Je nach der Menge der Eier, welche man einlegen will, nimmt man einen

großen oder kleinen Behälter von Glas, Porzellan, Steingut oder Holz und

übergießt die Eier nach dem Einlegen mit folgender Mischung:

=Liq. Natr. silicici crud. Ph. G. III=

(=Natronwasserglas=) 1 Liter

Wasser 10 Liter

und zwar gießt man soviel auf, daß die Eier bedeckt sind. Vorher werden die

Eier vom Schmutz gereinigt. Auf das Vorratsgefäß legt man einen Deckel oder

Brett und nimmt die Eier nach Bedarf heraus.

Hat man große Tonnen eingerichtet, so läßt man unten einen Holzkrahn

einsetzen und kann dann die Flüssigkeit nach Belieben ablassen. Die

entnommenen Eier werden abgewaschen und benutzt.

Bedenkt man die außerordentlichen Summen, welche dem ganzen Volke durch

diese genau angegebene Methode erhalten bleiben, so ist diese Art der

Aufbewahrung von größter, ökonomischer Bedeutung für den Volkswohlstand.

Die Konservierflüssigkeit verschließt die Poren der Eischale. Will man die

Eier kochen, so muß man mit einer starken Nadel ein Loch hineinbohren,

damit die Luft entweichen kann, sonst platzt die Eischale.

Im weichgekochten Zustande sind Eier ein vorzügliches Nahrungsmittel,

besonders für schwächliche Personen, weil die Bestandteile der Eier sehr

leicht assimiliert werden.

Man genießt die Eier in den verschiedenartigsten Zubereitungen und

allgemein wird anerkannt, daß Eier eine sehr nahrhafte Speise sind. Den

Nährwert der Eier überschätzt man jedoch. 7 Eier enthalten so viele

Nährstoffe wie ein Liter Milch und die eigene Berechnung zeigt Jedermann,

daß die Eier im Verhältnis zur Milch teuere Nahrungsmittel sind. Ein Ei hat

ungefähr den Nährwert wie 40 =g= gutes fettes Fleisch.

Das Durchschnittsgewicht eines Eies ist 53 =g= und kann man hiervon 6 =g=

auf die aus kohlensaurem Kalk bestehende Schale, 31 =g= auf das Eiweiß und

16 =g= auf das Eigelb rechnen. Das Ei ohne Schale enthält 6 =g= trockenes

Eiweiß und 5 =g= Fett. Am leichtesten sind die Eier zu verdauen, wenn man

die rohen gequierlten Eier in heiße Fleischbrühe laufen läßt und dann mit

der Fleischbrühe genießt.

Der ekelhafte Geruch fauler Eier entsteht durch Schwefelwasserstoff und

Phosphorwasserstoff, welche sich bei der Zersetzung des Gehaltes bilden.

Das Feuer.

Im gewöhnlichen Leben versteht man unter Verbrennung die Vereinigung eines

Körpers mit dem Sauerstoffe der Luft unter gleichzeitiger Erscheinung von

Wärme und Licht.

Zur Einleitung einer Verbrennung ist eine bestimmte Temperatur nötig, bei

welcher sich der Brennstoff entzündet. Die natürlichen festen Brennstoffe

erleiden beim Erhitzen vor der Entzündung eine Zersetzung, bei welcher

Dämpfe und gasförmige Körper gebildet werden; diese gasförmigen Produkte

verbrennen mit Flamme, während der Rückstand (Kohlen oder Koks) beim

Verbrennen nur glühen. In den häuslichen und gewerblichen Feuerungen

verbrennt das Feuerungsmaterial nicht in reinem Sauerstoff, sondern in der

Luft, einem Gemisch von Stickstoff und Sauerstoff.

Der eigentliche verbrennliche Teil unseres Heizmaterials sind der

Kohlenstoff und der Wasserstoff.

Bei genügendem Luftzutritt verbrennt der Kohlenstoff zu Kohlensäure und der

Wasserstoff zu Wasser. Kohlensäure und Wasserdampf entweichen in die Luft.

Der Stickstoff der Luft wird hierbei nicht verändert.

Also die Luft muß an das Brennmaterial herangeführt werden, geschieht dies

nicht, weil im Ofen noch zu viel Asche liegt, so kann die beste Kohle nicht

brennen und auch nicht erwärmen.

