Die Vorigen. Siegmund.
Siegmund. Soll ich nunmehr so glücklich sein, Ihr Ja zu erhalten?
Der Herr Vater hat mir seine Einwilligung gegeben. Sie lieben mich
doch, großmütige Schöne?
Lottchen. Und Sie lieben mich doch auch?
Siegmund. Sie kennen mein Herz seit etlichen Jahren, und Sie wissen
gewiß, daß mein größter und liebster Wunsch durch Ihre Liebe erfüllt
worden ist.
Lottchen. Aber... meine Schwester... Warum erschrecken Sie?
Siegmund. Ich erschrecke, daß Sie sich nicht besinnen, daß Sie mir
diese List selbst zugemutet haben. Sollte ich nicht durch eine
verstellte Liebe Julchens Herz versuchen? Reden Sie, Mamsell Julchen,
entschuldigen Sie mich.
Julchen. Mein Herr, entschuldigen kann ich Sie nicht. Bedenken Sie,
was Sie zu mir und zu meinem Vater und vor kurzem hier in dieser Stube
zu sich selbst gesagt haben, ohne daß Sie mich sahn. Alles, was ich
tun kann, ist, daß ich meine liebe Schwester bitte, Ihnen Ihre Untreue
zu vergeben.
Siegmund. Ich soll untreu sein?... Ich (Er gerät in Unordnung.) Ich
soll der aufrichtigsten Seele untreu sein? Wer? Ich? Gegen Ihren
Herrn Vater soll ich etwas gesprochen haben? Was sind das für
schreckliche Geheimnisse?... Sie sehn mich ängstlich an, meine
Schöne? Wie? Sie lieben mich nicht? Sie lassen sich durch meine
Widerlegungen nicht bewegen?... Sie hören meine Gründe nicht an?...
Bin ich nicht unschuldig?... Wer sind meine Feinde?... Ich berufe
mich auf mein Herz, auf die Liebe, auf den Himmel. ... Doch auch
mich zu entschuldigen könnte ein Zeichen des Verdachtes sein. ...
Nein, meine Schöne, Sie müssen mir ohne Schwüre glauben. Ich will Sie,
ich will meine Ruhe, mein Leben verlieren, wenn ich Ihnen untreu
gewesen bin. Wollen Sie mir noch nicht glauben?
Julchen. Herr Siegmund, Sie schwören?
Lottchen (mit Tränen). Er ist wohl unschuldig.
Siegmund. Ja, das bin ich. Ich liebe Sie. Ich bete Sie an und suche
meine Wohlfahrt in Ihrer Zufriedenheit. Wollen Sie jene vergrößern:
so stellen Sie diese wieder her, und lassen Sie den Verdacht fahren,
den ich in der Welt niemanden vergeben kann als Ihnen. Soll ich das
Glück noch erlangen, Sie als die Meinige zu besitzen?
Lottchen (sie sieht ihn kläglich an). Mich?... als die Ihrige?...
Ja!
Julchen. Meine Schwester!
Lottchen. Schweig. Herr Siegmund, ich möchte nur noch ein Wort mit
meinem Papa sprechen, alsdann wollen wir unsere Feinde beschämen.
Siegmund. Ich will ihn gleich suchen. Soll ich die übrige
Gesellschaft auch mitbringen? Wir müssen doch die gebräuchlichen
Zeremonien mit beobachten.
Lottchen. Ja. Ich will nur einige Worte mit dem Papa sprechen.
Alsdann bitte ich Sie nebst den andern Herren nachzukommen.