Diese Dinge, die kein Mensch erfassen kann, kein Mensch denken kann -- --

Der Tag graut, es wispert in meinem Zimmer, es kichert. »Der Mond fällt

rückwärts in den Wald,« sagt Ingeborg und kichert.

»Was sieht er wohl alles in einer Nacht?« sage ich.

Ingeborg kichert.

»Mir fällt eben ein, Ingeborg, erinnerst du dich, ein Mann hat geschrieben:

Des Lebens ungemischte Freude --?«

»Ja, o Axel, ein armer, armer, unglücklicher Mann war das --«

»Hahaha!«

»Sind wir Kinder?«

»Ja, ich bin so fröhlich, so leicht. Ich fliege. Ich könnte ohne Aufhören

lachen, lachen!« -- --

Auf der Wiese vor dem Schlosse stand eine kleine schlanke Birke. Sie hatte

seidenweiche junge Blätter, die immer etwas zu wispern hatten, und eine

Rinde so weiß und weich wie das Fell eines Kaninchens. Vor diese Birke

zimmerten wir eine Bank, Ingeborg und ich. Einen Tag brauchten wir dazu,

bis wir die Pflöcke zuspitzten, das Brett sägten. Wir lachten viel bei der

Arbeit und Ingeborg fieberte vor Eifer.

Viele Abende saßen wir auf dieser kleinen Bank und sahen zu wie die Sonne

unterging.

Wir saßen wieder auf der Bank unter der Birke und der Abend begann zu

glühen.

»Euch Göttern schreiben wir einen Brief! Wir Ingeborg und Axel!« sagte ich.

»Beginne Axel!« sagte Ingeborg.

Und ich begann: »Ihr Götter, ihr guten Götter, ihr habt eure guten und eure

schlechten Tage wie wir Menschen. An euern schlechten Tagen, da schafft ihr

Menschen mit gewöhnlichen Gesichtern und einer Seele nicht tiefer und

wärmer als eine Regenpfütze im März.

Aber an euern guten Tagen, da schafft ihr Menschen mit einem Antlitze,

unvergeßlich, mit einer glühenden tiefen Seele. An eurem besten Tage, da

schufet ihr Ingeborg.«

»Ihr guten Götter, ihr habt gewiß große Ohren, dann hörtet ihr was Axel

sprach und ihr vernahmet seine sanfte Stimme. Seht euch sein Gesicht an und

ihr wißt, wie gütig er sein muß.«

»Ihr Götter über den Wolken, ihr kennt Ingeborg wohl, dann begreift ihr

auch und ihr verzeiht mir, daß ich nicht mit euch über den Wolken wandeln

möchte, trotzdem ihr Götter seid.«

»Das möchte ich auch nicht!« schrie Ingeborg. »Nein, ihr alten freundlichen

Götter. Aber ich bitte euch, straft uns nicht für unsern Frevel!« -- --

Wir saßen wieder auf der Bank unter der kleinen Birke. Die Bank hatte

gerade Raum für zwei Menschen.

Es war in der Stunde, da die Sterne noch nicht aufgegangen sind und man sie

doch alle mit den Blicken ahnt.

Ich sagte: »Ingeborg, du bist mein Liebling, und mein Herz ist so reich

geworden, seitdem ich dich küßte.«

Ingeborg sagte: »O, Axel, ich erschrecke vor Freude, sehe ich deinen

Schatten um die Ecke kommen. Das Blut weicht aus meinen Wangen, wenn ich

deine Stimme höre. Es ist mir unbegreiflich, daß ich deine Küsse ertrage,

ohne zu sterben.«

Ich sagte: »O, Ingeborg, ich bin ein Garten, ein blühender Garten. Ich bin

in Blüte, Ingeborg!«

Ingeborg sagte: »Ich sehe alle Dinge verändert, und liebe sie mehr als je.

Ich liebe die Steine sogar, die auf der Straße liegen. Auf allen Dingen

scheinst du zu sein. Die ganze Welt ist ein Spiegel geworden, der dich mir

zeigt. Ich habe dein Lächeln schon im Laube einer Buche gesehen und deine

Hand in einer Wiese, die sich bewegte. Ach, käme doch etwas, wodurch ich

dir meine Liebe zeigen könnte. Ich würde betteln gehen für dich, von Haus

zu Haus --«

Ich sagte: »Ich höre kaum was du sagst, ich höre nur deine Stimme. Sie

singt mich in den Tod. Das ist herrlich. Das ist herrlich, die Augen zu

schließen und in Gedanken der Linie deines Profiles zu folgen.

Das ist herrlich, deine Haare anzusehen, ich habe jedes Fünkchen deiner

Haare im Gedächtnis. Wie sind deine Haare? Sie sind als ob sie überall

Augen hätten. Das ist herrlich, deine Wimpern haben einmal meine Schultern

berührt, immerzu fühle ich es -- jetzt -- in jeder Minute --«

Ingeborg · 第 14 / 57 题