Wie wird dieser einfache Vorgang so häufig mißachtet. Das Feuer brennt

nicht, der Ofen zieht nicht mehr, die Kohlen taugen nichts! Das sind die

Redensarten nachlässiger Dienstboten.

Hält man die Oefen nicht in Ordnung, so sind auch direkte Verluste damit

verknüpft. Die eingeworfenen Kohlen verschlacken, verbrennen aber nicht

vollkommen. Den Schaden hat immer die Herrschaft zu tragen.

Die Fische &c.

Das Fleisch der Fische ist ebenso nahrhaft und ebenso gesund und verdaulich

wie das Fleisch anderer Tiere.

Wenn möglich sollen die Fische erst kurz vor der Zubereitung getötet

werden. Das Fleisch der Fische verdirbt sehr schnell und kommen die

Seefische daher stets in Eis verpackt in das Binnenland. Flußfische, welche

in sumpfigen Gewässern gelebt haben, verlieren ihren Wohlgeschmack. Das

Fleisch nimmt einen moderigen Geschmack an.

Für die Volksernährung kommen hauptsächlich der Häring und der Schellfisch

in Betracht. Der erstere enthält reichlich Eiweiß und viel Fett und ist

imstande eine allein nicht genügende Mahlzeit z. B. Kartoffeln oder Reis,

zu einer völlig ausreichenden zu machen. Schellfische enthalten nur wenig

Fett und werden stets mit Fett gegessen. Die seltenen Fische wie Forelle,

Lachs, Karpfen &c. sind heute Luxusartikel und werden teuer bezahlt.

Die Sardinen in Oel werden besonders aus Frankreich zu uns gebracht. Die

Fische kommen in großen Mengen an die französische Küste, werden nach dem

Fange gesalzen, abgewaschen, in kochendes Olivenöl ca. eine Minute

eingetaucht, in Blechdosen verpackt und nach dem Zulöten versandt.

Das Fleisch der _Krebse_, Krabben und Hummer ist hart und schwer

verdaulich; sie gelten bei uns als Delikatesse und werden als solche hoch

bezahlt.

Das Fleisch der Auster ist sehr leicht verdaulich. Die Auster wird meistens

lebend gegessen, weil das Fleisch außerordentlich schnell verdirbt.

Beim Oeffnen der Schalen sieht man das Tier in einer wässerigen Flüssigkeit

liegen, welche von Unerfahrenen als Meerwasser betrachtet und weggegossen

wird. Dies ist nicht richtig, denn diese Flüssigkeit macht einen

wesentlichen Teil des Tieres aus.

Die verschiedenen Fleischsorten.

Das Rindfleisch ist von allen Fleischsorten am meisten mit rotem Blutsaft

angefüllt. Es besitzt ein dichteres Gewebe als andere Fleischsorten,

enthält daher in dem gleichen Volumen mehr Nahrungsstoffe; aus diesem

Grunde, und weil außerdem sein Geschmack voller und reicher als der anderer

Fleischsorten ist, hat sich allgemein die Ansicht geltend gemacht, das es

von allem Fleisch das nahrhafteste ist.

Das Sprichwort »Kalbfleisch ist Halbfleisch« hat eine gewisse Berechtigung,

weil das Fleisch junger Kälber 80% Wasser enthält. Je älter das Kalb wird,

um so besser wird auch das Fleisch.

Hammelfleisch hat feinere Muskelfasern und ein loseres Gewebe wie

Rindfleisch. Es gilt allgemein als leicht verdaulich und wird deshalb gerne

als Krankenkost empfohlen.

Die Art des Futters ist bei dem Schweine von größtem Einfluß auf die

Qualität des Fleisches. Wegen des hohen Fettgehaltes gilt das

Schweinefleisch als schwer verdaulich.

Wild und Geflügel haben ein feinfaseriges Fleisch mit dichterem Gewebe als

das Fleisch der landwirtschaftlichen Schlachttiere. Gekocht und gebraten

bildet das Fleisch dieser Tiere eine zarte, wohlschmeckende und leicht

verdauliche Speise. In Folge der stärkeren Bewegung haben diese Tiere

nur wenig Fett.

