hatten nämlich eine Arbeiterbevölkerung,
gewissermaßen ein ländliches Proletariat geschaffen, das die Gegend in
weitem Umkreise bewohnte und von der Hand in den Mund lebte; bäuerliche
Ansassen gab es nur wenige. Die Weiber und Töchter dieser Leute
verdingten sich denn auch als Tagelöhnerinnen bei der Feld- und
Forstwirtschaft, und so kam es, daß ich oft eine Schar von Mädchen beim
Aussetzen der Kulturen zu verwenden und zu beaufsichtigen hatte;
außerdem erschienen sie an bestimmten Tagen im Walde, um Klaubholz zu
sammeln. Sie hatten durchaus nichts Plumpes und Ungeschlachtes an sich,
vielmehr waren die meisten schlanke, zierliche Gestalten mit
wohlgeformten Händen und Füßen, und was man auch gegen die Gesichter
einwenden konnte, schöne Augen hatten sie fast alle und wußten davon
auch ausgiebigen Gebrauch zu machen. Dabei waren sie träg und
nachlässig, naschhaft und diebisch -- und auch sonst zu jedem Unfug
aufgelegt. Weh' dem, der sich mit einer von ihnen leichtfertig
eingelassen hätte; er wäre unrettbar in die Verlotterung mit
hineingezogen worden. Wie oft scherzte ich mit dem Wirtschaftsadjunkten,
der ein junger Mann von gutem Hause und mancherlei Kenntnissen war, über
unser gemeinsames Schicksal, das uns, während wir doch über mehr
willfährige Sklavinnen hätten verfügen können als der Großtürke, zu
einem trostlosen Zölibat verurteilte und uns obendrein noch zwang, dem
verführerischen Völklein gegenüber grimmige und bärbeißige Mienen
aufzusetzen, die freilich auch nicht besonders wirksam waren; sie hatten
im besten Falle vorwurfsvoll schmachtende -- in der Regel aber nur
übermütig herausfordernde Blicke und spöttisches Gelächter hinter
unserem Rücken zur Folge. Dennoch hielten wir uns wacker, und was mich
selbst betraf, so kann ich heute noch sagen, daß ich mich von all den
hübschen Teufelinnen vollkommen frei bewahrt habe. Einmal aber war doch
die Versuchung auf ganz merkwürdige Art an mich herangetreten.
Der Ort, in dessen nächster Nähe sich das Schloß befand, war ein
ausgedehnter, von einem Flusse durchströmter Marktflecken, dessen
Einwohnerschaft aus ziemlich wohlhabenden Bürgern und Grundbesitzern
bestand; auch das Gericht des Bezirkes hatte dort seinen Sitz. Außerhalb
des Ortes, in gleicher Linie mit der nach den gräflichen Hütten- und
Eisenwerken führenden Chaussee, lief eine langgestreckte Gasse hin, die
aus gleichmäßig erbauten und mit kleinen Gärten versehenen Häusern
bestand. Es war eine Arbeiterkolonie, die schon ein Vorfahr des Grafen
nach englischem Muster ins Leben gerufen, und in welcher Sauberkeit und
verhältnismäßiger Wohlstand herrschten, da die Inwohner, zumeist
Maschinenschlosser und Modelltischler, gut bezahlte, intelligente Leute
waren, deren Mehrzahl bereits anfing, sich mit allerlei sozialistischen
Problemen zu beschäftigen. Im Rücken des Ortes selbst hingegen, an den
zerklüfteten Ufern eines weitläufigen Baches, hatte eine andere
Ansiedelung Platz gegriffen, die sich wüst und unfreundlich genug
ausnahm. Denn dort hausten niedrige Löhner und Handlanger, die, mit
ihren zahlreichen Familien in schlecht gemauerten Hütten bunt
zusammengepfercht, ein von Not und Kümmernis bedrängtes Dasein
fristeten. Unter ihnen befand sich auch ein heruntergekommener Mensch,
namens Kratochwil. Er hatte einst bessere Tage gesehen und war vor
einiger Zeit noch Eigentümer der Kaluppe gewesen, in welcher er jetzt
mit seinem Weibe und fünf Kindern eine jämmerliche Räumlichkeit
innehatte, ab und zu bei den Hochöfen und Ziegeleien beschäftigt. Da er
aber infolge des Branntweintrinkens, dem er ergeben war, auch körperlich
immer mehr verfiel, so konnte er kaum mehr zu irgend einer Arbeit
verwendet werden und wurde schließlich, rückständiger Miete halber,
eines Tages mit den Seinen erbarmungslos vor die Tür gesetzt. Noch
gelang es den Leuten, die sich in ihrem Elend zu den unsaubersten
Hantierungen herbeiließen, bei dem Abdecker des Ortes in einem
