Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]

Holbein stellte den Tod in der letzten zusammenhängenden Form, die eine

Leiche haben kann, als kahles Gerippe dar. Vereinzelt waren auch schon

andere auf diese Form gekommen, zum Beispiel Dürer in einer großartigen

Zeichnung vom Jahre 1505. Das war ein glücklicher Künstlergriff;

denn nichts konnte unheimlicher wirken, als wenn ein Knochengestell,

dem alle Mittel der Bewegung fehlten, sich dennoch bewegte, aus

eigener unerklärbarer Kraft. Holbeins anatomische Kenntnisse

waren freilich gering. Die Gerippe, die er zeichnete, wimmeln von

Unrichtigkeiten. Aber er schuf diese Darstellungen ja auch nicht, um

mit wissenschaftlichen Kenntnissen zu prunken. Den künstlerischen

Zweck erreichte er mit seinen fehlerhaften Gerippen so vollkommen,

wie kaum jemals ein anderer, der Ähnliches versucht hat. Er verstand

es meisterhaft, dem leeren Knochengerüst den Anschein eines lebenden

Wesens zu geben; die tiefen Schatten der leeren Augenhöhlen und das

scheinbare Grinsen der fleischlosen Kiefer gaben ihm die Mittel, einen

eigentümlich drastischen Gesichtsausdruck hervorzuzaubern, der in

seiner Mannigfaltigkeit alles Mienenspiel ersetzt.

[Illustration: Abb. 78. +Das Wappen des Todes.+ Aus der

Holzschnittfolge „der Totentanz“.]

Sein Totentanzalphabet (Abb. 71) beginnt im ~A~ mit einer Erinnerung an

die wirklichen Totentanzbilder: der Tod spielt auf zum Reigen; dabei

erscheint der Tod nicht als ein nur in der Einzahl vorkommendes Wesen,

es sind ihrer mehrere. Auch in vielen der folgenden Bildchen arbeitet

der Tod mit Gehilfen. Mit wilder Lust, oft mit grausig höhnendem Spott

fällt der Knochenmann über seine Opfer her, über die Menschen aller

Lebensstellungen. Er ergreift den Papst, den Kaiser, den König, den

Kardinal, die Kaiserin, die Königin, den Bischof, den Fürsten, den

Ritter, die Edelfrau, den Gelehrten, den Kaufmann, den Mönch, den

Soldaten, die Nonne, den Schalksnarr und die leichtfertige Dirne; er

gießt einem Säufer den letzten Trunk in die Kehle, springt hinter dem

Reisenden aufs Pferd, führt den Klausner freundlich von dannen, gesellt

sich in Begleitung eines Teufels zu Spielern und holt das Kind aus der

Wiege. Den Schluß bildet im ~Z~ das Jüngste Gericht.

[Illustration: Abb. 79. +Das Weltgericht.+ Aus der Holzschnittfolge

„der Totentanz“.]

Diese winzigen Bildchen sind in der That große Meisterwerke. Welcher

Reichtum der dichterischen Erfindung, welche Kraft der Kennzeichnung,

welche packende Lebendigkeit der Schilderung ist in jeder der in so

engen Raum gebundenen Kompositionen enthalten! Man begreift, daß der

Meister, der sich mit solcher Künstlerlust in den Gegenstand vertiefte,

das Verlangen empfinden mußte, dieselbe Sache auch einmal anders zu

behandeln, als in der beschränkten Gestalt von Buchstabenbildchen,

die noch dazu dem Publikum immer nur zerstreut, niemals in ihrem

durchdachten Zusammenhang zu Gesicht kamen. Er entwarf einen

„Totentanz“ zum Zweck der Veröffentlichung in einem selbständigen

Werk, in Zeichnungen, die zwar auch noch klein waren, ihm aber Platz

genug gewährten, um seine bildlichen Dichtungen weiter auszudichten und

ihnen durch Räumlichkeit und Landschaft, erforderlichenfalls auch durch

Hinzufügung von Nebenpersonen noch mehr Inhalt und Anschaulichkeit

zu geben. Die Zeichnungen wurden der größten Mehrzahl nach von

Lützelburger in mustergültiger Weise geschnitten.

Dieser Totentanz in Holzschnitten hat wie kein anderes Werk den Namen

Holbeins berühmt gemacht.

[Illustration: Abb. 80. +Jakob segnet Esau+ (1. Moses 27, 22). Aus den

Holzschnitten zum Alten Testament. (Originalgröße).]

[Illustration: Abb. 81. +Boas und Ruth+ (Ruth 2, 5). Aus den

Holzschnitten zum Alten Testament.]

[Illustration: Abb. 82. +Die betrübte Hanna+ (1. Samuel 1, 15). Aus den

Holzschnitten zum Alten Testament.]

[Illustration: Abb. 83. +Salomon segnet die Gemeinde+ (2. Chronica 6,

3). Aus den Holzschnitten zum Alten Testament.]