Das Fleisch der meisten Fische ist weiß von weißem Blut, es giebt aber auch

rotblutige Fische, z. B. Lachs. Das Fleisch der Fische schmeckt sehr

verschieden, hauptsächlich bedingt durch den Geschmack des Fettes. Das

Fleisch der Fische ist ebenso nahrhaft und ebenso leicht verdaulich wie das

Fleisch der Tiere.

Fleischspeisen sind für den Einzelnen wie für ganze Völker von größtem

Einfluß auf die Leistungsfähigkeit. Völker, welche viel Fleisch verzehren,

zeigen große Kraft bei der Arbeit und infolge dieser körperlichen Kraft

besitzen sie Selbstvertrauen und Energie. Völker, welche fast nur von

Pflanzenkost leben, sind in geistiger Beziehung feige und vermögen keine

besondere Kraftentwickelung zu zeigen. Für zivilisierte Völker hat sich

herausgestellt, daß eine aus Fleisch und Pflanzenteilen hergestellte

Nahrung am vorteilhaftesten ist.

Erwärmt man das Fleisch bis 70°, so zersetzt sich der rote Blutfarbstoff

und das Fleisch wird grau.

Kinder mögen manchmal das Fleisch nicht, weil sie es nicht zerbeißen

können. Die Kaumuskeln sind noch zu schwach und deshalb muß das Fleisch

sehr fein zerschnitten sein.

Frisches Fleisch wird beim Kochen nicht weich und muß deshalb einige Tage

hängen. Es findet dann eine Veränderung des Fleisches, wahrscheinlich unter

Einfluß von Bakterien statt. Jedes Fleisch ist um so leichter verdaulich,

je besser es gekaut wird oder je feiner es in der Küche gehackt oder

geschabt oder geklopft wird. Nach dem Schlachten der Tiere tritt die

Totenstarre ein und diese beruht auf einem Festwerden der flüssigen

Eiweißlösung, welche den Inhalt der Muskelfasern ausmacht; das Festwerden

geschieht in ähnlicher Weise wie beim Eiweiß des Hühnereies wenn es erhitzt

wird. Kurze Zeit nachher wird das Fleisch nach der Totenstarre wieder weich

und dies ist die richtige Zeit zur Küchenverwendung. Liegt es länger, so

tritt Fäulnis ein, welche mit einem vorsichtigen Ausdrucke bezeichnet auch

=Kantgoût= genannt wird.

Fleischbrühe.

Um eine gute Fleischbrühe oder Bouillon zu erhalten, verfährt man in

folgender Weise.

Man wäscht das Fleischstück schnell ab oder reinigt es, wenn nötig, durch

Abreiben mit einem reinen Tuche. Das Fleisch wird mit kaltem Wasser

aufgesetzt, ganz langsam erwärmt und im gelinden Kochen erhalten.

Das kalte wie das lauwarme Wasser löst einen Teil des Eiweißes aus dem

Fleische. Später gerinnt dieses Eiweiß, tritt als Schaum an die Oberfläche

des Wassers und nun erst setzt man Salz hinzu, damit die Fleischsalze

leichter in das umgebende Wasser dringen können, denn jetzt will man ja die

Nährbestandteile des Fleisches in der Fleischbrühe haben.

Um das Fleisch vollständig auszuziehen, muß man 5-7 Stunden schwach kochen

lassen, je nach der Art und Größe des Fleischstückes. 1 Kilo muß 3 Stunden

kochen.

Das kalte Wasser entzieht dem Fleische zuerst Fleischsalze und Eiweiß. Die

Fleischsalze bleiben in der Brühe, das Eiweiß gerinnt, wenn das Wasser heiß

geworden ist.

Das heiße Wasser verwandelt einen Teil des Bindegewebes in Leimsubstanz,

und diese wird von der Brühe gelöst. Das Fett des Fleisches schmilzt und

schwimmt auf der Fleischbrühe. Erkaltet die Fleischbrühe später, so

erstarrt das Fett, und man nimmt es ab, um es bei nächster Gelegenheit zu

verwenden.

Vor allem entzieht das heiße Wasser dem Fleische die wichtigen

Fleischsalze.

