Der Graf vom Strahl. Was! Nicht? Du hättst die Augen auf?
Käthchen. Groß auf, so weit ich kann, mein bester Herr; Ich sehe
dich ja wie du zu Pferde sitzest.
Der Graf vom Strahl. So!--Auf dem Fuchs--nicht?
Käthchen. Nicht doch! Auf dem Schimmel.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl. Wo bist du denn, mein Herzchen? Sag mir an.
Käthchen. Auf einer schönen grünen Wiese bin ich, Wo alles bunt und
voller Blumen ist.
Der Graf vom Strahl. Ach, die Vergißmeinnicht! Ach, die Kamillen!
Käthchen. Und hier die Veilchen; schaut ein ganzer Busch.
Der Graf vom Strahl. Ich will vom Pferde niedersteigen, Käthchen,
Und mich ins Gras ein wenig zu dir setzen. - Soll ich?
Käthchen. Das tu, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl (als ob er riefe). He! Gottschalk!--Wo laß ich
doch das Pferd;--Gottschalk! Wo bist du?
Käthchen. Je, laß es stehn. Die Liese läuft nicht weg.
Der Graf vom Strahl (lächelt). Meinst du?--Nun denn, so seis!
(Pause.--Er rasselt mit seiner Rüstung.)
Mein liebes Käthchen!
(Er faßt ihre Hand.)
Käthchen. Mein hoher Herr!
Der Graf vom Strahl. Du bist mir wohl recht gut.
Käthchen. Gewiß! Von Herzen.
Der Graf vom Strahl. Aber ich--was meinst du? Ich nicht.
Käthchen (lächelnd). O Schelm!
Der Graf vom Strahl. Was, Schelm! Ich hoff--?
Käthchen. O geh! Verliebt ja, wie ein Käfer, bist du mir.
Der Graf vom Strahl. Ein Käfer! Was! Ich glaub du bist-Käthchen.
Was sagst du?
Der Graf vom Strahl (mit einem Seufzer). Ihr Glaub ist, wie ein Turm,
so fest gegründet!--Seis! Ich ergebe mich darin.--Doch, Käthchen,
Wenns ist, wie du mir sagst-Käthchen. Nun? Was beliebt?
Der Graf vom Strahl. Was, sprich, was soll draus werden?
Käthchen. Was draus soll werden?
Der Graf vom Strahl. Ja! hast dus schon bedacht?
Käthchen. Je, nun.
Der Graf vom Strahl.--Was heißt das?
Käthchen. Zu Ostern, übers Jahr, wirst du mich heuern.
Der Graf vom Strahl (das Lachen verbeißend). So! Heuern! In der
Tat! Das wußt ich nicht! Kathrinchen, schau!--Wer hat dir das
gesagt?
Käthchen. Das hat die Mariane mir gesagt.
Der Graf vom Strahl. So! Die Mariane! Ei!--Wer ist denn das?
Käthchen. Das ist die Magd, die sonst das Haus uns fegte.
Der Graf vom Strahl. Und die, die wußt es wiederum--von wem?
Käthchen. Die sahs im Blei, das sie geheimnisvoll In der
Silvesternacht, mir zugegossen.
Der Graf vom Strahl. Was du mir sagst! Da prophezeite sie--?
Käthchen. Ein großer, schöner Ritter würd mich heuern.
Der Graf vom Strahl. Und nun meinst du so frischweg, das sei ich?
Käthchen. Ja, mein verehrter Herr.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl (gerührt).--Ich will dir sagen, Mein Kind, ich
glaub, es ist ein anderer. Der Ritter Flammberg. Oder sonst. Was
meinst du?
Käthchen. Nein, nein!
Der Graf vom Strahl. Nicht?
Käthchen. Nein, nein, nein!
Der Graf vom Strahl. Warum nicht? Rede!
Käthchen. - Als ich zu Bett ging, da das Blei gegossen, In der
Silvesternacht, bat ich zu Gott, Wenns wahr wär, was mir die Mariane
sagte, Möcht er den Ritter mir im Traume zeigen. Und da erschienst
du ja, um Mitternacht, Leibhaftig, wie ich jetzt dich vor mir sehe,
Als deine Braut mich liebend zu begrüßen.
Der Graf vom Strahl. Ich wär dir--? Herzchen! Davon weiß ich
nichts. - Wann hätt ich dich--?
Käthchen. In der Silvesternacht. Wenn wiederum Silvester kommt,
zwei Jahr.
Der Graf vom Strahl. Wo? In dem Schloß zu Strahl?
Käthchen. Nicht! In Heilbronn; Im Kämmerlein, wo mir das Bette
steht.
Der Graf vom Strahl. Was du da schwatzst, mein liebes Kind.--Ich lag
Und obenein todkrank, im Schloß zu Strahl.