Merkwürdigerweise kam derselbe erst viele Jahre nach seinem Entstehen

zur Veröffentlichung. Nur fünf Probedruckexemplare sind vorhanden

(in den Museen zu Basel, Berlin und London, im Kupferstichkabinett

zu Karlsruhe und in der Nationalbibliothek zu Paris) von der ersten

beabsichtigten Ausgabe; die Zahl der Bilder beträgt hier vierzig,

und der Text beschränkt sich auf Überschriften in deutscher Sprache.

Von einer anderen Ausgabe, die ein Blatt enthält, welches dort fehlt

und die sich dadurch von jener unterscheidet, daß die Überschriften,

in denen auch einiges wenige anders gefaßt ist -- mit gotischen

(sogenannten deutschen) Lettern gedruckt sind statt mit den sonst

damals bevorzugten lateinischen, ist nur ein einziges Exemplar (in der

Pariser Bibliothek) vorhanden. Die erste wirkliche Veröffentlichung

erfolgte im Jahre 1538 zu Lyon durch die Druckerei der Brüder Caspar

und Melchior Trechsel. Diese Ausgabe enthält die 41 Bilder, jedes

von einer Bibelstelle in lateinischer Sprache und von französischen

Versen begleitet, mit einer Vorrede des französischen Herausgebers,

die der Äbtissin des St. Petersklosters zu Lyon gewidmet ist. In

späteren Auflagen, die auch mit ins Deutsche übertragenen Versen

erschienen, kamen noch acht Bilder hinzu, die in der ersten Ausgabe

weggeblieben waren, weil Lützelburger vor ihrer Vollendung vom Tode

hinweggerafft worden war, und weil -- nach den Worten des gelehrten

französischen Geistlichen, der die Vorrede verfaßte und in dieser,

mit Übergehung Holbeins, dem Formschneider alles Verdienst an den

Zeichnungen zuschrieb -- niemand an die unvollendeten Bilder die Hand

zu legen wagte, so wenig wie jemand den himmlischen Regenbogen berühren

könnte. Erst nach vielen Jahren fand sich eine andere Kraft, die der

hinterlassenen Aufgabe leidlich gerecht wurde. Diese nachträglich

geschnittenen oder im angefangenen Schnitt vollendeten sind Bilder,

die, ohne den Zusammenhang zu stören, weggelassen werden konnten; denn

sie reihen sich nicht der herkömmlichen Ordnung nach Ständen ein,

sondern enthalten -- wie die Bildchen der Buchstaben ~T~ bis ~X~ des

Todesalphabets -- frei erdachte Darstellungen sittenbildlicher Art

(Abb. 77). Von einigen Stücken, die erst in viel späteren Ausgaben,

lange nach des Künstlers Tode, eingeschoben worden sind, erscheint

es fraglich, ob ihre Einreihung in das Ganze von Holbein selbst

beabsichtigt war. -- Die drei ersten Bilder der Folge enthalten die

Einleitung des Bildergedichts: die Erschaffung der Eva, den Sündenfall

und die Vertreibung aus dem Paradies. Dann tritt der Tod auf; er hilft

Adam bei der Bearbeitung der Erde mit einem unbeschreiblichen Ausdruck

wilden Vergnügens. Die Freude des Todes darüber, daß die Menschheit

ihm verfallen ist, verkündet auf dem nächsten Blatt ein Konzert von

Gerippen, deren einige zum Hohn sich lächerlich aufgeputzt haben,

mit lärmendem Jubel. Und jetzt sucht der Tod alle Stände heim, vom

Papst und Kaiser angefangen bis zu dem Ärmsten und Geringsten und zum

unmündigen Kinde. Mit grausigem Humor mischt er sich in die Thätigkeit

der Menschen, bald heimlich, bald offen, unerkannt oder Entsetzen

verbreitend. Dem schmausenden König reicht er als Mundschenk den Wein,

als verbindlicher Kavalier geleitet er die Kaiserin und als tanzender

Narr ergreift er die Königin inmitten ihres Hofstaats. Höhnisch

trägt er Inful und Hirtenstab, da er den Abt hinwegzerrt; mit einem

Kranze geschmückt, wie ihn die jungen Stutzer bei Tanz und Gelagen

zu tragen pflegten, reißt er die Äbtissin über die Klosterschwelle;