notdürftig schützenden Verschlag unterzukriechen; sie hatten sich jedoch
kaum dort eingenistet, als auch schon der Flecktyphus unter ihnen
ausbrach und das Weib samt zwei Kindern in das Notspital der Gemeinde
geschafft werden mußte. Die Kinder starben, die Mutter genas und kehrte
zu den Ihren zurück, die nunmehr, da sie ihren Schlupfwinkel sofort
hatten verlassen müssen, unter freiem Himmel kampierten. Da es Sommer
war, so ging diese Lebensweise mit Zuhilfenahme von Betteln und allerlei
Felddiebstählen eine Weile hin, als aber endlich die rauhe Jahreszeit
hereinbrach, schienen die Obdachlosen dem völligen Untergange
preisgegeben. Es wäre zwar Pflicht der Gemeinde gewesen, für die Leute,
welche als Eingeborene nicht »abgeschoben« werden konnten, in irgend
einer Weise Sorge zu tragen, und wirklich kam auch die Sache im Rate zur
Verhandlung. Da sich jedoch nicht absehen ließ, wie diesem von Gott
verlassenen Menschenknäuel Hilfe zu bringen wäre, und es doch nicht
anging, eine aus fünf Köpfen bestehende Familie schlankweg aus dem
Gemeindesäckel zu ernähren, so kam man zu keinem Beschlusse und ließ
einstweilen die Dinge ihren Lauf nehmen. Da fügte es der Zufall, daß die
Landplage der wandernden Zigeuner auch wieder einmal über den Ort kam.
Man mußte diesen Nomaden eine mehrtägige Lagerung außerhalb des
Weichbildes gestatten und stellte ihnen eine versandete Hutweide am
linken Ufer des Flusses zur Verfügung, wo auch alsbald eine Reihe
löcheriger Zelte aufgeschlagen war. Nach ihrem Abzuge zeigte sich eine
geräumige Erdvertiefung, welche die Bewohner eines weitläufigen Zeltes
zu besserem Wetterschutz mochten gegraben haben; auch eine Anzahl
brüchiger Zeltstangen war zurückgeblieben. Auf diese Überreste einer
annähernd menschlichen Behausung stürzten sich die Kratochwil, die das
braune Volk die ganze Zeit über mit scheeläugiger Neugierde umlauert
hatten, wie Habichte und nahmen sofort davon Besitz. Die Schütte faulen
Strohes, die sie samt einigen schlechten Lumpen in der Grube vorfanden,
diente ihnen fürs erste zu willkommener Lagerstätte, und nachdem ihr
stumpfer Sinn einmal angeregt war, ergab sich das Weitere von selbst.
Mit Benutzung der Zeltstangen, mit zusammengerafftem alten Lattenwerk
und frischem Tannenreisig wußten sie eine schützende Bedachung
herzustellen, unter der sie sich, so gut es anging, häuslich
einrichteten. Sie gruben die eine Hälfte des Geviertes noch um einiges
tiefer und erlangten dadurch zwei Wohnräume, wo sie Moos und trockenes
Laub aufschütteten. Sie sorgten für eine gesicherte Feuerstelle, sie
legten eine unterirdische Vorratskammer an, in der sie erbeutete
Lebensmittel verwahrten, und da man ihnen gestattet hatte, im Walde Holz
zu sammeln, so war auch bald ein ganz stattlicher Vorrat an
Brennmaterial in der Nähe des Einganges aufgeschichtet; ja, als der
Frühling ins Land zog, versuchten sie sogar auf ihrem Territorium
Kartoffeln und andere leicht wuchernde Gemüse zu pflanzen. Mit
höhnischer Verwunderung blickte man nach dem seltsamen Anwesen, das
sich, von zwei jungen Silberpappeln überragt, eigentlich ganz malerisch
ausnahm. Einige Spaßvögel hießen es bereits »Villa Kratochwil«; der
Wirtschaftsadjunkt aber hatte die Inwohner einmal gesprächsweise die
Troglodyten genannt, und diese, wenn auch nicht ganz zutreffende
Bezeichnung war ihnen seither im Munde vieler geblieben. Um ihr
sonstiges Tun und Treiben kümmerte sich niemand. Die Kinder wuchsen
selbstverständlich ohne Schulunterricht in äußerster Verwahrlosung
heran. Der ältere Junge, ein blutleerer, lendenlahmer Gesell, schien
noch die besten Anlagen zu besitzen, denn er wurde des Herumlungerns
müde und verdingte sich als Knecht bei einem Fuhrmann, der allerdings
selbst herabgekommen war und nur noch ein paar abgetriebene Mähren im
Stall hatte. Die beiden Jüngsten aber, ein Mädchen und ein Knabe,
zeigten seit ihrer frühesten Kindheit die schlimmsten Eigenschaften.
