Das Thema war sehr volkstümlich. Bis in das XIV. Jahrhundert
lassen sich die Anfänge der sogenannten Totentanzdarstellungen
zurückverfolgen. Es waren Bilder, die die Nichtigkeit alles Irdischen
dadurch veranschaulichten, daß sie den Gestalten Lebender die Gestalten
von Toten gegenüberstellten, die einst dasselbe gewesen waren wie jene
und jetzt nichts mehr besaßen als die nackte Häßlichkeit verwesender
oder eingetrockneter Leichname. Im XV. Jahrhundert ließen besonders die
Predigermönche oftmals ganze Reihen von solchen Paaren an geeigneten
Stellen, in der Vorhalle der Kirche, im Klostergang oder wo sonst sie
von vielen gesehen werden konnten, an die Wand malen; erläuternde
Verse, volkstümlich gefaßt, wurden dazu geschrieben. In den Versen
sprachen die Toten mit den Lebenden, in den Bildern reichten sie ihnen
die Hand. Das waren Bilderpredigten, die den Beschauer zum Denken an
das Ende mahnen sollten und dadurch, daß in den dargestellten Personen
alle Stände, geistliche und weltliche, von den höchsten bis zu den
niedrigsten, gekennzeichnet wurden, auf die Gleichheit aller im Tode
hinwiesen. Die Reihen von Paaren bildeten gleichsam einen Reigen.
Daraus entwickelte sich von selbst der Gedanke, die ganze Darstellung
als einen Tanzreigen aufzufassen; die Zeit liebte die Würze des Humors
auch in sehr ernsten Dingen. Beim Reigen durfte der Spielmann nicht
fehlen. Der aber hier zum Tanze fiedelte, war der Tod selbst, als
persönliches Wesen gedacht und ebenfalls in der Gestalt einer lebenden
Leiche gebildet. Diese Bilder waren die eigentlichen Totentänze. Auch
Basel besaß zu Holbeins Zeit einen berühmten Totentanz, der sich an
der Kirchhofsmauer des Predigerklosters befand und der eine freie
Nachbildung eines noch älteren Werkes im Nonnenkloster Klingenthal zu
Klein-Basel war. Der Name ist an dem ganzen Kreise von Darstellungen
haften geblieben, obgleich seit dem Beginn des XVI. Jahrhunderts die
Darstellungsweise sich wesentlich veränderte. In den entsprechenden
Bildern, welche die Künstler dieser Zeit, und so auch Holbein,
entwarfen, treten keine Toten mehr auf, und es wird auch nicht mehr
getanzt. An Stelle des Toten ist es der Tod, der in jedem Bilde sich
dem Lebenden gesellt.
[Illustration: Abb. 77. +Der Tod und die Spieler.+