XV.

Während ihres kurzen Gespräches hatten sie den Garten betreten.

Ueber die ganze Kuppe des Hügels hin erstreckte er sich. Seine Bäume

waren herrlich. Sie bildeten dichte und schützende Dächer über den

Tischen und Stühlen, die überall auf die ansteigenden Terrassen

gestellt waren.

Eine große Halle lag auf der höchsten Höhe des Hügels. Sie war roh

aus Holz aufgezimmert und dazu bestimmt, großen Massen bei

schlechtem Wetter Aufenthalt zu gewähren. Denn an allen Sonn- und

Feiertagen belebten Hunderte und Aberhunderte von Menschen die

Stille dieser fast einsamen Höhe; an Wochentagen verlief sich selten

ein Gast hierher. Die reiche Natur konnte ungestört die Schäden

wieder heilen, welche trampelnde Füße, die keiner Wege achteten, und

rohe Hände, die frevlerisch in dieser grünen Pracht wühlten, ihr

schlugen.

Keine Großstadt besaß einen größeren, in seiner rauhen und nie

gepflegten Wildheit schöneren Garten.

Grach breitete die Arme aus vor Freude.

"Das ist herrlich!" rief er.

Sie lächelte.

"Ja, es ist herrlich!" sagte sie auch. "Es vergeht fast kein Tag, an

dem ich nicht die letzten Stunden des Nachmittags hier verbringe.

Hier stört mich kein Mensch. Ich kann sitzen, wo ich will, ich kann

gehen, ich kann lesen, ich kann tun, was ich will. Mir ist, als sei

sie mein, diese ganze Höhe."

An dem Wirtshause vorbei, wo der Besitzer des Gartens mit seiner

Familie wohnte, führte sie ihn langsam empor.

"Ueberall können wir uns setzen, Grach," sagte sie. "Wollen Sie die

Stadt sehen? Oder wollen wir hier bleiben auf dieser Terrasse, wo es

am kühlsten ist?"--

"Hier," bat er, "lassen Sie uns hier bleiben. Hier ist es einsam,

kühl und schön."

So setzten sie sich, einander gegenüber, an einen der Tische. Ein

Mädchen kam mit einer Flasche und einem Glase. Als sie den gewohnten

einsamen Gast in Gesellschaft eines zweiten sah, malte sich

sprachloses Erstaunen auf dem frischen, jungen Gesicht.

"Kein Bier heute, Käthchen," sagte Dora Syk, "ich habe Besuch heute.

Eine Flasche Rheinwein und zwei Gläser."

Das Mädchen entfernte sich nur zögernd.

"Sie ist völlig außer Fassung, die Kleine. In den drei Sommern ist

ihr das nicht vorgekommen. Und, daß ich es Ihnen nur gestehe, auch

ich bin etwas verwundert.--Also die Sehnsucht hat Sie einmal wieder

hierhergetrieben? Sie wollten einmal wieder wandeln auf den Fluren

Ihrer Kindheit?"

"Ach was," rief er fast barsch, "ich habe eine Dummheit gemacht,

eine große Dummheit."

Er erzählte ihr in hundert Worten, was er soeben erlebt.

Die Menschen der Ehe · 第 22 / 28 题