seines hohen Eiweißgehaltes und seiner Fettsubstanz für den Organismus sehr
wichtig ist, und so niedrig im Preise steht, daß er von Jedermann gekauft
werden kann. Besonders die Quarkkäse mögen empfohlen sein als Beigabe für
die Speisen, welche wenig Eiweiß enthalten.
Der Käse wird sehr gut verdaut. Einige Menschen giebt es jedoch, welche
behaupten, abends keinen Käse vertragen zu können. Die teuren Käse sind
Luxusartikel und der hohe für sie verlangte Preis steht nicht im Einklange
mit ihrem Nährwerte, sondern der Preis wird bezahlt für den angenehmen
Geschmack und das pikante Aroma.
Wie bereitet man einen _guten_ Kaffee?
Zu den edelsten Himmelsgaben gehört der braune Trank des Südens, der
Kaffee, der überall, wo er bekannt wurde, trotz aller Verbote und
Verdächtigungen, sich schnell zum eigentlichen Hausgetränk einbürgerte. Das
liebliche Aroma dieser Bohnen mit seinen wohlthuenden Wirkungen auf
Verdauungsorgane und Nervensystem erfüllt alle Voraussetzungen eines
Genußmittels für den täglichen Gebrauch, es macht den Kopf klar und die
Augen hell.
Guter Kaffee ist eine Delikatesse, die ihres gleichen sucht. Aber wie vom
Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist, so berühren sich auch die
Gegensätze in der Kunst des Kaffeekochens und leider giebt es da so viele
Hausfrauen, die ihr nach alter Schablone hergestelltes Getränk, für
welches der Volksmund eine ganze Reihe lieblicher Kosenamen erfunden hat,
noch übers Bohnenlied herausstreichen. Ueber den Geschmack läßt sich
natürlich nicht streiten, wenn aber, wie es so manchmal geschieht, die
fehlenden Vorzüge eines recht dünnen Getränkes darin gefunden werden
sollen, daß starker Kaffee für Gesunde nervenschädlich sei, so ist das auf
alle Fälle eine sehr kühne Behauptung, welche lebhaft an die schöne Fabel
vom Fuchs und den sauren Trauben erinnert.
Gerade diejenigen Stoffe, welche dem Kaffee seinen Wert geben, gehen bei
der üblichen Weise seiner Bereitung häufig verloren; wenn die gemahlenen
Bohnen in das siedende Wasser geschüttet werden, dann entwickelt sich
schnell ein starkes, durch drei bis vier Zimmer dringendes Aroma -- aber
wie selten kommt doch eine Hausfrau auf den naheliegenden Gedanken, daß die
Würze, welche in die Luft entweicht, dem fertigen Getränk entzogen werden
muß! Was nützt es dann, den faden Geschmack des Letzteren durch allerhand
Zusatzmittel zu verbessern? Der Kenner findet die Täuschung nur zu leicht
heraus, denn man kann den Kaffee auf solche Weise wohl bitter und schwarz,
niemals aber wohlschmeckend machen.
Etwas besser schon ist das Aufgußverfahren, bei welchem die Bohnen im
Trichter mit heißem Wasser übergossen werden. Der auf diese Art gewonnene
Kaffee ist zwar ziemlich gut, denn wenn das durchfließende Wasser auch
einen Teil der Bestandteile auszieht, so bleibt doch stets noch ein Teil in
den Bohnen zurück. Sucht man diesen Uebelstand durch besonders feines
Mahlen der Bohnen zu beseitigen, so erhält man ein trübes oder graues
Getränk, welches sich schon durch seine äußere Erscheinung nicht recht
empfiehlt.
Die Haupterfordernisse zur Bereitung eines tadellosen Kaffees sind
reinschmeckende Bohnen und richtige zweckentsprechende Beschaffenheit des
Wassers, denn dasselbe muß im Stande sein, die wirksamen Stoffe den Bohnen
zu entziehen und sie vollständig zu binden. Man giebt dem Wasser diese
Eigenschaft durch einen billigen Zusatz, genannt Dr. Oetker's Kochpulver.
