Eine kämpferische Natur ist +Ludwig Thoma+, der Peter Schlemihl des
»Simplizissimus« und Mitbegründer des »März«, der unerbittliche
Peitschenschwinger über alles, was ihn bureaukratisch, engherzig und
heuchlerisch im lieben Bayernlande scheint, der schärfste +Satiriker+
und urwüchsigste Humorist der jüngeren Generation und -- darüber hinaus
-- der beste Schilderer des +bayrischen Bauerntumes+. Seine Fähigkeit,
sich in andere Existenzen einzufühlen, ist erstaunlich: er +ist+
»Lausbub«, Bauernbursch, ländlicher Abgeordneter, Krieger, Vagabund,
ist es restlos in Denkungsart, Haltung, Ausdrucksweise, Schicksal.
Nie stört eine Wendung, die im Munde des Sprechenden unecht klingt;
nie tun sich Ausblicke auf, die über den Horizont des dargestellten
Kreises hinausgehen. Es hieße indes das Wesen des künstlerischen
Schaffens verkennen, wollte man diese auffällige Unmittelbarkeit der
Schilderung als naives Fabuliertalent deuten. Sie ist im gleichen Maße
auch Ausdruck einer hohen und gepflegten literarischen Kultur, die
das eigene Ich des Autors hinter dem Gestalteten unsichtbar macht.
Gerade dadurch, daß +Thoma+ die Menschen und ihre Zustände für sich
selber reden läßt, erzielt er +soziale Wirkungen+, um die sich die
Tendenzschriftstellerei mit grellen Farben und dicken Unterstreichungen
vergebens bemüht. Und darum wirkt auch sein Humor so außerordentlich:
weil er aus den Dingen selbst hervorgeht und nicht erst von der
vorgefaßten Absicht des Dichters in sie hineingelegt werden muß.
+Thoma+, der am 21. Januar 1867 zu Oberammergau geboren wurde und
vom Jus zur Literatur kam, handhabt mit gleicher Meisterschaft das
pointierte politische Gedicht wie den Leitartikel, die kurze satirische
Skizze wie den wuchtig ausholenden Bauernroman (»Andreas Vöst«), den
auf einen witzigen und schlagkräftigen Einfall gestellten Einakter wie
das Volksstück großen Stils (»Magdalena«).