Julchen. Simon.
Julchen. Ob ich ihn meiner Schwester gönne? Wie könnte sie das von
mir verlangen? Sie hat ja das Rittergut. Ich liebe sie sehr; aber
wenn ich ihre Ruhe durch den Verlust des Herrn Damis befördern soll:
so fordert sie zu viel. Das ist mir nicht möglich.
Simon. Machen Sie sich keine Sorge. Sie wird es gewiß nicht begehren.
Ich muß Ihnen auch sagen, daß sie Ihnen nach dem Testamente
zehntausend Taler zu Ihrer Heirat abgeben soll.
Julchen. Das ist alles gut. Wenn ich nur meiner Schwester ihren
Liebhaber durch dieses Geld treu machen könnte, wie gern wollte ich's
ihm geben! Der böse Mensch! Kann er nicht machen, daß ich den Herrn
Damis verliere, indem er Lottchen verliert? Aber warum läßt der
Himmel solche Bosheiten zu? Was kann denn ich für seine Untreue? Ich
bin ja unschuldig.
Simon. Mein Mündel kann niemals aufhören, Sie zu lieben. Verlassen
Sie sich auf mein Wort. Jungfer Lottchen ist zu beklagen. Aber
besser ohne Liebe leben, als unglücklich lieben. Wenn sie doch käme!
Julchen. Aber wenn sie nun kömmt? Ich kann ja ihre Ruhe nicht
herstellen. Ich habe sie herzlich lieb. Aber warum soll denn meine
Liebe mit der ihrigen leiden? Nein, so großmütig kann ich nicht sein,
daß ich ihr zuliebe mich und... mich und ihn vergäße. Wenn sie doch
glücklich wäre! Ich werde recht unruhig. Er sagte, er wollte die
Zärtlichkeit der Freundschaft nachsetzen. Was heißt dieses?
Simon. Bleiben Sie ruhig. Mein Mündel ist der Ihrige. Sie verdienen
ihn. Und wenn Sie künftig an seiner Seite die Glückseligkeiten der
Liebe genießen: so verdanken Sie es der Tugend, daß sie uns durch
Liebe und Freundschaft das Leben zur Lust macht.