Nicht allein, daß sie aufs Zudringlichste bettelten, sie stahlen auch
wie die Elstern; besonders war das Mädchen in dieser Hinsicht berüchtigt
und gefürchtet. Das kleine Ding wußte sich des Abends in die Häuser
einzuschleichen, wo sie in irgend einem Versteck die Nacht zubrachte, um
am frühen Morgen mit leicht erhaschter Beute zu entweichen. So wurde sie
einmal sogar unter dem ehelichen Lager eines Gutsbeamten entdeckt,
dingfest gemacht und dem Gerichte überantwortet. Da sie aber noch nicht
in dem Alter gesetzlicher Verantwortlichkeit stand, mußte sie wieder
frei und der häuslichen Züchtigung anheimgegeben werden. Was es mit der
letzteren auf sich hatte, konnte man sich mit Hinblick auf die Eltern
vorstellen, welche wohl in ihrer Sucht nach Branntwein wenigstens
indirekt die Mitschuld der Anstiftung mochten getragen haben. Endlich
aber war die Dirne doch schon mehr als halbwüchsig, als sie im Verein
mit ihrem jüngeren Bruder bei Nacht in eine verrammelte Bodenkammer
drang und dort allerlei entwendete. Sie wurde also wegen
Einbruchsdiebstahls auf ein Jahr ins Zuchthaus gesteckt, während der
Bursche mit einer leichten Gefängnisstrafe im Orte selbst davonkam.
In dieser Verfassung befand sich die Familie Kratochwil, deren bisherige
Schicksale mir bloß vom Hörensagen bekannt waren, während meines ersten
Dienstjahres, und auch ich konnte nicht umhin, ihrer freien Siedelung
Aufmerksamkeit zu schenken, wenn ich daran vorüberkam, und das war bei
meinen Dienstgängen, einer erwünschten Wegkürzung halber, meistens der
Fall. Auch drängte sich bei der kleinen Nebenbrücke, die dort über den
Fluß führte, stets der Bursche auf, der jeden anbettelte, von dem er
möglicherweise noch eine Gabe zu erlangen hoffte. Er wies dabei den
widerlich aussehenden Stumpf seiner rechten Hand vor, die er sich, als
man ihn einmal zur Feldarbeit zwingen wollte, aus Ungeschick oder, wie
behauptet wurde, vorsätzlich mit einer Sichel verstümmelt hatte. Im
übrigen jedoch war er ein kräftiger, von Gesundheit strotzender Junge,
dessen tadellosen Körperbau man bewundern mußte, wenn er, halb nackt,
fischend oder krebsend im Wasser stand. Auch sein Gesicht war bei aller
Rohheit nicht unschön, und seine lebhaften, olivengrünen Augen stachen
eigentümlich von einer dichten Fülle kupferfarbener Haare ab, die
senkrecht über seiner Stirn emporstanden. Zudem hatte er bei aller
Frechheit etwas Gutmütiges und Drolliges, so daß man oft nicht umhin
konnte, ihm wider bessere Einsicht kleine Münze oder einen
Zigarrenstummel zuzuwerfen, an welchem er auch sofort unter tollen
Freudensprüngen mit den wunderlichsten Grimassen zu saugen begann.
Eines Tages -- es war im Mai, der sich nach einem rauhen, fast
winterlichen April herrlich anließ -- hatte ich wieder in der
Forstkanzlei zu tun. Als ich mich der Brücke näherte, gewahrte ich
unten, hart an der Uferböschung, eine weibliche Gestalt liegen, die sich
im warmen Flußsande träg und behaglich sonnte. Sie war nur mit einem
dünnen, farblosen Fähnchen bekleidet, das ihr, vielfach zerschlissen,
kaum über die Kniee zu reichen schien. Das verwaschene bunte Kopftuch
war in den Nacken hinabgesunken und ließ krauses dunkles Haar sehen; der
Blick starrte gedankenlos gen Himmel. Da jetzt meine Schritte auf den
Balken erdröhnten, wandte sie mir mechanisch das Haupt zu, unter welches
sie beide Arme geschoben hatte, und sah mich mit großen, dunkelgrünen
Augen an. Diese Augen und auch sonst eine gewisse Ähnlichkeit mit dem
jungen Strolche brachten mich sofort zur Überzeugung, daß es die
Kratochwilsche Tochter sei, die wohl in letzter Zeit aus der
Strafanstalt zu den Ihren zurückgekehrt war.