Dieses weiße Pulver ist eine Mischung von Substanzen, welche sich
vorzüglich bewährt haben. Erst hierdurch gelingt es, den Kaffee zu dem zu
machen, was er sein soll, zu einem kräftigen, würzigen, von allen
unangenehmen Wirkungen freies Hausgetränk.
Man verfahre folgendermaßen:
Den frisch gemahlenen Kaffee z. B. 3 Lot (nach der alten Methode gemessen)
giebt man auf den Trichter, füllt einen Löffel mit kochend heißem
sprudelndem Wasser, giebt in den Löffel eine Messerspitze voll Dr.
Oetker's Kochpulver und gießt diese Lösung über die gemahlenen Bohnen.
Nach einigen Minuten giebt man das übrige, immer im Kochen erhaltene Wasser
auf den Kaffee und erhält ein Getränk, wie es vorzüglicher nicht
hergestellt werden kann, und wird der Kaffee den Beifall eines jeden
Kenners finden.
Wie kommt das denn, wird manche Hausfrau fragen, daß ein weißes Pulver dem
Kaffee eine viel dunklere Farbe und einen volleren Geschmack verleihen
kann?
Wenn Kaffeebohnen geröstet werden, so entwickelt sich auf den Bohnen und in
den Zellen ein Oel, welches die volle Einwirkung gewöhnlichen Wassers
verhindert. Das Wasser kann nicht in die Zellen eindringen, kann also aus
den Zellen auch nichts aufnehmen. Dr. Oetker's Kochpulver giebt dem
Wasser nun die Eigenschaft, die abstoßenden Eigenschaften des Kaffeeöles zu
überwinden. Der Kaffee wird also dunkler infolge seines höheren Gehaltes an
Extrakt. Der Geschmack dieses Kaffees ist voller, runder wie man zu sagen
pflegt, weil ein solcher Kaffee die Geschmacksnerven in angenehmer Weise
beeinflußt.
Ein guter Kaffee wirkt anreizend und belebend auf das Nervensystem; wer
hungrig ist und Kaffee trinkt, merkt den Hunger nicht so sehr, aber
gestillt wird der Hunger durch Kaffee niemals. Der anregende Bestandteil
ist das Caffeïn.
Kartoffeln.
Das Kochen der Kartoffeln hat den Zweck die in den Kartoffeln enthaltene
Stärke leichter verdaulich zu machen. Wie soll man die Kartoffeln kochen?
Die Kartoffeln werden sorgfältig abgewaschen und geschält.
Die geschälten Kartoffeln legt man sofort wieder in kaltes Wasser, sonst
werden sie mißfarbig.
Man setzt sie mit kaltem, gesalzenen Wasser auf das Feuer und bedeckt den
Topf mit einem Deckel.
Der entstandene Schaum wird abgeschöpft und die Kartoffeln so lange
gekocht, bis sie sich bei dem Stechen weich zeigen. Die Kochzeit ist eine
viertel bis eine halbe Stunde und hängt von der Art der Kartoffeln ab.
Hat man das Kochwasser rein abgegossen, so stellt man den Topf zugedeckt
noch wenige Minuten auf das Feuer, damit das in den Kartoffeln noch
vorhandene Wasser verdampfen kann. Man bringt die Kartoffeln in einer
bedeckten Schüssel auf den Tisch.
Je lockerer, je mehliger die Kartoffel geworden ist, um so schöner sieht
sie aus, und um so leichter ist sie zu verdauen.
Die Kartoffeln werden, wie oben gesagt, mit gesalzenem kalten Wasser
aufgesetzt. Wird das Wasser nun warm, so wird gleichzeitig das Wasser in
den Zellen der Kartoffel warm, und hat dieses Wasser die Siedehitze
erreicht, so verlieren die Stärkekörner ihre Form und gehen in Kleister
über. Gießt man jetzt das Kochwasser ab und läßt die Kartoffeln noch etwas
auf dem Feuer, so wird das Wasser in den Zellen in Dampf verwandelt,
zerreißt die Zellen, entweicht und die Kartoffel ist mehlig und
wohlschmeckend.
Noch besser ist es, die Kartoffeln nur im Dampfe gar zu kochen, aber in den
meisten Haushaltungen haben sich die Dampfkochtöpfe noch nicht eingeführt.