Die so erhaltene Fleischbrühe schmeckt kräftig, ist aber kein

Nahrungsmittel, sondern ein Genußmittel, regt die Verdauung an und wirkt

auf das Nervensystem belebend.

Häufig kocht man auch die Knochen mit aus und erhält in der Fleischbrühe

auch die Substanzen, welche durch Wasser den Knochen entzogen werden

können.

Die Knorpelsubstanz wird in Leimsubstanz verwandelt und löst sich in der

heißen Brühe.

Die Fleischbrühe reagiert sauer und enthält von anorganischen Verbindungen

hauptsächlich Phosphorsäure und Kali. Fleischbrühe von Rindfleisch ist am

kräftigsten; vom Kalbfleisch und Hühnerfleisch milde und vom Wildpret am

pikantesten.

Verwendet man auch Knochen und Knorpel zu der Fleischbrühe, so wird diese

reicher an Leim und dem Geschmacke nach vollmündiger.

Fleischbrühe, in welcher ein Eigelb zerschlagen ist, wird Kindern, welche

älter wie ein Jahr sind und Rekonvaleszenten gern verordnet. Einen Teller

Bouillon vor dem Mittagessen zu nehmen kann man nur empfehlen. Die Brühe

feuchtet den Magen an, erregt die Magensekretion und der Magensaft mischt

sich leichter mit den festeren Speisen. Aus Rücksicht auf schnelle und

vollständige Verdauung ist es praktisch, vor den festeren Speisen erst eine

leichtere weichere Nahrung zu sich zu nehmen.

Gelée.

Die Gelées sind durchsichtige kalte Speisen, welche mit oder ohne Anwendung

von Gallertstoffen angefertigt werden. Als Gallertstoffe werden Gelatine,

Agar Agar, Hausenblase oder Kalbsfüße benutzt.

Löst man diese Gallertstoffe in einer gewissen Menge Flüssigkeit in der

Wärme auf und läßt dann wieder erkalten, so erstarrt die gekochte

Flüssigkeit zu einem Gelée.

Der Nährwert dieser Gallertstoffe ist sehr gering, sie enthalten keine

Nährstoffe, sondern sind Luxusspeisen, welche meistens als Nachtisch

serviert werden.

Bei den süßen Gelées oder den Fruchtgelées, denen man größere Mengen Zucker

zusetzt, dient der Zucker als Würze, wirkt aber gleichzeitig als Nährstoff.

Aus frischen, unvergohrenen Fruchtsäften, z. B. Johannisbeersaft, kann man

nach Beigabe von Zucker Gelées kochen, ohne Gelatine hinzufügen zu müssen.

Die frischen Fruchtsäfte enthalten Pektinstoffe, welche ein Erstarren des

Saftes beim Erkalten hervorbringen. Läßt man die Fruchtsäfte jedoch gären,

so werden die Pektinstoffe zersetzt und geben beim Erkalten keine Gelées

mehr.

Gelée aus Agar Agar.

Um ein Liter Gelée herzustellen verwendet man 5 Stangen Agar Agar. Diese

Stangen werden ¼ Stunde in einem Liter Wasser eingeweicht,

herausgenommen, ausgedrückt und zerzupft. Mit einem Liter Wasser stellt man

sie 2 Stunden heiß, ohne die Flüssigkeit zum Kochen zu bringen.

Will man das Gelée ganz klar haben, so zerquirlt man 2 Eiweiß in wenig

Wasser, giebt sie in die etwas erkaltete Geléemasse, rührt um und stellt

wieder aufs Feuer. Das Eiweiß gerinnt und bindet alle trübemachenden

Fäserchen. Jetzt filtriert man durch ein ausgewaschenes leinenes Tuch und

stellt zum Erkalten bei Seite.

Will man ein Gelée aus Gelatine machen, so nimmt man auf ein Liter

Flüssigkeit im Sommer 100 =g= und im Winter 80 =g= Gelatineblätter. Die

Blätter wischt man mit kaltem Wasser ab und löst sie durch Kochen auf. Nach

dem Lösen klärt man, wie oben mitgeteilt, durch 2 Eiweiß und filtriert.

Gemüse, Kräuter und Salate.

