Während ihres kurzen Gespräches hatten sie den Garten betreten.
Ueber die ganze Kuppe des Hügels hin erstreckte er sich. Seine Bäume
waren herrlich. Sie bildeten dichte und schützende Dächer über den
Tischen und Stühlen, die überall auf die ansteigenden Terrassen
gestellt waren.
Eine große Halle lag auf der höchsten Höhe des Hügels. Sie war roh
aus Holz aufgezimmert und dazu bestimmt, großen Massen bei
schlechtem Wetter Aufenthalt zu gewähren. Denn an allen Sonn- und
Feiertagen belebten Hunderte und Aberhunderte von Menschen die
Stille dieser fast einsamen Höhe; an Wochentagen verlief sich selten
ein Gast hierher. Die reiche Natur konnte ungestört die Schäden
wieder heilen, welche trampelnde Füße, die keiner Wege achteten, und
rohe Hände, die frevlerisch in dieser grünen Pracht wühlten, ihr
schlugen.
Keine Großstadt besaß einen größeren, in seiner rauhen und nie
gepflegten Wildheit schöneren Garten.
Grach breitete die Arme aus vor Freude.
"Das ist herrlich!" rief er.
Sie lächelte.
"Ja, es ist herrlich!" sagte sie auch. "Es vergeht fast kein Tag, an
dem ich nicht die letzten Stunden des Nachmittags hier verbringe.
Hier stört mich kein Mensch. Ich kann sitzen, wo ich will, ich kann
gehen, ich kann lesen, ich kann tun, was ich will. Mir ist, als sei
sie mein, diese ganze Höhe."
An dem Wirtshause vorbei, wo der Besitzer des Gartens mit seiner
Familie wohnte, führte sie ihn langsam empor.
"Ueberall können wir uns setzen, Grach," sagte sie. "Wollen Sie die
Stadt sehen? Oder wollen wir hier bleiben auf dieser Terrasse, wo es
am kühlsten ist?"--
"Hier," bat er, "lassen Sie uns hier bleiben. Hier ist es einsam,
kühl und schön."
So setzten sie sich, einander gegenüber, an einen der Tische. Ein
Mädchen kam mit einer Flasche und einem Glase. Als sie den gewohnten
einsamen Gast in Gesellschaft eines zweiten sah, malte sich
sprachloses Erstaunen auf dem frischen, jungen Gesicht.
"Kein Bier heute, Käthchen," sagte Dora Syk, "ich habe Besuch heute.
Eine Flasche Rheinwein und zwei Gläser."
Das Mädchen entfernte sich nur zögernd.
"Sie ist völlig außer Fassung, die Kleine. In den drei Sommern ist
ihr das nicht vorgekommen. Und, daß ich es Ihnen nur gestehe, auch
ich bin etwas verwundert.--Also die Sehnsucht hat Sie einmal wieder
hierhergetrieben? Sie wollten einmal wieder wandeln auf den Fluren
Ihrer Kindheit?"
"Ach was," rief er fast barsch, "ich habe eine Dummheit gemacht,
eine große Dummheit."
Er erzählte ihr in hundert Worten, was er soeben erlebt.