Dem Kochwasser der Kartoffeln setzt man Salz zu. Dies hat den Zweck, den
Kartoffeln einen angenehmen Geschmack zu geben und außerdem den Austritt
der Kartoffelsalze, welche für die Ernährung wichtig sind, zu verhindern.
Will man Pellkartoffeln oder Kartoffeln in der Schale bereiten, so werden
die Kartoffeln gewaschen und so gekocht, wie oben angegeben ist. Hat man
das Kochwasser abgegossen, so legt man zwischen Topf und Deckel ein reines
zusammengelegtes Tuch. Der Dampf kann aus dem Topfe dann nicht so schnell
entweichen, die Kartoffeln werden noch mehliger, und die Schale platzt auf.
Wird die Kartoffel einige Zeit einer Temperatur von 0° ausgesetzt, so geht
ein kleiner Teil der Stärke in Zucker über und die Kartoffel schmeckt süß.
Dieser Geschmack ist nicht angenehm, und um ihn zu entfernen, stellt man
die Kartoffeln einige Tage in einen warmen Raum, z. B. in die Küche. Der
Zucker verschwindet aus der Kartoffel, weil er durch den Sauerstoff der
Luft zu Kohlensäure verbrannt wird. Die Kartoffel schmeckt nicht mehr süß
und kann gebraucht werden.
Je mehliger die Kartoffel beim Kochen wird, um so reicher ist sie an
Stärkemehl, um so wertvoller als Nahrungsmittel.
Besonders möge hervorgehoben werden, daß der Kartoffelbrei die beste Form
ist, um den Nährstoff vollständig oder fast vollständig auszunutzen.
Neben den Kartoffeln sind stets Eiweiß- und Fett enthaltende Nahrungsstoffe
mit zu genießen, weil die Kartoffel gar kein Fett und nur sehr wenig Eiweiß
enthält. Mit diesen Stoffen läßt sich die Kartoffel zu zahlreichen, sehr
wohlschmeckenden Speisen vereinigen und ist deshalb für den täglichen
Gebrauch gar nicht mehr zu entbehren.
Die Mohrrüben und die weißen Rüben dienen ebenfalls nur als Beigabe zu
Fleischkost. Ihr Gehalt an Nährstoffen ist sehr gering.
Kartoffeln und Rüben sind für den Verdauungsvorgang sehr wichtig, weil sie
Verstopfung verhindern; eine Erscheinung, welche häufig eintritt bei
Menschen, welche viel Fleisch essen.
Das Kochen.
Das Kochen eines Nahrungsmittels hat den Zweck, dieses Nahrungsmittel
leichter verdaulich und schmackhafter zu machen.
Will man ein Stück Fleisch kochen, um es als _Hauptspeise_ auf den Tisch zu
bringen, so muß man in folgender Weise verfahren.
Man bringt das Wasser, in welchem das Fleisch gekocht werden soll, zum
Sieden und legt das Fleisch hinein. Durch das kalte Fleisch wird das Wasser
abgekühlt. Man läßt das Wasser stehen, bis es wieder siedet. Jetzt stellt
man den Topf bei Seite und läßt abkühlen, bis das Wasser nur noch lauwarm
ist, rückt den Topf jetzt wieder auf das Feuer und läßt ganz schwach
weiterkochen, bis das Fleisch weich genug ist.
Warum muß man das Fleisch so und nicht anders kochen?
Legt man das Fleisch in das kochende Wasser, so gerinnt das Eiweiß an der
Oberfläche des Fleisches und schließt den Fleischsaft so völlig ein, das
nichts entweichen kann. Würde man das Fleisch jetzt weiterkochen, so würde
mehr und mehr Eiweiß gerinnen und das Fleisch zähe werden. Deshalb läßt man
das Wasser abkühlen, damit das Innere des Fleischstückes die Temperatur des
umgebenden Wassers annimmt.
Jetzt stellt man es wieder auf das Feuer. Langsam wird das Wasser und mit
ihm der Saft im Fleische heißer, und so kocht das Fleisch in seinem eigenen
Safte weich. Das Resultat ist ein gutes Stück Fleisch, saftig und leicht
verdaulich.