Das Kochen der Gemüse hat den Zweck, diese für den menschlichen Organismus

leichter verdaulich zu machen. Vollständig gereinigt legt man sie in die

_kochende Fleischbrühe_ oder in kochendes, leicht gesalzenes Wasser und

überläßt sie so lange der Siedetemperatur, bis sie weich sind.

Auch hier ist es wichtig, daß der Pflanzensaft in den Blättern bleibt, denn

mit kaltem Wasser ausgelaugt, bleibt nichts zurück, wie ein geschmackloses

Zellengewebe.

Um dem Gemüse die schöne grüne Farbe zu erhalten, muß man _kochende_

Fleischbrühe verwenden und darf den Deckel nicht auf den Topf legen. Der

Dampf mit seinen flüchtigen Bestandteilen muß entweichen können.

Die grüne Farbe rührt her von dem in den Zellen befindlichen Blattgrün, und

dieses Blattgrün behält seine Zusammensetzung nur bei obigem Verfahren.

Die scharfen Bestandteile des Blattgrüns werden durch schnelles Abkochen

zersetzt.

Alle grünen Gemüse, alle Kohlarten und Rüben müssen in ihrem eigenen Safte

gekocht werden, damit sie, ebenso wie das Fleisch, ihren Nährwert behalten.

Viele dieser Gemüse geben an kochendes Wasser färbende und übelriechende

Stoffe ab. Um diese Stoffe zu entfernen, werden diese Gemüse abgebrüht und

das Wasser dann abgegossen.

Uebergießt man die grünen Gemüse mit kochendem Wasser, so läßt sich im

Dampfe das sehr unangenehm riechende Schwefelwasserstoffgas nachweisen.

Giebt man in die Fleischbrühe oder in das Wasser, welches zum Kochen der

Gemüse benutzt werden soll, einen halben Theelöffel voll Dr. _Oetker's

Kochpulver_, so werden die Gemüse viel schneller weich und viel

verdaulicher. Z. B. Spinat, Grünkohl, Schwarzwurzel, Weißkraut.

Das Kochen der grünen Gemüse veranlaßt zuerst das Absterben der vorher

lebenden Zellen. Der Zellsaft fließt aus und Wasser dringt in die Zellen.

Am besten erkennt man dies beim Kochen der roten Rüben. In kaltes Wasser

gelegt bleibt das Wasser hell, kocht man jedoch, so fließt der rote Saft

der Zellen in das umgebende Wasser.

Eine weitere Einwirkung der Hitze ist das Gerinnen des Eiweißes und ein

Aufquellen der Stärkemehlkörner, welche fast in allen Gemüsen mehr oder

weniger sich finden.

Der Nährwert der Gemüse ist ein geringer und werden sie nur als eine

angenehme Zuspeise genossen; sind aber trotzdem für das Wohlbefinden von

großer Bedeutung, weil sie mit den Nahrungsstoffen den Magen füllen und

hierdurch das angenehme Gefühl der Sättigung hervorrufen.

Einige dieser Gewächse werden nur wegen ihrer eigentümlichen Bestandteile

auf den Tisch gebracht. So rührt der sauere Geschmack des Sauerampfers vom

saueren oxalsauren Kalk her. Der Kopfsalat enthält saueres zitronensaures

Kalium. Der scharfe Geschmack des Rettigs, der Radieschen, der Zwiebeln und

des Meerrettig ist bedingt durch Senföl. Diese Kräuter und Salate sind also

Genußmittel, aber keine Nahrungsmittel.

Das Einsalzen geschieht bei Kohl, Bohnen, Rüben und Gurken; Kohl und Bohnen

werden nach dem Zerschneiden mit Salz und Gewürzen in einem Faß

eingestampft. Das Salz entzieht dem Gemüse einen Teil des Wassers und

bildet eine Salzlake. Die Menge des angewandten Salzes ist aber nicht groß

genug um eine Gärung zu verhindern. Es findet eine Milchsäure-Gärung statt

und die entstandene Milchsäure wirkt fäulnishemmend. Aus diesem Grunde

haben Sauerkohl und Faßbohnen einen saueren Geschmack.

Gurken und rote Rüben werden mit Essig und Gewürzen eingemacht. Hier

verhindert der Essig das Verderben.

Die Gewürze.