als Mesner naht er sich dem Prediger. Bekränzt und tanzend verhöhnt

er, von einem lustig musizierenden Gerippe begleitet, eine alte Frau,

die rosenkranzbetend am Stabe dahinschleicht. Den Arzt sucht er als

Begleiter eines Patienten auf; mit fragender Miene reicht er dem

Gelehrten einen Schädel dar; dem Reichen raubt er sein Geld. Aus den

Wogen aufsteigend, zerbricht er den Mast eines Schiffes auf stürmischer

See (Abb. 73); von Panzer und Kettelhemd umschlottert, rennt er einem

Ritter den Speer durch Harnisch und Leib (Abb. 74). Er hilft beim

bräutlichen Schmücken der jungen Gräfin und schreitet als Trommler vor

dem vornehmen Ehepaar her (Abb. 75). Wie ein Wegelagerer überfällt er

den Krämer auf offener Landstraße; er treibt als übereifriger Knecht

das Gespann des Bauersmannes, der in reizvoll friedlicher Landschaft

hinter dem Pfluge herschreitet (Abb. 76). Welches der Bildchen man

auch betrachten mag, jedes einzelne ist eine beziehungsreiche,

geistvolle Schöpfung, in die man sich lange vertiefen kann. Als ein

bemerkenswertes Zeichen der Zeit sieht man in manchen der Blätter,

wie die humoristischen Züge sich in Satire verwandeln. Auch sieht man

die Zeitereignisse selbst sich wiederspiegeln; so sind bei dem Bilde

des Papstes, den der Tod aus einer Handlung höchster Machtentfaltung

herausreißt, während ein Teufel zum Empfang seiner Seele bereit

steht, die Anspielungen auf Leo X. († 1521) hinreichend deutlich; der

ehrenfeste alte Kaiser, der im Ausüben der Gerechtigkeit unterbrochen

wird (Abb. 72), ist unverkennbar Maximilian († 1519), und der König

trägt die Züge Franz’ I. von Frankreich, obgleich dieser damals noch

lebte; der Graf, dem der Tod in der Tracht eines Bauern entgegentritt,

um ihn mit dem eigenen Wappenschild niederzuschlagen, und der Ratsherr,

den der Tod abruft, während er sich weigert, einem geringen Mann Gehör

zu schenken, erinnern an den im Jahre 1525 bis an die Thore Basels

herantobenden Bauernaufstand und an die Ursachen seiner Entstehung.

Die Folge endigt mit dem allgemeinen Weltgericht (Abb. 78) und mit

einem Schlußblatt, welches das Wappen des Todes zeigt: ein Totenkopf

in zerfetztem Schild, eine Sanduhr und zwei erhobene Knochenarme als

Helmzier (Abb. 79); daß dem Herrscher Tod ein Wappen zustand, war

eine eingebürgerte Vorstellung, die ja auch Dürer einmal zu einem

Kupferstich angeregt hatte.

In demselben Verlage wie die Todesbilder, und ebenfalls erst im

Jahre 1538 erschien die größte von Holbein gezeichnete Bilderfolge,

seine Illustrationen zum Alten Testament. Daß auch diese Blätter in

den Jahren 1523 bis 1526, wenigstens der Mehrzahl nach, entstanden

sind, beweist der Umstand, daß die Schnittausführung der meisten die

Hand Lützelburgers erkennen läßt; diejenigen, welche von anderer

Hand geschnitten worden sind, fallen in sehr bemerklicher Weise

gegen die ersten ab. Die Trechselsche Veröffentlichung brachte die

Zeichnungen nicht, wie sie wohl ursprünglich gedacht waren, im Text

einer Bibelausgabe, sondern als selbständiges Bilderwerk. Jedem

Blatt wurde eine Anführung der betreffenden Schriftstelle und eine

kurze Erläuterung in französischen Versen beigegeben. Dazu kam eine

Vorrede in lateinischen Versen; in dieser wurde nicht, wie in der

Veröffentlichung des Totentanzes, Holbeins Name verschwiegen; vielmehr

wurde der Künstler, der sich freilich gefallen lassen mußte, daß sein

Name dem Versmaß zuliebe die verkümmerte Form Holbius annahm, über

Apelles und die anderen berühmtesten Maler des griechischen Altertums

erhoben. Der Verfasser der Vorrede hatte Holbein persönlich kennen und

bewundern gelernt. -- In demselben Jahre wie die erste Ausgabe des

später noch oftmals aufgelegten Bilderwerks erschienen die Zeichnungen

auch in einer lateinischen Bibelausgabe, die von einem anderen Drucker

zu Lyon, Hugo a Porta, veranstaltet wurde. In dieser seltenen Ausgabe

sind einige Bilder weggelassen; dafür aber ist eines, der Sündenfall,

vorhanden, das dort fehlt und das sonst nur in einem im Museum zu Basel

bewahrten Probedruckexemplar vorkommt. -- Holbeins Bilder zum Alten

Testament sind im allgemeinen viel weniger bekannt, als sein Totentanz.

Aber diese 91 Bildchen -- das Format ist auch hier ein kleines --

verdienen die allergrößte Beachtung. Während der Künstler in jenem

anderen Werk durch seine geistreichen Einfälle überrascht und fesselt,

schließt er sich hier schlicht und treu an das zu verbildlichende

Wort des Textes an. Er zeigt sich als ein Erzähler allerersten

Ranges, der in jeder Darstellung alles, worauf es ankommt, mit der

liebenswürdigsten Einfachheit und Natürlichkeit, in knappster Fassung

zu sagen weiß, nichts wesentlich zur Sage Gehöriges vergißt und alles

Überflüssige vermeidet (Abb. 80-85).