Will man jedoch eine gute _Suppe_ kochen, so muß man gerade entgegengesetzt
verfahren.
Der Zweck ist eine Fleischbrühe zu erhalten, welche die löslichen
Bestandteile des Fleisches enthält, und dies wird in folgender Weise
erreicht:
Das Fleisch wird in kleine Stücke zerschnitten, mit kaltem Wasser
aufgesetzt und ganz langsam zum Kochen gebracht. Im Anfange fügt man kein
Salz hinzu, damit die Fleischsalze um so leichter in das Wasser übergehen.
Hat es genügend gekocht, so giebt man nach Geschmack Salz und Gewürz hinzu.
Will man irgend ein Nahrungsmittel auskochen, so muß man nach diesen
Grundsätzen handeln und immer wieder bedenken, daß der wichtigste
Bestandteil des Fleisches und der Gemüse, nämlich das Eiweiß, durch die
Hitze gerinnt.
Beim Kochen des Fleisches werden diesem stets wichtige Bestandteile
entzogen und deshalb ist es unbedingt erforderlich, die Fleischbrühe als
Suppe auf den Tisch zu bringen oder das Gemüse in der Fleischbrühe zu
kochen.
Das Kochen der Hülsenfrüchte.
(Erbsen, Bohnen, Linsen.)
Die Hülsenfrüchte sind wegen ihres großen Gehaltes an Eiweißstoffen sehr
wichtige Nahrungsmittel.
Sie sind jedoch schwer verdaulich, müssen deshalb sehr weich gekocht sein
und dürfen nicht in zu großen Mengen genossen werden.
Der wichtigste Bestandteil ist das Eiweiß, Legumin genannt, und da dieses
mit _hartem_ Wasser nicht weich wird, so muß man das harte Wasser erst
weich machen. Dies geschieht durch Zusatz von Kochpulver; eine Messerspitze
voll bis 1 Theelöffel, je nach der Menge der zu kochenden Früchte. Auf ein
Pfund Erbsen genügen zwei Messerspitzen voll.
Durch Beifügung des Kochpulvers wird auch das Stärkemehl der Hülsenfrüchte
aufgeschlossen und ist dann viel leichter zu verdauen. Durch Beifügung von
Dr. _Oetker's Kochpulver_ wird der Kalk des Wassers ausgeschieden und in
den wichtigsten Bestandteil der Knochen umgewandelt. Das Kochpulver giebt
man stets zuerst in das Wasser, dann erst die Hülsenfrüchte. Früher
benutzte man zum scheinbaren Weichkochen der Hülsenfrüchte einen Zusatz
von Soda oder auch doppelkohlensaurem Natron. Heute weiß man jedoch, daß
das Pflanzeneiweiß sich nur in einem kombinierten Salzgemenge löst, wie es
unter dem Namen »Dr. _Oetker's Kochpulver_« in den Vertrieb kommt. Der
Preis ist ein sehr niedriger, damit es in _jeder_ Küche benutzt werden
kann, zum Vorteil einer besseren Verdauung der wichtigsten Nahrungsmittel.
Die grünen Erbsen wie Bohnen sind sehr leicht verdaulich, weil die
Zellwände noch dünn sind und durch das Kochen auseinander gehen.
Die getrockneten reifen Bohnen wie Erbsen und Linsen, müssen längere Zeit
gekocht werden, um die mehr oder weniger verhärteten Zellwände zu
erweichen, damit die verdauenden Säfte auf das Eiweiß und auf das
gequollene Stärkemehl einwirken und in Lösung überführen können.
Benutzt man ungeschälte Erbsen, so müssen diese nach dem Weichkochen durch
ein Sieb gerieben werden, damit die ganz unverdaulichen Schalen entfernt
werden können.
Dürre Erbsen zu kochen. Dieselben werden mit Wasser gekocht, ohne Salz.
