Käthchen liegt und schläft. Der Graf vom Strahl tritt auf.
Der Graf vom Strahl (indem er das Futteral in den Busen steckt).
Gottschalk, der mir dies Futteral gebracht, hat mir gesagt, das
Käthchen wäre wieder da. Kunigunde zog eben, weil ihre Burg
niedergebrannt ist, in die Tore der meinigen ein; da kommt er und
spricht: unter dem Holunderstrauch läge sie wieder da, und schliefe;
und bat mich, mit tränenden Augen, ich möchte ihm doch erlauben, sie
in den Stall zu nehmen. Ich sagte, bis der alte Vater, der Theobald
sich aufgefunden, würd ich ihr in der Herberge ein Unterkommen
verschaffen; und indessen hab ich mich herabgeschlichen, um einen
Entwurf mit ihr auszuführen.--Ich kann diesem Jammer nicht mehr
zusehen. Dies Mädchen, bestimmt, den herrlichsten Bürger von
Schwaben zu beglücken, wissen will ich, warum ich verdammt bin, sie
einer Metze gleich, mit mir herum zu führen; wissen, warum sie hinter
mir herschreitet, einem Hunde gleich, durch Feuer und Wasser, mir
Elenden, der nichts für sich hat, als das Wappen auf seinem Schild.
--Es ist mehr, als der bloße sympathetische Zug des Herzens; es ist
irgend von der Hölle angefacht, ein Wahn, der in ihrem Busen sein
Spiel treibt. So oft ich sie gefragt habe: Käthchen! Warum
erschrakst du doch so, als du mich zuerst in Heilbronn sahst? hat sie
mich immer zerstreut angesehen, und dann geantwortet: Ei, gestrenger
Herr! Ihr wißts ja!--Dort ist sie!--Wahrhaftig, wenn ich sie so
daliegen sehe, mit roten Backen und verschränkten Händchen, so kommt
die ganze Empfindung der Weiber über mich, und macht meine Tränen
fließen. Ich will gleich sterben, wenn sie mir nicht die Peitsche
vergeben hat--ach! was sag ich? wenn sie nicht im Gebet für mich, der
sie mißhandelte, eingeschlafen!--Doch rasch, ehe Gottschalk kommt,
und mich stört. Dreierlei hat er mir gesagt: einmal daß sie einen
Schlaf hat, wie ein Murmeltier, zweitens, daß sie, wie ein Jagdhund,
immer träumt, und drittens, daß sie im Schlaf spricht; und auf diese
Eigenschaften hin, will ich meinen Versuch gründen.--Tue ich eine
Sünde, so mag sie mir Gott verzeihen.
(Er läßt sich auf Knieen vor ihr nieder und legt seine beiden Arme
sanft um ihren Leib.--Sie macht eine Bewegung als ob sie erwachen
wollte, liegt aber gleich wieder still.)
Der Graf vom Strahl. Käthchen! Schläfst du?
Käthchen. Nein, mein verehrter Herr.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl. Und doch hast du die Augenlider zu.
Käthchen. Die Augenlider?
Der Graf vom Strahl. Ja; und fest, dünkt mich.