Meine Geschäfte nahmen diesmal längere Zeit in Anspruch, so daß etwa
zwei Stunden vergangen waren, als ich mich wieder auf den Heimweg
machte. Das Mädchen lag noch immer regungslos auf derselben Stelle.
Meiner ansichtig geworden, dehnte und reckte sie langsam die Glieder,
hob sich gähnend mit halbem Leibe empor und folgte mir eindringlich mit
den Augen.
Im Forsthause erzählte ich bei Tisch von meiner Begegnung. Der Förster,
im Grunde des Herzens ein gutmütiger Mann, aber barsch und oft grausam
in Worten, wenn ihm etwas wider den Strich ging, zeigte sich sehr
aufgebracht. Er behauptete, das nichtsnutzige Ding würde im Zuchthause
gewiß nur noch schlechter geworden sein, und dabei kam er auf die ganze
Familie zu sprechen, die ihm seit jeher ein Dorn im Auge gewesen.
>Dieses Gezücht<, rief er aus, >verschändet den ganzen Ort. Es ist ein
wahrer Skandal, daß sich die Gemeinde nicht endlich ins Mittel legt!<
Und da saß er wieder einmal auf seinem Steckenpferde. Unter der
Feudalherrschaft emporgekommen, war er ein Feind der autonomen Gemeinde,
mit der es des öfteren Grenzstreitigkeiten gab, die auch den Wald
berührten. Am meisten aber haßte er den Bürgermeister, weil dieser, ein
wohlhabender Grundbesitzer, auch als das Haupt der slawischen Partei
galt, die in ihrer natürlichen Mehrzahl nach und nach eine gewisse
Machtstellung erlangt hatte. Der Förster jedoch, obgleich selbst von
slawischer Abstammung, hielt sich infolge seiner ganzen Erziehung und
seines langjährigen dienstlichen Verhältnisses leidenschaftlich zu den
Deutschen des Ortes.
Mich selbst kümmerte dieser Zwiespalt damals noch wenig, und ich warf
ein, daß die Gemeinde den Kratochwils gegenüber sich in einer sehr
schwierigen Lage befände.
>Ach was!< unterbrach er mich heftig. >Reden Sie diesem Volk nicht auch
noch das Wort! Indolenz ist es, sträfliche Indolenz! Und obendrein ein
Verbrechen, die Leute so dicht beisammen in ihrer verpesteten Erdhöhle
zu belassen. Es müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn man die
Lumpeneltern nicht zu Paaren treiben und die Kinder irgendwo zu
redlichem Erwerb unterbringen könnte.<
>Um die Kinder ist es zu schade<, bemerkte die Försterin. >Die beiden
jüngsten sind mir immer als ganz hübsch aufgefallen; besonders das
Mädchen.<
>Die kann's noch weit bringen! Aber freilich, was kümmert das die Väter
der Gemeinde? Hat doch der Herr Bürgermeister seinen einzigen Sohn
aufwachsen lassen wie das liebe Vieh.<
>Der Junge soll ja seit jeher schwachsinnig gewesen sein<, sagte die
Frau, immer zum Begütigen bereit.
>Mag sein; aber keineswegs derart, daß ihm ein ordentlicher Unterricht
nicht hätte beikommen können. Der Vater war in der Lage gewesen, einen
Lehrer zu halten, oder auch zwei, wenn es schon mit dem Knaben in der
Schule nicht vorwärts ging. Er dachte wohl, es sei nicht notwendig. Denn
trotz seines Geldes und seiner städtischen Kleidung ist und bleibt er
ein Bauer, dessen ganze Weisheit darin besteht, das Kalb vor den Pflug
zu spannen. Nun, das ist seine Sache. Was jedoch die Kratochwilschen
betrifft, so bin ich überzeugt, daß dieses Gesindel über kurz oder lang
irgend ein Unheil anrichtet.<
Beim Abendessen kam der Alte wieder auf dieses Thema und gab
infolgedessen zum Schlusse allerlei Schauergeschichten aus seinem Leben
zum besten. Er erzählte von einem verzweifelten Kampfe, den er als
junger Mann mit Wildschützen bestanden, von gelegten Waldbränden, von
verfolgten Verbrechern, die sich in das Revier geflüchtet, und
dergleichen mehr. Als wir zu Bette gegangen waren, konnte ich lange
nicht einschlafen; dann aber träumte mir allerlei verworrenes und
schreckhaftes Zeug, wobei die Troglodytenfamilie am Flusse in allen
Gestalten die Hauptrollen spielte.