Unsere wichtigsten Nahrungsmittel wie reines Eiweiß, reine Stärke, reines

Fett sind geschmacklos und nur durch Hinzugabe von Gewürzen ist es uns

möglich, diese unbedingt notwendigen Nahrungsmittel mit Wohlbehagen zu

genießen.

Der Zucker ist Nahrungsmittel und gleichzeitig Genußmittel.

Das _Kochsalz_ ist Nahrungsmittel und Genußmittel; kein Mensch kann ohne

Kochsalz leben. Das Salz ist ein nie fehlender Bestandteil des Blutes. Alle

pflanzenfressenden Tiere haben Heißhunger nach Salz; aber die Tiere, welche

nur Fleisch fressen, haben kein Salz nötig, weil sie das salzhaltige

Fleisch und Blut der gefangenen Tiere aufnehmen und so für ihren eigenen

Körper genug Kochsalz aufnehmen.

Je reiner das Salz ist, um so schöner für den Tisch. Dann bleibt es auch

längere Zeit trocken. Ein feucht werdendes Salz ist nicht genug gereinigt.

Manchmal hört man auch die Ansicht vertreten, die eine Sorte Salz sei

kräftiger wie eine andere. Das ist eine falsche Ansicht, Salz ist Salz, und

wenn man eine Speise mit abgewogenen Mengen Salz würzt, so wird nachher

Niemand herausschmecken, ob man die eine oder die andere Sorte Salz benutzt

hat.

Den Würzstoffen unserer Speisen sind auch folgende zuzuzählen, welche alle

auf dem Wege des Reflexes die Verdauungsthätigkeit erhöhen.

Zucker, Kochsalz, scharfschmeckende Substanzen und ätherische Oele und

Weine regen, auf die Zunge gebracht, die Sekretion der Speicheldrüsen und

die Abscheidung des Magensaftes an. Aus diesem Grunde trinkt man vor

größeren Mahlzeiten ein Glas starken Wein oder eine Tasse Bouillon oder man

ißt ein Schnittchen mit Caviar.

Als wirkliche

$Genußmittel$

bezeichnet man die Substanzen, welche erst nach Aufnahme in den

Blutkreislauf ihre Wirkung auf das Nervensystem ausüben können. Hierher

gehören alle alkoholhaltigen Getränke, Kaffee, Thee und Tabak. Diese

charakteristisch wirkenden organischen Stoffe könnte man passend als

Nervenreizmittel bezeichnen und sind sie in vernünftigem Maaße benutzt

keineswegs als etwas durchaus Schädliches zu bezeichnen.

O. Funke giebt seiner Ansicht folgenden treffenden Ausdruck:

»Es ist thöricht und unberechtigt, auch den bescheidensten Genuß der

genannten Reizmittel zu verwerfen. Man braucht sie nicht damit in Schutz zu

nehmen, daß der Trieb, sie in irgend welcher Form sich zu verschaffen,

wiederum der Ausfluß eines untilgbaren Menscheninstinktes ist, der sich zu

allen Zeiten und bei allen Völkern geltend gemacht hat.

Man braucht sich nur zu fragen: »Muß denn unsere Maschine, wie das Pendel

der Uhr, immer in demselben monotonen, langweiligen Tempo arbeiten? Was

schadet es ihr denn, wenn sie von Zeit zu Zeit mit etwas stärker gespanntem

Dampf etwas rascher pumpt, sobald sie nur in den darauffolgenden

Intervallen bei langsamerer Arbeit die kleine Luxusausgabe von Kraft aus

dem genügenden Vorrat wieder einbringen und etwaige kleinere Defekte ihres

Mechanismus wieder ausbessern kann?« Wahrlich, manche leuchtende,

fruchtbringende Idee ist schon aus einem Römer duftenden Rheinweines

geboren, welche vielleicht nie den nüchternen Wasserkrügen der Vegetarianer

entstiegen wäre; manch bitteres Herzweh, das bei Himbeerlimonade tiefer

gefressen hätte, hat ein Schälchen Kaffee gemildert; manche Sorge, manche

Grille hat sich mit dem Rauch einer Zigarre verflüchtigt und das ist doch

auch etwas wert in so mancher armseligen Menschenexistenz.«

Gewürze!

