Sollte er sie aufsuchen, die Genossen jener Tage?--Fast wandelte
ihn die Lust dazu an, wie nun Gestalt um Gestalt vor ihm
emportauchte.
Was war aus ihnen geworden?--Wie waren sie geworden? Wo waren sie
gelandet?
Von den meisten war es nicht schwer, es zu ahnen.
Denn die meisten waren schon damals in ihrer Jugend dazu bestimmt,
ein vorgeschriebenes Leben zu leben: das Leben herunterzuleben, wie
Grach es nannte.
Nachdem ein Examen--ein Tor, welches unwiderruflich passiert werden
mußte, wollte man in dieses Leben eintreten--sie gezwungen hatte,
sich den Kopf mit einer unglaublichen Menge modernden Gerümpels zu
füllen, wurden ihnen einige Jahre gegönnt, ihn von diesem Wuste zu
befreien.
Sie hatten zu vergessen, was sie gelernt hatten. Nach diesen Jahren
einer ungebundenen Freiheit auf der Hochschule aber steckte sie der
Vater unerbittlich in das von dem Großvater gemachte, und von ihm
selbst wohlgewärmte Bett, und "niemals wieder sah sie die Welt."
Sie wählten unter den Töchtern des Landes eine--jeder eine--und
begannen, sich zu vermehren in Züchten und Ehren.
Sie traten in die "Harmonie" oder in die Dilettantengesellschaft
"Urania" ein und tanzten im Winter im "Kasino", solange sie noch
jung waren.
Wurden sie älter, so begann das einzige Gefühl von Würde, dessen der
Philister fähig ist: ein Bürger des Staates zu sein, ihre Brust zu
schwellen, und sie glaubten sich an den Geschicken des Landes
zu beteiligen, wenn sie von Zeit zu Zeit einen Zettel in die
Wahlurne warfen und abends beim Biere endlose Debatten über die
gleichgültigsten und belanglosesten Fragen innerer und äußerer
Politik--dieses Tummelgebietes aller Menschen ohne Geist und Kraft
--führten, bis die Stunde schlug, wo die Angst vor der Frau sie nach
Haus und in das gemeinsame Bett trieb . . .
Sie waren _Menschen der Ehe_ geworden.
Nein, er wollte keinen von ihnen wiedersehen. Man würde sich doch
nur gegenseitig eine traurige Enttäuschung bereiten, und in einer so
veränderten Sprache über Menschen und Dinge reden, daß man sich
nicht mehr verstehen würde . . .