[Illustration: Abb. 37. +Entwurf zu einem Wappenfenster.+
Tuschzeichnung im Museum zu Basel.]
[Illustration: Abb. 38. +Entwurf zu einem bischöflichen Wappen.+
Getuschte Vorlage für Glasmalerei.
Im Museum zu Basel.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
i. E. und Paris.)]
[Illustration: Abb. 39. +Das Wappen von Basel.+ Getuschter und leicht
mit Wasserfarben angelegter Entwurf zu einem Glasgemälde. Im Museum zu
Basel.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
i. E. und Paris.)]
[Illustration: Abb. 40. +Die Schutzheiligen von Freiburg.+ Holzschnitt
auf der Rückseite des Titels der im Jahre 1520 erschienenen
„Stadtrechte und Statuten der löblichen Stadt Freiburg im Breisgau“ von
Ulrich Zasius.
Unterschrift:
„Machtvoll nimm in den gnädigen Schutz, o Jungfrau, dein Freiburg,
Daß keinen Schaden ihm thun Geister des höllischen Reichs.
Zeige auch du, Lambertus, als Schirmer dich deinen Altären,
Ritter vom heiligen Land, wehre dem unholden Heer.“
Die von Holbein angefertigten Vorlagen für Wappenfenster sind
Meisterwerke reichen Geschmacks. Auch unter diesen Blättern befindet
sich eins, das sich als aus der Zeit des Aufenthalts in Luzern stammend
zu erkennen gibt. Es ist mit der Jahreszahl 1518 bezeichnet und
zeigt das Wappen der Luzerner Familie Holdermeier. Der heraldische
Teil der Darstellung beschränkt sich hier auf den am Boden stehenden
Wappenschild; die Hauptsache ist eine Gruppe von drei Bauern, grotesk
aufgefaßten Gestalten, die in lebhaftem Gespräch hinter dem Schilde
stehen; der architektonische Rahmen, ein pfeilergetragener Bogen, als
Marmor gezeichnet, enthält in den Bogenzwickeln wieder Bauernbildchen,
Schnitter und Mäher darstellend (Abb. 34). Wenn es sich um Wappen von
Personen handelte, die auf kriegerischem Felde thätig waren, lag es
nahe, die heraldische Darstellung in ähnlicher Weise, wie es dort mit
Bauern geschehen war, mit Kriegerfiguren zu bereichern; die malerischen
Gestalten der Landsknechte in ihrer phantastischen Tracht mußten dem
Geschmack Holbeins ganz besonders zusagen. So finden wir in einer
Zeichnung einen grimmig aussehenden Kriegsmann mit einem mächtigen
Zweihänder auf der Schulter als Schildhalter verwendet; dabei ist
auch das obere Feld der Umrahmung mit einer Darstellung kämpfenden
Fußvolks geschmückt (Abb. 35). Auf einem anderen, sehr schönen Blatt
stehen zwei Landsknechte an den Seiten des Schildes (Abb. 37). Ein
ähnliches Blatt, mit der Zuthat von Heldenfiguren des Altertums und von
einem Kampf nackter Männer in der Rahmenarchitektur, befindet sich im
Berliner Museum (Einschaltbild Abb. 36). In den beiden letztgenannten
Zeichnungen sind die Schilde leer gelassen. Dieselben können darum
nicht für eine bestimmte Persönlichkeit angefertigt worden sein,
da eine solche vor allem ihr Wappen im Wappenschilde hätte sehen
wollen. Holbein hat sie also auf Vorrat gemacht, für sich oder für
den Glaser, der dann je nach der Person eines etwaigen Bestellers das
Heraldische auszufüllen hatte. Auch bei einem sehr prunkvollen großen
Entwurf eines Bischofswappens, der mit einer fast überschwenglichen
Formenfülle die Bildfläche überspinnt, ist der Schild und außerdem der
Platz für die Devise oder eine sonstige Inschrift leer gelassen (Abb.
38). Zwei ganz verschiedenartige reiche Kompositionen enthalten das
Wappen von Basel. Auf dem einen dieser Blätter steht der Wappenschild,
von Kindern gehalten, zu den Füßen der Jungfrau Maria; an den
Seiten stehen der heilige Kaiser Heinrich und der heilige Bischof
Pantalus; der einschließende Architekturbogen ist mit leeren Schilden
belegt und mit den Medaillonbildern römischer Imperatoren zwischen
Arabesken geschmückt. Das andere Blatt, dem ungewöhnlicherweise
die architektonische Umrahmung fehlt, zeigt das Baseler Wappen mit
Basilisken als Schildhaltern unter einem im Bau begriffenen Thorbogen,
der wieder den Kranz leerer Schilde zeigt; dahinter sieht man in eine
waldige Landschaft, und im Vordergrund fährt ein mit Kriegsleuten
besetzter Kahn vorbei. Der Oberste der Kriegsleute ist durch den Namen
Basilius kenntlich gemacht, und die ganze Darstellung bezieht sich
auf die sagenhafte Geschichte der Gründung von Basel (Abb. 39). Ein
Entwurf zu einem Ehewappen, wiederum mit leer gelassenen Schilden,
ist bemerkenswert durch die schwungvolle Ausarbeitung der zu üppigen
Ornamenten auswachsenden Helmdecken, durch die Anlehnung an den Stil
spätromanischer Prachtportale in der Gestaltung der architektonischen
Umrahmung und durch die Bezeichnung mit einer Jahreszahl: 1520. -- Es
scheint, daß die Wappenzeichnungen Holbeins, sowie seine sonstigen
Glasbilderentwürfe der größten Mehrzahl nach in den ersten Jahren nach
seiner Rückkehr aus Luzern und in noch früherer Zeit entstanden sind.
[Illustration: Abb. 41. +Entwurf zu einem Stück Fassadenmalerei, mit
der Figur Karls des Großen.+ Tuschzeichnung im Museum zu Basel.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
i. E. und Paris.)]
Eine seiner schönsten Wappenzeichnungen führte Holbein nicht als
Vorlage für ein Scheibenbild, sondern auf dem Holzstock aus. Das Blatt
stellt das Wappen der Stadt Freiburg im Breisgau dar und schmückt
den Titel des im Jahre 1520 erschienenen Buches „Stadtrechte und
Statuten der löblichen Stadt Freiburg im Breisgau.“ Hier dehnt sich das
heraldische Bild über das ganze Blatt aus; nur oben und unten ist ein
schmaler Raum gelassen für die Worte des Titels und ein paar Verse.
Auch die Rückseite dieses Titelblattes ist mit einem Holzschnitt von
Holbein geschmückt. Darauf sind die Schutzheiligen von Freiburg, die
Jungfrau Maria, der Ritter Georg und der Bischof Lambertus dargestellt;
an der Rahmenarchitektur ist nochmals das Wappen der Stadt, als
einfacher Schild mit dem Kreuz, und das Wappen des Staates, zu dem der
Breisgau damals gehörte, der „Bindenschild“ von Österreich, angebracht
(Abb. 40).
[Illustration: Abb. 42. +Vornehme Baselerin in reicher Tracht und
Federhut.+