»Nun,« drängte er, »verstehst du? Begreifst du?«
»Was soll ich denn verstehen?« fragte ich, ihn zweifelhaft anblickend.
»Nun, so will ich denn deiner Fassungskraft zu Hilfe kommen. _Tellheim_
-- damit bin ich gemeint. _Wir werden beobachtet_ -- geht dir noch immer
kein Licht auf? _Äußerste Vorsicht geboten_ -- werde ich mir nicht
zweimal sagen lassen. _Hoffe und vertraue! Unveränderlich F._ -- Fanny.
Du weißt doch, daß die Prinzessin Fanny heißt?«
»Also du glaubst ...?« rief ich, außer mir vor Erstaunen über diese neue
Phase seines Wahnes. »Aus welcher Zeitung ist das?«
»Aus dem Fremdenblatt.« Dieses Journal wurde damals in den weitesten
Kreisen gelesen und war so ziemlich das erste, das sich mit derlei
Einrückungen befaßte.
»Du setzest wirklich voraus, daß die Prinzessin sich an das
Ankündigungsbureau des Fremdenblattes --«
»Warum nicht?« unterbrach er mich rauh. »Es gibt doch vertraute Zofen,
die man mit derlei beauftragen kann.«
»Je nun -- in Romanen. Aber selbst angenommen, daß man sich einer
solchen Vermittlerin bedient, so wäre es doch weit einfacher -- und auch
weit besser gewesen, wenn man dir geschrieben hätte.«
Er stutzte. »Vielleicht«, erwiderte er verwirrt. »Und sie würde mir auch
gewiß geschrieben haben,« setzte er, froh eine Ausflucht vor sich selbst
zu finden, rasch hinzu, »wenn sie meinen Namen wüßte.«
»An deiner Stelle würde ich es sehr sonderbar finden, daß dies noch
nicht der Fall ist. Es wäre doch sehr leicht gewesen, deinen Namen zu
erfahren.«
»Allerdings«, bekräftigte er, ärgerlich darüber, daß ich ihn in diese
Klemme gebracht. Aber schon zeigte er sich von einer plötzlichen
Eingebung erleuchtet. »Und man wird ihn auch wissen. Aber Geschriebenes
bleibt nun einmal Geschriebenes und kann sich unter Umständen zu einem
gefährlichen, weil verräterischen Dokumente gestalten, während ein
solches Inserat immer und ewig nur dem Eingeweihten verständlich bleibt.
Ich sehe übrigens,« fuhr er mit zusammengezogenen Brauen kühl und
gemessen fort, »daß du dich, um mir nicht zustimmen zu müssen, gewaltsam
gegen diese sprechende Tatsache verstockst. Ich finde dies, nachdem dich
der Major ins Vertrauen gezogen, auch sehr begreiflich. Du kannst
übrigens in dieser Hinsicht vollkommen beruhigt sein. Denn insoweit
kennst du mich wohl, daß ich der Mann bin, der nunmehr, nach allem, was
da vorgefallen, die äußerste Zurückhaltung beobachten wird. Daher auch
diese ganze Angelegenheit zwischen uns beiden von heute an nicht mehr
zur Sprache kommen soll.« Er verbeugte sich sehr förmlich und ging aus
dem Zimmer.
Mochte er gehen! Wenn er nunmehr vollkommene Zurückhaltung bewahrte, so
war dies gut für ihn, erwünscht für diejenigen, die seinen Kundgebungen
ausgesetzt gewesen. Der Zweck meiner Mission war erfüllt. Im übrigen
konnte die Sache auf sich beruhen.