Sind sie weich, dann treibt man sie durch ein Haarsieb, giebt auf 2 Pfund
Erbsen einen halben Vierling frische Butter in eine gut verzinnte
Kasserolle, 2 Eßlöffel voll feines Mehl, läßt dieses etwas anziehen, thut
die durchpassierten Erbsen dazu, verrührt alles zusammen, bis die Masse
schön glatt ist und giebt, wenn nötig, etwas Fleischbrühe bei. Dann kommt
Salz, eine Prise weißen Pfeffers und 2 Knoblauchzwiebeln (fein gehackt)
dazu. Man läßt das Gemüse auf der Platte kochen, damit es nicht anbrennt.
Beim Anrichten giebt man etwas Jus oder braune Butter darüber. Man kann die
Erbsen ebenfalls in einem Dampfkochtopf fertig machen, wodurch sie in der
hälfte Zeit aufgetragen werden können.
Dr. Oetker's Konservierpulver für Fleisch.
Frisches Fleisch verdirbt im Sommer sehr schnell. Nach 24 Stunden schon
beginnt die Zersetzung; hervorgerufen durch die Bacterien, welche aus der
Luft auf das Fleisch fallen. Da nun frisches Fleisch frei von Bacterien
ist, so beruht alles Konservieren des Fleisches in einer Vernichtung der
aufgefallenen Bacterien. Die Oberfläche des Fleisches muß so verändert
werden, daß die Bacterien sich nicht entwickeln können.
Will man das frische Fleisch für Küchenzwecke circa 8 Tage konservieren, so
geschieht dies am einfachsten durch Einreiben des Fleisches mit Dr.
Oetker's Konservierpulver. Das Fleisch nimmt dann keinen unangenehmen
Geruch an, behält seine schöne Farbe und seinen vollen Nährwert.
Wenn das vom Metzger bezogene Fleisch schon etwas riecht, so verliert es
beim Einreiben mit diesem Pulver den Geruch sofort.
Dieses Konservierpulver ist durchaus unschädlich. Will man das eingeriebene
Fleisch verwenden, so spült man es vor dem Kochen oder Braten mit Wasser
ab, wodurch das Konservierpulver entfernt wird.
Es ist in den Küchen Gewohnheit geworden, Fleisch in Milch oder Essig zu
legen, um das Fleisch längere Zeit aufbewahren zu können. Der Essig wirkt
konservierend in Folge seines Gehaltes an Essigsäure.
Die Milch wird nach wenigen Tagen sauer und dann wirkt die entstandene
Milchsäure konservierend. Die Milch muß aber erneuert werden, damit sie
keinen fauligen Geruch annimmt. Immer ist es praktisch, in dem Essig sowohl
wie in der Milch einen Theelöffel voll Dr. Oetker's Konservierpulver zu
lösen. Die Wirksamkeit wird hierdurch erhöht.
Der Preis dieses Konservierpulvers ist ein niedriger. Jede Hausfrau wird es
gern verwenden, wenn sie bedenkt, wie viel Fleischstücke sie noch
verwenden kann, welche man früher in Folge eingetretener Verwesung
wegwerfen mußte.
In Päckchen =à= 10 Pfg. ist es in den Geschäften zu haben, welche den
Vertrieb von Dr. Oetker's Küchenfabrikaten übernommen haben.
Die Luft.
Für das Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen ist die uns umgebende Luft
von größter Wichtigkeit. Von Luft allein kann niemand leben, ohne Luft aber
auch nicht.
Bei der Atmung der Menschen und Tiere wird beständig Sauerstoff aufgenommen
und Kohlensäure ausgeatmet.
Wenn in einem geschlossenen Raume, z. B. Schulen, Konzertsälen &c., eine
große Anzahl Menschen längere Zeit beieinander sind, so wird die Luft für
alle unerträglich. Früher glaubte man, dies rühre von der Kohlensäure her,
welche ausgeatmet wird. Versuche haben jedoch bewiesen, daß dies nicht der
Fall ist.
Die Luft in übermäßig besetzten Räumen wird schlecht und drückend durch
andere uns noch unbekannte Produkte des Atems, sei es durch die ausgeatmete
Lungenluft oder durch Schweißbildung oder durch Atmung der Hauptporen.