Es giebt eine Anzahl Kräuter, Samen und Früchte, welche sich im Haushalte

eingebürgert haben ohne jedoch Nahrungsmittel zu sein. Diese Pflanzenteile

haben einen auffallenden Geruch oder Geschmack und deshalb benutzt man sie

um Speisen mit diesem Geschmacke zu durchtränken.

Diese Gewürze gehören zu den Genußmitteln und sind deshalb von größter

Bedeutung für den Wohlgeschmack unserer Hauptnahrungsmittel. Das was wir im

Allgemeinen als Geschmack bezeichnen ist vielmehr ein Riechen wie ein

Schmecken und wer einen tüchtigen Schnupfen hat wird finden, daß auch der

Geschmack der Speisen sehr nachgelassen hat.

Für alle Kuchen und Puddings hat sich nun Zitronen und Vanille am meisten

eingeführt. Von der Zitrone reibt man die gelbe Außenhaut mit dem

aetherischen Oele ab und verwendet nach Belieben.

Die Vanille-Schoten zerstößt man mit Zucker oder kocht sie mit Milch aus.

Da nun die Vanilleschoten sehr teuer sind, so hat sich in letzter Zeit

Vanillin-Zucker eingeführt und die kleinen 10 Pfg. Päckchen, welche von

Dr. Oetker versandt werden, finden immer mehr den Beifall der

Hausfrauen.

Was man früher mit 50-75 Pfg. bezahlen mußte, erhält man jetzt für 10 Pfg.

Es giebt kaum einen anderen Küchenartikel, welcher sich so schnell

eingeführt hat. Um Puddings, Getränke, Saucen, Kuchen &c. mit dem

prächtigen Vanille-Aroma zu versehen, braucht man nur von diesem

Vanillin-Zucker unterzurühren.

Der Käse.

Alle scheinbar so verschiedenen Käse werden mit geringen Abweichungen auf

die nämliche Art bereitet. Als Rohmaterial dient die Milch, welche mit

Labessenz oder Labpulver versetzt den Käsestoff in festen Gerinnsel

ausfallen läßt. Dieser Käsestoff wird gepreßt, damit alle Milch entfernt

wird, gewürzt und in bestimmte Formen gebracht. Ein Hauptunterschied

besteht darin, welche Art von Milch man verwendet.

Stellt man den Käse aus frischer nicht abgerahmter Milch her, so erhält man

Rahmkäse. Verwendet man abgerahmte süße Milch, so erhält man einen

Süßmilchkäse. Hat man aber abgerahmte saure Milch benutzt, so ist

Sauermilchkäse das Resultat.

Sogenannte Handkäse oder Bauernkäse sind Sauermilchkäse, welche mit Salz

und Kümmel vermischt überall auf den Markt kommen. Allgemeiner bekannt sind

von diesen Sauermilchkäsen der Mainzer, Harzer und Nieheimer Käse.

Ist der Käse geformt, so kommt er in die Keller zum Reifen. Unter dem

Reifwerden des Käse versteht man eine Veränderung des Eiweißes. Diese

Veränderung des Eiweißes bringt auch ein anderes Aroma des Käse hervor.

Gleichzeitig findet in der ganzen Masse des Käse eine durch sehr kleine

Lebewesen der Pflanzenwelt hervorgebrachte Gärung statt. Auch hierbei

entstehen geringe Mengen riechender Substanzen, z. B. Buttersäure und die

nicht riechende Kohlensäure. Durch diese Kohlensäure entstehen die Löcher,

welche wir im Schweizerkäse sehen.

Der Käse ist leicht verdaulich und wird umso leichter von den

Verdauungssäften gelöst je lockerer er ist, je feiner er gekaut oder

geraspelt wird.

Käse ist in Bezug auf seinen hohen Nährwert ein billiges Nahrungsmittel und

kann als solches nicht genug empfohlen werden. Die teueren ausländischen

Käse sind Luxuskäse und müssen höher bezahlt werden.

Aus Schafmilch wird der Roquefortkäse gemacht und die grüne Farbe wird

durch Schimmelpilze bedingt.

Dr A. Oetkers Grundlehren der Kochkunst sowie preisgekrönte Rezepte für Haus und Küche · 第 2 / 6 段