[Illustration: Abb. 84. +Die Heimkehr aus der babylonischen

Gefangenschaft+ (1. Esra 1, 5). Aus den Holzschnitten zum Alten

Testament.]

[Illustration: Abb. 85. +Der Prophet Amos+ (Amos 1, 1). Aus den

Holzschnitten zum Alten Testament.]

Zu den Schnitten Lützelburgers gehört auch ein in sehr wenigen

Exemplaren erhaltenes Bildchen, das offenbar als Kopfstück ein

fliegendes Blatt geschmückt hat, ein von reformatorischer Seite

ausgegebenes Spottblatt, das um seiner Schärfe willen von der Baseler

Obrigkeit unterdrückt worden sein mag. Dasselbe zeigt in seiner rechten

Hälfte einen geschmückten Saal, in dem die Leute sich drängen, um die

von dem thronenden Papste, dessen Person das allenthalben angebrachte

Mediceerwappen kennzeichnet, ausgegebenen Ablaßzettel zu kaufen; links

aber sieht man draußen im Freien David, Manasse und den armen Zöllner

als die Vertreter der wahren Bußfertigen, und diesen breitet Gott Vater

vom Himmel herab seine Arme entgegen. Eine Zeichnung ähnlicher Art, die

in der feinen Schnittausführung ebenfalls Lützelburgers Hand erkennen

läßt, erschien als Kopfstück des 1527 gedruckten „Evangelischen

Kalenders“ von ~Dr.~ Johannes Copp. Das Bildchen zeigt Christus als das

wahre Licht, das die Welt durchstrahlt und das gläubige Volk an sich

zieht, während der Papst und seine Geistlichkeit ihm den Rücken wenden,

um, von den heidnischen Philosophen Plato und Aristoteles angeführt, in

den Abgrund zu stürzen.

Der kirchliche Zwiespalt, in den der Künstler sich mit diesen

Blättern mischte, nahm in Basel scharfe Formen an. Alles entbrannte

in religiösem Parteieifer. Dabei froren die Künste, wie Erasmus

sich in einem Briefe ausdrückte. Es machte sich eine entschieden

bilderfeindliche Partei geltend. Im Januar 1526 richtete die

Malerzunft ein Bittgesuch an den Rat, er möge gnädiglich dafür sorgen,

daß sie, die eben auch Frau und Kinder hätten, in Basel verbleiben

könnten. Auch Holbeins Erwerbsverhältnisse gestalteten sich schlecht.

Wie wenig Verwendung die Regierung Basels für seine Kunst hatte, geht

aus den Ratsrechnungen hervor, die als einzige an Holbein in diesen

Jahren geleistete Zahlung einen geringfügigen Betrag nennen, den

er im März 1526 dafür bekam, daß er „etliche Schilde am Städtlein

Waldenburg,“ wohl das obrigkeitliche Wappen an öffentlichen Gebäuden

dieser zum Baseler Gebiet gehörigen Stadt, gemalt hatte.

[Illustration: Abb. 86. +Jakob Meyer zum Hasen.+ Zeichnung in schwarzer

und farbiger Kreide, Studie zu dem Madonnenbild in Darmstadt. Im Museum

zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

Doch war es aller Wahrscheinlichkeit nach in eben diesem Jahre, daß

Holbein von seinem alten Gönner Jakob Meyer einen Auftrag bekam,

in dessen Ausführung er ein Werk schuf, das zweifellos unter allen

religiösen Bildern, die von ihm erhalten geblieben sind, das schönste

ist.

Jakob Meyer zum Hasen, der das Bürgermeisteramt zum letztenmal im

Jahre 1521 bekleidet hatte, hielt, während die Reformation in Basel

immer mehr die Überhand bekam, streng an der alten Kirche fest. So

ließ er gerade damals, wo die katholische Partei sich kaum noch im

Rat zu behaupten vermochte, ein offenbar zur Aufstellung auf einem

Kapellenaltar bestimmtes Gemälde anfertigen, in dem er gleichsam ein

öffentliches Glaubensbekenntnis ablegte. Er ließ sich selbst mit seiner

ganzen Familie abbilden, wie sie sich unter den Schutz und Schirm der

Jungfrau Maria stellen. In der Ausführung dieses Auftrags schuf Holbein

das herrliche Marienbild, das sich jetzt im Besitz des Großherzogs von

Hessen befindet und im großherzoglichen Schlosse zu Darmstadt bewahrt

wird.