Die Luft ist häufig mit Staub verunreinigt; der Wind nimmt ihn mit wo er
ihn findet und läßt ihn nach Aufhören der Strömungen wieder fallen. Die
Mineralsubstanzen, welche der Wind mit sich bringt, sind für die Menschen
von geringer Bedeutung. Wichtig sind jedoch die organischen Bestandteile,
welche vom Winde aufgerührt überall sich niederlassen.
Die uns umgebende Luft ist erfüllt von einer großen Menge kleiner Lebewesen
der verschiedensten Art, die mit den Bewegungen der Luft überall
hinwandern. Fallen diese Lebewesen auf ihren Wanderungen auf einen Boden,
welcher sie festhält und welcher ihrer Entwickelung günstig ist, so
entwickeln sie sich weiter und geben zur Erscheinung der verschiedensten
Pflanzengebilde Veranlassung.
Diese sich so entwickelnden mikroskopisch kleinen Pflänzchen nützen uns
Menschen oder bringen uns Schaden oder lassen uns gleichgültig.
Bei der Gärung der Spiritusmaische, bei der Selbstgärung mancher Biere, bei
der Essiggärung, bei der Brotgärung und bei der Weingärung nützen sie uns.
Fallen sie jedoch auf unsere Nahrungsmittel, z. B. Brot, so entsteht
Schimmel und wir können es nicht mehr genießen. Fallen die Pilze &c. in die
Milch, so wird diese sauer; kommen diese kleinen Lebewesen in eine Wunde,
welche wir uns zugezogen haben, so fängt die Wunde an zu eitern. Ein
Fleischstück wird an der Luft faul, weil die kleinen Pflanzen auf das
Fleisch fallen, sich zu Milliarden vermehren und es ungenießbar machen.
Das Konservieren unserer Nahrungsmittel beruht darauf, daß wir versuchen,
in irgend einer Weise das Auffallen dieser kleinen Lebewesen zu verhindern.
Die Luft großer Städte wird durch die Verbrennungsprodukte der Steinkohlen
verschlechtert. Die Kohlen enthalten stets Schwefel, der Schwefel verbrennt
zu schwefliger Säure.
Bei jeder Beleuchtung wird die Luft der Wohnräume verschlechtert durch die
Verbrennungsprodukte. Bei Gasbeleuchtung bildet sich auch salpetrige Säure.
Vielleicht ist dies die Ursache, daß in Zimmern mit Gasbeleuchtung,
empfindliche Pflanzen nicht gedeihen.
Milch.
Die Milch ist für die Ernährung des Menschen von größter Wichtigkeit.
Da man der Milch nicht ansehen kann, ob sie von einem gesunden oder kranken
Tiere stammt, so genieße man die Milch niemals ungekocht.
Läßt man die Milch einige Zeit stehen, so steigen die leichteren
Fetttröpfchen in die Höhe und bilden den Rahm.
Läßt man Milch einige Zeit stehen, so zersetzt sich der Milchzucker unter
dem Einfluß von Organismen in Milchsäure. Durch diese Milchsäure wird der
Käsestoff der Milch abgeschieden.
Will man das Sauerwerden einige Tage lang verhindern, so muß die Milch
sofort nach Empfang aufgekocht werden, damit die Organismen, welche das
Sauerwerden hervorrufen, vernichtet werden.
Hat die Milch eine auffallende Farbe, besonderen Geruch oder Geschmack, so
weise man sie zurück.
Es ist allgemein bekannt, daß man Milch durch Kochen haltbar machen kann;
wenigstens 1 bis 2 Tage, wie es für den Haushalt meistens genügt.
Kocht man die Milch zu lange, so wird der Käsestoff verändert und löst sich
nicht mehr so schnell im Magensaft.
Eine große Anzahl der Pilze, welche sich in ungekochter Milch befinden,
wird durch dieses Kochen unschädlich gemacht. Einigen Arten schadet das
Aufkochen jedoch nicht und diese sind es, welche im Sommer den Säuglingen
so sehr viele Beschwerden machen und häufig den Tod herbeiführen.
Besonders sind es die Milchsäurebakterien, welche den Milchzucker unter
starker Gasbildung zersetzen. Die Krankheiten, welche dabei auftreten,
haben ihren Sitz im Magen und dann stellt sich nach genossener Milch
Erbrechen ein; oder die Zersetzung des Milchzuckers findet im Dünndarm oder
Dickdarm statt; die gebildete Milchsäure reizt die empfindlichen
Schleimhäute und Diarrhöe ist die Folge.