(Pause.--Sie seufzt, bewegt sich, und lispelt etwas.)
Der Graf vom Strahl. Was sagst du?
Käthchen. Wer?
Der Graf vom Strahl. Du!
Käthchen. Ich? Ich sagte nichts.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl (für sich). Seltsam, beim Himmel! In der
Silvesternacht--(Er träumt vor sich nieder.) - Erzähl mir doch etwas
davon, mein Käthchen! Kam ich allein?
Käthchen. Nein, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl. Nicht?--Wer war bei mir?
Käthchen. Ach, so geh!
Der Graf vom Strahl. So rede!
Käthchen. Das weißt du nicht mehr?
Der Graf vom Strahl. Nein, so wahr ich lebe.
Käthchen. Ein Cherubim, mein hoher Herr, war bei dir, Mit Flügeln,
weiß wie Schnee, auf beiden Schultern, Und Licht--o Herr! das
funkelte! das glänzte!--Der führt', an seiner Hand, dich zu mir ein.
Der Graf vom Strahl (starrt sie an). So wahr, als ich will selig
sein, ich glaube, Da hast du recht!
Käthchen. Ja, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl (mit beklemmter Stimme). Auf einem härnen Kissen
lagst du da, Das Bettuch weiß, die wollne Decke rot?
Käthchen. Ganz recht! so wars!
Der Graf vom Strahl. Im bloßen leichten Hemdchen?
Käthchen. Im Hemdchen?--Nein.
Der Graf vom Strahl. Was! Nicht?
Käthchen. Im leichten Hemdchen?
Der Graf vom Strahl. Mariane, riefst du?
Käthchen. Mariane, rief ich! Geschwind! Ihr Mädchen! Kommt doch
her, Christine!
Der Graf vom Strahl. Sahst groß, mit schwarzem Aug, mich an?
Käthchen. Ja, weil ich glaubt, es wär ein Traum.
Der Graf vom Strahl. Stiegst langsam, An allen Gliedern zitternd,
aus dem Bett, Und sankst zu Füßen mir--?
Käthchen. Und flüsterte-Der Graf vom Strahl (unterbricht sie). Und
flüstertest, mein hochverehrter Herr!
Käthchen (lächelnd). O Nun! Siehst du wohl?--Der Engel zeigte
dir-Der Graf vom Strahl. Das Mal--Schützt mich, ihr Himmlischen!
Das hast du?
Käthchen. Je, freilich!
Der Graf vom Strahl (reißt ihr das Tuch ab).
Wo? Am Halse?
Käthchen (bewegt sich). Bitte, bitte.
Der Graf vom Strahl. O ihr Urewigen!--Und als ich jetzt, Dein Kinn
erhob, ins Antlitz dir zu schauen?
Käthchen. Ja, da kam die unselige Mariane Mit Licht--und alles war
vorbei; Ich lag im Hemdchen auf der Erde da, Und die Mariane spottete
mich aus.
Der Graf vom Strahl. Nun steht mir bei, ihr Götter: ich bin doppelt!
Ein Geist bin ich und wandele zur Nacht!
(Er läßt sie los und springt auf.)
Käthchen (erwacht). Gott, meines Lebens Herr! Was widerfährt mir!
(Sie steht auf und sieht sich um.)
Der Graf vom Strahl. Was mir ein Traum schien, nackte Wahrheit ists:
Im Schloß zu Strahl, todkrank am Nervenfieber, Lag ich danieder, und
hinweggeführt, Von einem Cherubim, besuchte sie Mein Geist in ihrer
Klause zu Heilbronn!
Käthchen. Himmel! Der Graf!
(Sie setzt sich den Hut auf, und rückt sich das Tuch zurecht.)
Der Graf vom Strahl.
Was tu ich jetzt? Was laß ich?
(Pause.)
Käthchen (fällt auf ihre beiden Kniee nieder). Mein hoher Herr, hier
lieg ich dir zu Füßen, Gewärtig dessen, was du mir verhängst! An
deines Schlosses Mauer fandst du mich, Trotz des Gebots, das du mir
eingeschärft; Ich schwörs, es war ein Stündchen nur zu ruhn, Und
jetzt will ich gleich wieder weiter gehn.
Der Graf vom Strahl. Weh mir! Mein Geist, von Wunderlicht geblendet,
Schwankt an des Wahnsinns grausem Hang umher! Denn wie begreif ich
die Verkündigung, Die mir noch silbern wiederklingt im Ohr, Daß sie
die Tochter meines Kaisers sei?
Gottschalk (draußen). Käthchen! He, junge Maid!
Der Graf vom Strahl (erhebt sie rasch vom Boden).
Geschwind erhebe dich! Mach dir das Tuch zurecht! Wie siehst du aus?