Ich wollte nicht empfindlich erscheinen und beeilte mich, dem Drängen
des Barons: »Schnell, schnell, machen Sie sich fertig« Folge zu leisten.
Die Fahrt ging durch Wälder und Dörfer. Überall lachte uns der Frühling
entgegen, und seine zwingende Macht ließ mich bald alles vergessen, daß
ich froh wurde wie ein Kind. Hatte ich doch den kleinen Rudi zur Seite,
der sonst mit seinem jüngeren Brüderchen ganz der Fürsorge der Bonne
anheimgegeben ist, die schon ein schiefes Gesicht schneidet, wenn ich
mir nur ein Händchen von ihm geben lassen will. Er ist zart, und seine
großen Augen quellen über in unendlicher Liebe für alles Lebende.
Immer wieder suchte sein Blick die laut kläffend hinter dem Wagen her
eilenden Hunde. »I bitt, Papi, nicht so schnell,« bat er, »schau, wie
sie laufen -- das ist doch gewiß nicht gesund.« --
Der Baron lachte und fuhr langsamer.
Ein Wagen kam des Weges, hoch beladen mit Säcken. Ein magerer Gaul zog
ihn müde einher.
»Zieht das Pferd gern so schwer?« erkundigte sich Rudi. »Man muß es
fragen. Halt an, Papi, ich steige schnell aus« --
Da der Baron weiterfuhr, vergoß Rudi bittere Tränen, wurde jedoch durch
eine Schar barfüßiger Kinder schnell von seinem Schmerz abgelenkt. Die
Kleinen knicksten vor der Herrschaft. Clothilde warf ihnen Backwerk zu.
Rudi aber erkundigte sich voll Besorgnis: »Tun ihnen die Steine nicht
weh am bloßen Fuß? Wir müssen ihnen Schuhe schenken, Papi.« --
Die Fahrt ging weiter, und ich suchte Rudi mit der Versicherung zu
beruhigen, daß Barfußgehen ein Vergnügen für die Kinder sei.
»Wir wollen sie fragen«, sagte er etwas ungläubig.
Das geschah sofort, als wir vor einem Dorfwirtshaus ausstiegen. Kinder
umstanden den Wagen, und Rudi ging auf das erste beste kleine Mädchen
zu.
»I bitt, gehst du gern barfuß?« fragte er, dabei artig das Hütchen
ziehend.
Über und über rot, nickte die Kleine lebhaft mit dem Kopf, auch die
andern Kinder nickten lachend.