Von den Vorarbeiten Holbeins zu diesem Gemälde haben sich die

Bildnisaufnahmen von Jakob Meyer, von Frau Dorothea und von deren

Tochter Anna erhalten. Diese drei Zeichnungen, in der bekannten Art

des Künstlers mit schwarzer Kreide unter Zuhilfenahme von ein paar

Buntstiften ausgeführt, befinden sich im Museum zu Basel. Der Kopf des

Mannes (Abb. 86) ist auf gelblich getöntem Hintergrund mit Schwarz

und Rot in ganz leichter Behandlung zu ganz sprechender Wirkung

gebracht; auch der Ausdruck, den er im Gemälde bekommen sollte, ist

schon angedeutet. Der Kopf der Frau (Abb. 87) ist durch das „Gebände“

stärker verhüllt, als es dem Maler später bei der Ausführung gut

schien; die Farbenangaben beschränken sich auf das Rot im Gesicht und

etwas Braun zur Bezeichnung des die Haube durchschimmernden Haares und

des Pelzfutters am Mantelkragen. Anna Meyer (Abb. 88), deren Alter

von etwa dreizehn Jahren für die Feststellung der Entstehungszeit des

Bildes mitbestimmend ist, ist gleich in halber Figur gezeichnet, die

Arme annähernd in der Haltung, die sie im Gemälde bekommen sollten;

von leicht grünlich angetuschtem Hintergrund heben sich das Gesicht

mit seinem zarten Fleischton, das goldbraune Haar, dessen Farbe mit

ineinander gezeichnetem Gelb und Braun erreicht ist, und die weiße

Kleidung, die durch einen roten Gürtel und durch gelb angegebene

Verzierungen am Halsband belebt wird, in fast schon völlig malerischer

Wirkung ab. Das junge Mädchen sieht in der Zeichnung entschieden

vorteilhafter aus, als im Gemälde; das liegt hauptsächlich daran, daß

das offene Haar sie viel besser kleidet, als der festliche, wohl bei

einer besonderen Veranlassung, etwa der ersten Kommunion, gebräuchliche

Kopfputz, der den größten Teil des in Zöpfen hochgesteckten Haares

verdeckt.

[Illustration: Abb. 87. +Jakob Meyers Ehefrau Dorothea Kannegießer.+

Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide, Studie zu dem Madonnenbild

in Darmstadt. Im Museum zu Basel. (Nach einer Originalphotographie von

Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)]

Das Gemälde selbst (Abb. 89), in dreiviertel Lebensgröße ausgeführt,

ist eines der seltenen Kunstwerke, die gleich beim ersten Anblick den

Beschauer mit der ganzen Macht einer vollkommenen Kunst überwältigen

und die man, wenn man sie einmal gesehen hat, nie wieder vergißt.

[Illustration: Abb. 88. +Anna Meyer.+ Zeichnung in schwarzer und

farbiger Kreide, Studie zu dem Madonnenbild in Darmstadt. Im Museum zu

Basel.]

[Illustration: Abb. 89. „+Madonna des Bürgermeisters Meyer.+“ Im

großherzoglichen Schloß zu Darmstadt.]

[Illustration: Abb. 90. +Alte Kopie von Holbeins „Madonna des

Bürgermeisters Meyer.“+ In der königl. Gemäldegalerie zu Dresden.

(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]

[Illustration: Abb. 91. „+Lais Corinthiaca.+“ Ölgemälde von 1526. Im

Museum zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

[Illustration: Abb. 92. +Liebesgöttin.+ Ölgemälde, im Museum zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

[Illustration:

Elisabeth Margareta John Thomas John More, Cäcilie Alice, Thomas

Dancy, Gigs, eine More, Morus. der Sohn. Heron, Morus’ zweite

zweite mit den Thomas’ jüngste Frau.

Tochter. Töchtern Vater. Tochter.

erzogene Anna Grisacre, Henry Margareta Roper,

Verwandte. Braut des Sohnes. Paterson, älteste Tochter.

der Hausnarr.

Abb. 93. +Entwurf zu dem Familienbild des Thomas Morus.+ Federzeichnung

im Museum zu Basel.

Die Namensbeischriften auf dieser Zeichnung sind von der Hand Thomas

Morus’, die Notizen über einige Änderungen in der Anordnung von der

Hand Holbeins.]

[Illustration: Abb. 94. +Thomas Morus.+ Zeichnung in schwarzer und

farbiger Kreide, Studie zu dem More’schen Familienbild.

In der Bibliothek der Königin von England im Schlosse zu Windsor. (Nach

einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]

[Illustration: Abb. 95. +Sir John More, Vater von Thomas Morus.+ Studie

zu dem More’schen Familienbilde, mit schwarzer und farbiger Kreide

gezeichnet. In der Bibliothek der Königin von England im Schlosse zu

Windsor.

