Aber Mutter sagte nur: »Kommsch grad' recht zur große Wäsch'.«

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Unendliche Freude gewährte mir ein Brief Petersens. Er tat mir Abbitte.

Er sei zu hart und scharf gewesen, ein echter Nordländer, wie wir ihn

zu nennen pflegten. Was er tun solle, um auch den letzten Rest meines

Grollens gegen ihn zu tilgen.

So und nicht anders konnte er sprechen. Ich wußte es wohl, denn von

herrlichen Menschen erwartet man nie zu viel Herrliches.

Tief berührt mich ein Gerede, das über Monz im Umschwang ist. Man wirft

ihm vor, der ehemals so laute Freiheitsprediger sei ein Jüstemilieuaner

geworden und lasse sich vom König von Württemberg für fürstenknechtige

Dienste bezahlen. Ich wollte es nicht glauben und fragte bei ihm

brieflich an, was es mit diesem Gerede auf sich habe. Er antwortete

mir, daß er allerdings die Stelle eines Bibliothekars in Stuttgart

bekleidet. Seine letzte Zeit in Freiburg habe seinen Glauben an wahre

Freundschaft und vernünftige Menschen geschwächt. Da er sich gegen die

Polen aussprach, seien ihm seine früheren Freunde ausgewichen, als

schmälere sein Umgang an ihrer Ehre, sogar ich sei ihm kalt höflich

begegnet. Er hoffe, sich in Württemberg ein Heim zu gründen, und schloß

mit dem Wunsch, ich möchte ihm meine Freundschaft nicht entziehen.

Mit dem Brief kam der erste Band seiner gesammelten Gedichte. Eines

darin ist an mich: »Anna Villinger -- das weibliche Zartgefühl«

betitelt.

Ein sehr minderwertiges, kühles Gedicht, während das auf den Tod von

Maria von Verleb schön und warm empfunden ist. Er vergleicht sie mit

der heiligen Cäcilia. Und wie er sie geliebt, zeigt ein Vers:

»Mein Traum entschwand, gefolgt von stummen Klagen;

Schon war dein inn'rer Morgen aufgegangen,

Ein andres Bild hielt deines fest gefangen,

Da ehrt' ich dich im Freund -- und im Entsagen --«

Und wenn er mein »weibliches Zartgefühl« auch nicht schön besang, so

ist es doch wahrlich zu preisen, denn mir ward ahnungsvoll inne, daß

eine Vernunftehe von beiden Seiten zu viel der Vernunft für eine Ehe

gewesen wäre.

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Es wundert mich, ob grausame Tyrannen oder Weltverfinsterer mehr zu

verantworten haben?

Es sollen künftig keine öffentlichen Predigten mehr im Seminarium

stattfinden, weil die Alumnen als künftige Landpfarrer der aufgeklärten

Musterpredigten der Professoren nicht bedürften.

O ihr armen, verkürzten Jünglinge! Wohl mag mancher unter euch

Gedankenfülle und Rednertalent besitzen, aber die Kunst, diese Gedanken

zu formen, daß sie Eingang finden ins menschliche Herz, die ist euch

genommen, da man euch das Vorbild entzogen. Denn wenn irgendwo die

Form nötig ist, so ist es in der Rede. Diese Neuerung hat mich auf das

bitterste betrübt, denn auch wir sind verkürzt, denen diese Predigten

geistvoller Professoren bisher ein wahres Seelenfest waren.

Armes Freiburg, was hast du verschuldet, daß du wie ein zweites Sodom

und Gomorra büßen sollst? Ist es ein Verbrechen, daß du eine Anzahl

Redlichdenkender, den großen, herrlichen Rotteck, Welcker, Reichlin

in dir bergest? Die Volksvertreter, so geehrt und geliebt von uns

allen, sind entlassen. Die »Freisinnige Zeitung« ist aufgehoben. Die

Aristokraten triumphieren. Die Machthaber verkünden ja nun ihre

zehntausend Gebote: Du sollst nicht schreiben, nicht sprechen, nicht

singen und so fort. Der Todesengel der Freiheit posaunet es durch die

Länder, daß die Volksstimme -- Gottesstimme -- verstumme. Die Stadt

verliert das Regiment. Man spricht auch von einem möglichen Verlust des

Hofgerichts, der Wegnahme des Bistums. Was soll aus uns werden, beraubt

von allem, was uns bisher Anregung und Bereicherung gab. Ja, ich

weine auch der Militärmusik nach, deren muntere Klänge mir die Seele

erfrischten wie den Körper das kaltklare Wasser.

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Meine Tante Anna · 第 19 / 51 题