Was kann man nun thun, um die Säuglinge, welche auf künstliche Ernährung
angewiesen sind, über die gefährliche Sommerzeit hinüberzubringen und
soweit es möglich ist gegen diese Krankheiten zu schützen?
1. Die Auswahl eines Milchlieferanten, welcher stets
frische, mit möglichster Reinlichkeit gemolkene Milch
liefert.
2. Sofortiges Aufkochen der Milch nach dem Empfange.
3. Beziehen der Milch in weißen Glasflaschen, deren
Reinlichkeit leichter zu kontrollieren ist wie die der
großen Blechkannen.
Treten trotzdem Erbrechen und Diarrhöe ein, so ist der Arzt der allein
maßgebende Berater. Man warte nicht in der Hoffnung, daß es am nächsten
Tage besser werde, sondern man schicke sofort zum Arzte.
Ein Kind im Alter bis zu 6 oder 7 Monaten ist nicht im Stande, Stärkemehl
oder stärkemehlhaltige Nahrungsmittel zu verdauen. Wenn trotzdem den
Kindern derartige Speisen gegeben werden, so ist eine Störung der Verdauung
die Folge. Ist ein Kind ein Jahr alt, so werden stärkemehlhaltige Speisen
schon vertragen, besonders wenn diese durch Kochen in Milch vollkommen
aufgeschlossen sind. Ein Kind soll auch keine von den schweren verdaulichen
Speisen, wie Roggenbrot oder Kartoffeln, in größeren Mengen genießen, weil
die Organe zu sehr angefüllt werden.
Von den leicht verdaulichen Speisen lasse man ein Kind so lange essen bis
es aufhört. Eine Gefräßigkeit unter Kindern giebt es nicht. Jedes Kind wird
nur soviel verlangen bis es satt ist. Ein Kind braucht aber im Verhältnis
zum Erwachsenen weit mehr Nahrung; der Körper will doch größer werden,
während der Erwachsene nur soviel gebraucht, wie er zur Erhaltung seiner
Kräfte nötig hat.
Es kommt vor, daß ein Kind gegen gewisse Nahrungsmittel einen
ausgesprochenen Widerwillen hat; dann zwinge man das Kind nicht zur
Aufnahme, sonst tritt Brechreiz ein. Die sogenannte Leckerheit des Kindes
verliert sich, wenn ihm nach und nach die Speisen der Erwachsenen in
_kleinen_ Mengen vorgesetzt werden. Ein lebhaftes Kind verlangt mehr
Nahrung wie ein ruhiges Kind. Je lebhafter ein Kind ist, um so mehr Arbeit
leistet es und um so mehr Nahrung muß es haben, damit die verbrauchten
Stoffe ersetzt werden.
Je besser das Futter ist, welches eine Kuh bekommt, um so besser ist die
Milch. Manche scharfe Stoffe gehen in die Milch über und erteilen dieser
einen unangenehmen Geschmack, z. B. Steckrüben oder Rapskuchen.
Die Milch für Kinder muß stets aufgekocht werden und nach dem Kochen muß
der Milchtopf zugedeckt werden damit aus der Luft keine Pilze, Bakterien
und Fliegen hineinfallen.
Der Milchkochapparat nach Professor Soxleth ist sehr verbreitet und gebe
ich hier die Vorschrift zu seiner Benutzung, damit die Mütter sich zum
Vorteile der Säuglinge danach richten können.
_Gebrauchs-Anweisung._
1. Man verwendet möglichst frische Milch, und zwar Mischmilch von mehreren
Kühen, nicht die Milch _einer_ Kuh, verdünnt die Milch mit Wasser, giebt
ihr passende Zusätze -- bevor man sie erhitzt -- oder verwendet sie im
unverdünnten Zustande, nach Angabe des Arztes. Zur Bereitung der Mischungen
dient das geschnäbelte Misch- und Einfüllglas, welches 1½ Liter faßt und
in 1/10 Liter eingeteilt ist.