(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]

Die Himmelskönigin erscheint hier nicht thronend, sondern sie steht

aufrecht mitten unter der Familie des Stifters, über die ihr Mantel

sich ausbreitet; das göttliche Kind schmiegt sein Köpfchen an die

Brust der Mutter und streckt das Händchen segnend über die Beter

aus. Auf der einen Seite kniet Jakob Meyer in inbrünstigem Gebet,

neben ihm sein etwa zwölfjähriger Sohn, dessen Andacht einigermaßen

gestört wird durch das jüngste Familienmitglied, ein entzückendes

nacktes Knäblein, das sich um himmlische Dinge noch gar nicht kümmert

und vom Bruder mit beiden Händen festgehalten werden muß. Gegenüber

knieen die erste und die zweite Frau des Bürgermeisters in stiller

ernster Andacht, sowie die einzige Tochter, deren Aufmerksamkeit

zwischen dem Rosenkranz in ihren Händen und dem niedlichen kleinen

Brüderchen geteilt erscheint. -- Etwas Wunderbares von Ausdruck ist

der Kopf Meyers: tiefste, aufrichtige Frömmigkeit eines Mannes, der in

vertrauensvollem Gebet Beruhigung sucht gegenüber den Bitterkeiten,

die ihm die Außenwelt und das eigene trotzige Gemüt bereiten; und

wie stimmen mit den gespannten Muskeln des Gesichts die ineinander

gepreßten Finger überein! Und wie wird dieser Ausdruck durch den

Gegensatz der unschuldigen Knabengesichter gehoben! Sehr eigentümlich

wirken die beiden Frauen nebeneinander: die eine, die so recht

mitten im Leben steht, deren gesundem, beweglichem Gesicht man die

unermüdliche Thätigkeit der waltenden Hausfrau ansieht, und die

längst verstorbene, die nicht mehr zu dieser Welt gehört, die in der

geraden Profilansicht von Kopf und Gestalt den Eindruck einer starren

Regungslosigkeit macht, und von deren Gesicht -- das Holbein nie

gesehen hatte -- nur ein kleines Stück aus dem verhüllenden Gebäude

wie aus Leichentüchern hervorschaut. Eigentümlich wirkungsvoll ist es

auch, daß man von den gefalteten Händen der Frauen, die Tochter mit

einbegriffen, nur Fingerspitzen sieht. Über den Menschengesichtern

in ihrer bewegten Mannigfaltigkeit steht das Antlitz der Gnadenmutter

in himmlischer Ruhe, ein Antlitz, das in seiner Schlichtheit von Form

und Ausdruck eine so ernst und innig empfundene Künstlerschöpfung

ist, daß es selbst mit den frommen Meisterwerken des XV. Jahrhunderts

den Vergleich aushält. Das Jesuskind blickt den Beschauer mit nur

halbzugewendetem Gesicht mit schmerzlichen Zügen, als ob es eben

geweint hätte, an. Das ist ein sicher nicht von dem Maler, sondern

von dem Besteller ausgehender Gedanke, den Erlöser in solcher Weise

seinem Kummer über die kirchlichen Zustände Basels Ausdruck geben zu

lassen. Auf Rechnung des Künstlers ist es zu setzen, daß das Jesuskind

mit der linken Hand segnet; hätte der Maler das Kind die rechte Hand

aufheben lassen, so hätte er auf das die Stimmung, die der Wunsch des

Bestellers angegeben hatte, so wesentlich steigernde Motiv verzichten

müssen, daß das Kind sich wie müde zurücklehnt. -- Im Jahre 1887 ist

das Gemälde, das an vielen Stellen von willkürlichen Übermalungen

bedeckt war, durch kundige Hand von diesen befreit worden, und es ist

unter der Schicht der Überarbeitungen in einem überraschenden Zustand

von Unversehrtheit zu Tage gekommen, so daß wir in diesem Meisterwerk

Holbeins die Pracht seiner Farbe ganz und voll bewundern können,

die sich hier in einer Frische zeigt, als ob das Bild eben erst die

Staffelei verlassen hätte. Der leuchtende Kernpunkt des Farbenzaubers

ist das Gesicht Marias, ganz hell, mit rosigen Wangen. Das blonde Haar,

das unter der goldenen, mit Perlen und einem violettroten Edelstein

geschmückten Krone dieses Gesicht umschließt, ist weich und wunderbar

fein; wie es lockig flimmert und mit seinen losen Enden auf dem Mantel

haften bleibt, das ist etwas Einziges; es ist mit künstlerischem

Wonnegefühl gemalt; Dürer hat niemals die einzelnen Härchen mit

größerer Feinheit gezeichnet, dabei ist aber hier zugleich das Haar

als Ganzes vollendet malerisch. Der Marienkopf mit seiner goldigen

Einfassung und mit dem krausblonden Kopf des Jesuskindes, dessen Körper

die Helligkeitsfarbe des Gesichts fortführt bis zu den Händen Marias,

so daß all diese zarten Fleischtöne eine geschlossene Lichteinheit

bilden, hat als Hintergrund den schimmernden Ton einer muschelförmigen

Nischenwölbung aus blank geschliffenem braunroten Marmor. Der übrige

Teil der Nische besteht aus einem grauen Stein, dessen kalte Farbe

mit anspruchslosen Tönen in das Blau der daneben sichtbar werdenden,

von grünen Feigenbaumzweigen durchschnittenen Luft hinüberleitet.

