Die alte Poetenstadt Graz beherbergt in unsern Tagen das
Dichterquartett Rosegger, +Wilhelm Fischer+, Ertl, Decsey. Fischer ist
der Romantiker unter den vieren, ein feiner und bedachtsamer Sinnierer,
der durch alle Jahrhunderte deutscher +Vergangenheit+ wandelt, um
sich ein wenig fremd und unbehaglich an der Schwelle unserer Zeit
wiederzufinden. Seine Dichtung fließt aus zwei Quellen: einer lyrischen
und einer philosophischen. Beide durchdringen und vereinen sich zu
einer »Poetenphilosophie«, die dem Gedanken lebendige Form und Seele
gibt. So anmutvoll und innig Fischer die Dinge der Natur und des
Menschenherzens zu schildern weiß, so stehen sie doch nie artistisch
für sich, sondern immer unter der höheren Einsicht ihrer eigentlichen
Bedeutung: »Es ist der Vorzug höherer Naturen, daß sie die Welt mit
allen ihren Einzelheiten immer symbolisch sehen.« Diese Einsicht aber
ist Fischers unerschütterlicher Glaube an das ursprünglich +Gute im
Menschen+, ist Ehrfurcht und Andacht vor der Gottestat der Schöpfung,
ist -- mit einem Romantitel Fischers zu reden -- »+die Freude am
Licht+«. Ja, Licht, viel Licht ist in seinen Büchern: Licht, Wärme
-- Sonne. Sie wärmen innerlich und beglücken, mögen sie nun von alten
Sitten, von Kindern, Märchen oder Gedanken erzählen. Aber freilich: die
Jahre des Naturalismus waren Fischers nach innen gekehrter Art nicht
gewogen; erst als die Gemüter aus der Dürre des nackt Gegenständlichen
wieder nach tieferer Erquickung verlangten, besann man sich auf den
Grazer Stadtbibliothekar und Stadtpoeten und griff froh erstaunt
nach seinen neuen und älteren Büchern als nach dem lange vermißten
Labetrunk. Viele, viele Jahre hat der Dichter (der am 18. April 1849 zu
Tschakathurn in Ungarn geboren wurde) darauf warten müssen.