Marias Kleid ist dunkel grünblau, mit goldfarbigen Unterärmeln, in

denen, wie auch in allen Schmucksachen, wirkliches Gold beim Malen

angewendet ist; die große dunkle Masse des Gewandes, dessen Schatten

mit der unbeleuchteten Innenseite des grünlichgrauen Mantels ganz

zusammengehen, wird durch einen hochroten Gürtel unterbrochen; an den

Handgelenken kommt ein schmaler Weißzeugstreifen zum Vorschein, und am

Brustsaum liegt ein dünner, schleierartiger Stoff zwischen Kleid und

Hals. Die Gruppe zur Rechten Marias geht aus tiefem Schwarz, das in

Meyers Haar und seinem aus Moireestoff gefertigten, mit hellbraunem

Pelz gefütterten Überrock steht, in das Licht des dem Christuskörper

an Helligkeit gleichkommenden Fleisches des Kleinen über durch farbige

Mitteltöne hindurch, die die Kleidung des größeren Knaben gibt;

dieser braunlockige Knabe hat einen hellbraunen Rock mit braunrotem

Sammetbesatz, mit goldenen Hafteln und Nesteln, an dünnen blauen

Schnürchen und zinnoberrote Beinkleider an; an seinem Gürtel hängt eine

gelblichgrüne Börse mit mattblauen Seidenquästchen. Eine entsprechende

Abstufung geht durch die drei Gesichter: die kräftige Gesichtsfarbe

Meyers, mit blauen Spuren des rasierten Bartes, die frische Farbe

des Knaben und das zarte Kindergesicht. In der Gruppe der Frauen

stehen zwischen Schwarz und Weiß außer dem Gesicht der lebenden Frau,

das, ganz von Weiß umgeben, doppelt farbig wirkt, nur wenige kleine

Farbenflecken; das Kopfband von Anna Meyer besteht aus Goldstoff mit

reicher Perlenstickerei, karminrote Seidenquästchen hängen über dem

braunen Zopf, oben auf dem Band liegt ein Kränzchen von weißen und

roten Blumen mit wenigen grünen Blättchen; der Rosenkranz in Annas

Händen ist rot. Der Fußteppich, der nach vorn über eine niedrige Stufe

fällt, hat auf dunkelgelbem Grund rot und grüne Musterungen mit etwas

Weiß und Schwarz; sein Gesamtton ist sehr warm. -- Die Beschreibung der

Farben eines Bildes kann freilich von ihrer Stimmung keine Vorstellung

geben. Die Farbenstimmung des Darmstädter Gemäldes ist so, als ob man

Kirchenglocken läuten hörte.

[Illustration: Abb. 96. +Wilhelm Warham, Erzbischof von Canterbury.+

Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide, in der Bibliothek der

Königin von England im Schlosse zu Windsor. (Nach einer Photographie

von Franz Hanfstängl in München.)]

[Illustration: Abb. 97. +Wilhelm Warham, Erzbischof von Canterbury.+

Ölgemälde im Louvremuseum zu Paris.]

[Illustration: Abb. 98. +Johannes Fischer, Bischof von Rochester.+

Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide, in der Bibliothek der

Königin von England im Schlosse zu Windsor. (Nach einer Photographie

von Franz Hanfstängl in München.)]

[Illustration: Abb. 99. +~D.~ Stockesley, Bischof von London.+ In

der königl. Gemäldegalerie des Schlosses zu Windsor. (Nach einer

Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und

Paris.)]

In der Farbe und ihrem Eindruck auf das Gemüt des Beschauers liegt

der größte Unterschied zwischen dem Originalgemälde der „Madonna

des Bürgermeisters Meyer“ und der in der Dresdener Gemäldegalerie

befindlichen Kopie desselben, die, in unbekannter Zeit entstanden,

so geschickt gemalt ist, daß sie mehr als ein Jahrhundert lang für

das Original gelten konnte. Aber nicht in der Farbe allein. Auch die

photographische Abbildung zeigt, wieviel die Komposition an Innigkeit

verloren hat dadurch, daß der Kopist die Holbeinsche Gedrungenheit in

der Figur Marias durch schlankere Verhältnisse verbessern zu müssen

glaubte, und daß er, ebenfalls aus einem falschen Schönheitsgefühl, die

Nische höher gemacht hat; und auch, wie in den Köpfen die Charaktere

unter der Hand des Kopisten abgeschwächt worden sind (Abb. 90).

Wohl nicht auf Bestellung, sondern aus eigener Lust gemalt in

freier Zeit, die die bilderfeindlichen Verhältnisse des Jahres 1526

dem Künstler ließen, sind zwei idealisierende Bilder einer jungen

Dame, die sich im Museum zu Basel befinden, und von denen eines

diese Jahreszahl trägt. Die in kleinem Maßstabe -- etwa ein Drittel

Lebensgröße -- mit köstlicher Feinheit ausgeführten Gemälde zeigen

in fast übereinstimmender Farbenwirkung die blonde junge Frau,

deren helle Haut einen etwas matten Ton hat, in halber Figur, in

einem Kleide von dunkelrotem Sammet mit weiß ausgepufften und mit

goldenen Nestelschnürchen besetzten Schlitzen, mit weiten Überärmeln

von dunkelgoldfarbiger Seide; sie sitzt hinter einer Brüstung von

grauem Stein, in ihrem Rücken hängt ein dunkelgrüner Vorhang in

breiten Falten herab. In dem einen Bilde sieht man auf der Platte

der Steinbrüstung ein Häuflein Goldstücke liegen; die Dame streckt

ihre Rechte dem Beschauer geöffnet entgegen, wie um mehr einzunehmen,

während ihre Linke in den Falten eines über dem Schoß liegenden

blauen Mantels ruht; sie blickt mit gesenkten Augen vor sich hin,

und in dem Ausdruck des feinen Gesichts liegt eine stille, tiefe

Traurigkeit. Auf der Kante der Steinplatte stehen wie eingemeißelt die

Worte: „~Lais Corinthiaca.~ 1526“ (Abb. 91). In dem anderen Bilde,

das sich hinsichtlich der Kleidung dadurch von jenem unterscheidet,

daß auf dem Haar statt des Goldhäubchens, das man dort sieht, ein

schwarzes, mit etwas Gold verziertes Häubchen sitzt, und daß die

Unterarme unverhüllt aus den gelbseidenen Überärmeln hervorkommen,

blickt die Schöne den Beschauer lächelnd an, ihre Hand bewegt sich

zu einladendem Gruß; von ihren Knieen aus lehnt sich ein Amor über

die Steinbrüstung, ein allerliebster rothaariger kleiner Schelm, der

einen Pfeil im Händchen hält (Abb. 92). Der Sinn der beiden Gemälde

wird durch ihre Nebeneinanderstellung klar: das begehrte Gold vermag

das junge Weib nicht glücklich zu machen, aber die Liebe. Über die

Beziehungen Holbeins zu der so von ihm abgemalten Persönlichkeit läßt

die Unterschrift „~Lais Corinthiaca~“ kaum einen Zweifel. Die wegen

ihrer verführerischen Schönheit berühmte Hetäre Lais von Korinth war

eine Geliebte des Apelles; und Apelles genannt zu werden, daran war

Holbein ebenso wie andere von gelehrten Bewunderern umgebene Maler

jener Zeit gewöhnt. Den Namen der Dame verrät das alte Verzeichnis der

Amerbachschen Sammlung: sie war eine Tochter des Adelsgeschlechts von

Offenburg.

Schon im Jahre 1524 hatte Erasmus von Rotterdam daran gedacht,

seinem jungen Freund, dessen Einnahmen in Basel in keinem Verhältnis

standen zu seiner hohen Begabung, ein fruchtbareres Erwerbsgebiet

zu verschaffen, indem er ihn seinen Freunden in England empfahl.

Und Thomas Morus, der große Staatsmann und Gelehrte, der wenige

Jahre später Lordkanzler von England wurde, versprach in seinem

Antwortschreiben an Erasmus, er wolle sein möglichstes für dessen

Maler thun, den er aus den übersandten Werken als „einen wunderbaren

Künstler“ erkannt hatte. Unter den für die Kunst sich immer trüber

gestaltenden Verhältnissen Basels entschloß sich Holbein, dem Rate

seines Gönners zu folgen, und verließ Basel gegen den Herbst 1526, um

über Antwerpen nach England zu reisen.

Als Freund des Erasmus wurde Holbein im Hause des Thomas Morus in

Chelsea als ein lieber Gast aufgenommen. Als Künstler war er hier,

auch ehe Erasmus sein von ihm gemaltes Bildnis an Morus sandte, kein

ganz Unbekannter; denn in der Ausgabe von Morus’ in der ganzen Welt

gelesenem Buche „Utopia“, die Froben im Jahre 1518 veranstaltete, war

der Widmungstitel mit der von Holbein im Jahre 1515 entworfenen und mit

seinem Namen bezeichneten Einfassung geschmückt.

[Illustration: Abb. 100. +Sir Henry Guildford, Stallmeister König

Heinrichs VIII.+ Gemälde von 1527 in der königl. Gemäldegalerie des

Schlosses zu Windsor.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

[Illustration: Abb. 101. +Bildnis eines Unbekannten.+ Im Pradomuseum zu

Madrid.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

[Illustration: Abb. 102. +Nikolaus Kratzer, Hofastronom König Heinrichs

VIII. von England.+ Ölgemälde von 1528.

Holbein der jüngere · 第 32 / 39 题